Kinder in der Corona-Krise

  • Weitere
    schließen
  • schließen

Die Grünen im Gemeinderat kritisieren: Die Bedürfnisse der Jüngsten in der Gesellschaft werden in der Diskussion übergangen. Wie sich das in Aalen ändern soll.

Aalen

Coronagefahr. Wochenlanger Shutdown. Über das schrittweise Hochfahren in allen Bereichen – von Geschäften und Restaurants über Altenheime bis hin zum Bundesligaspielbetrieb – wird viel diskutiert. Die Situation und die Bedürfnisse von Kindern dagegen spielen in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion kaum eine Rolle, kritisiert die Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Das müsse sich ändern, findet die Fraktion. In einem Pressegespräch präsentierten Monika Siedler und Ralf Meiser am Dienstag Vorschläge und Forderungen.

Mit am Tisch saß Prof. Norbert Schinko aus Aalen, den Grünen nahestehend, Vater eines fünfjährigen Sohnes und einer dreijährigen Tochter. Er berichtete aus den zurückliegenden Wochen: "Für die Kinder war es ein kompletter sozialer Lockdown." Krippe und Kita – geschlossen. Kontakte zu Gleichaltrigen – weggefallen. Kontakt zu Großeltern – abgeschnitten. Dazu die fehlende Perspektive für Kinder und Eltern. Wann die Kita zum Normalbetrieb zurückkehre, sei völlig offen.

Kitas: Welches Kind beispielsweise Anspruch auf eine Notbetreuung habe, werde ausschließlich an der Berufstätigkeit der Eltern gemessen, kritisiert Monika Siedler. Seien die Eltern in Kurzarbeit, hätten ihre Kinder überhaupt keinen Anspruch. Dabei hätten Kinder nicht nur Bedürfnisse, sondern auch Rechte, festgeschrieben in der UN-Kinderrechtskonvention. Fehlten Alltagsroutinen in der Kita, fehle wochenlang frühkindliches Lernen durch den Austausch mit anderen, gingen bedeutende Bildungschancen verloren, sagt Monika Siedler, die selbst in einer Kita als Erzieherin arbeitet. Massive Auswirkungen fürchtet sie auch auf die psychische Gesundheit vieler Kinder.

Schulen: Monika Siedler und Ralf Meiser halten die anfänglichen Kita- und Schulschließungen für gerechtfertigt. Jetzt sei es aber an der Zeit, Standards und Perspektiven zu entwickeln für geordnete Wiederaufnahme des Betriebs in Kitas und Schulen, auch um Planbarkeit für Familien zu schaffen.

Übernächste Woche sollen laut Kultusministerium Viertklässler in die Schulen zurückkehren – in reduzierten Gruppen, mit strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Die Umsetzung dieser Verordnung sei in Aalen "nicht geklärt", so Ralf Meiser, im Hauptberuf Rektor in Hüttlingen. Jede Schule handhabe das anders, "das sorgt für Unsicherheit und Stress".

Im Namen seiner Fraktion fordert er deshalb die Stadt auf, aktiv zu werden:

Wie lange müssen Kinder das aushalten?

Monika Siedler Bündnis 90/Die Grünen
  • Die Verwaltung solle organisatorisch, koordinierend und unterstützend wirken bei der schrittweisen Wiedereröffnung von Kitas und Schulen. Beispielsweise als Schulträger mitwirken, wenn es um Verteilung oder Ausgleich benötigter Klassenräume oder Sporthallen geht. Oder rasch und unkompliziert helfen, wenn mobile Computer fehlen, um digitalen Unterricht zu ermöglichen.
  • Auswertung: Wie ist es um das Home-schooling an Aalener Schulen bestellt? Wie kommen Schüler mit den Inhalten und Aufgaben zurecht? Wie ist der Kontakt zwischen Lehrkräften und Kindern, haben alle Kinder daheim Zugang zu Computern? Um über diese und andere Themen verlässliches Basiswissen zu bekommen, sollte die Stadt beispielsweise die Hochschule für eine wissenschaftliche Untersuchung ins Boot holen, schlägt Meiser vor.
  • Zusammenhalt: Im Rahmen der Kampagne "Aalen hält zusammen" solle die Stadtverwaltung eine Plattform für Beiträge von Künstlern, Musikern und Theatermachern schaffen, um einer Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken.
  • Szenario: Was ist, wenn es eine neue Infektionswelle gibt? Die Grünen fordern die Stadt auf, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten schon jetzt ein Konzept zu entwickeln.

Erste Vorschläge, so Meiser, erhoffe man sich von der Verwaltung in der Gemeinderatssitzung am 28. Mai.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL