Kitas: Krise vor der Eröffnung

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Dieses Betonskelett steht hinter der Grundschule Waldhausen. Bereits elf Monate sind seit dem Spatenstich für die Kita Waldhausen ins Land gegangen.
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Lieferengpässe und Preisexplosionen: Wie sich das auf städtische Bauprojekte auswirkt. Drei Beispiele anhand von Kindergarten-Neubauten.

Aalen

Materialknappheit, Lieferprobleme und explodierende Baustoffpreise machen auch der Stadt Aalen zusehends zu schaffen. Obwohl es Aalens Erster Bürgermeister damals selbst nicht erlebt hat, stellt der Mittvierziger fest: „Seit 1950 hat es solche Lieferengpässe nicht mehr gegeben. Bis jetzt.“

Verteuerung von Bauprojekten, Zeitverzögerungen: Vor welchem Balanceakt die Verantwortlichen der städtischen Bauprojekte teilweise stehen, wenn Fristen nicht eingehalten werden können – das schildern jetzt Wolfgang Balle von der städtischen Gebäudewirtschaft und Architekt Hans-Peter Seibert den Mitgliedern des Gemeinderatsausschusses für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) an drei Beispielen.

Neubau Kindergarten Dewangen: In seiner Haushaltsrede im Oktober 2020 hatte OB Thilo Rentschler die Fertigstellung für das erste Halbjahr 2021 angekündigt. Für rund 2,5 Millionen Euro, so die Kostenschätzung, entsteht bei der Schwarzfeldschule eine Kita für 55 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren. Richtfest war schon im August 2020. Jetzt, im Juli 2021, sind zwar schon 16 Kinder da, aber eine Einweihung gab es noch nicht. „Momentan sind wir zwei Monate im Zeitverzug“, sagt Balle. Er prognostiziert eine Fertigstellung Mitte/Ende August 2021. „Sofern das mit der Holzfassade bis dahin klappt.“ Und spricht von voraussichtlichen Mehrkosten zwischen 30 000 und 40 000 Euro.

„Wir haben auf die Lieferung der Innentüren sieben Monate gewartet“, berichtet Architekt Seibert. „Erst in dieser Woche konnten sie eingesetzt werden.“ Auf die Holzfassade warte man bereits seit acht Monaten. „Obwohl die Lieferengpässe die komplette Planung durcheinandergewirbelt haben, haben wir es geschafft, einen Interimsbetrieb in Containern oder angemieteten Räumen zu umgehen“, stellt Balle fest. Der Eingewöhnungsbetrieb könne in einer „fast fertigen Kita“ stattfinden. „In diesem Fall sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“

Neubau Kita Waldhausen: Begonnen im September 2020, zeichnen sich derzeit beim Bau der dreigruppigen Kita hinter der Grundschule erhebliche Probleme ab. Die Rohbauarbeiten, so Seibert, konnten im März 2021 abgeschlossen werden. „Allerdings haben sich darauf bei den Zimmererarbeiten erhebliche Preissteigerungen angezeigt.“ Verschiedene Materialien seien nicht gekommen, Lieferzeiten nicht benannt worden. „Das stellt uns vor große Herausforderungen.“ Zumal man sich nicht einfach anderer Materialien bedienen wolle, da die Stadt mit diesem Bau einen regenerativen und ressourcenschonenden Ansatz verfolge. „Eine Fertigstellung im Frühjahr 2022 werden wir nicht schaffen. Vielleicht für Ende 2022. Wir brauchen eine Interimslösung“, spricht Wolfgang Balle Tacheles. Er hoffe, dass man den Holzbau im September stellen könne, damit das Gebäude dicht ist und dann der Innenausbau über die Wintermonate laufen kann. Gleichzeitig versuche man, durch Material- und Ausführungsänderungen die Preissteigerungen etwas abzufedern. Ursprünglich ging man für den Kita-Neubau zusammen mit der Sanierung der Toilettenanlagen in der Grundschule von Kosten in Höhe von 3,45 Millionen Euro aus.

Neue Kita an der Schule Fachsenfeld: Für den Bau der neuen Kita in Fachsenfeld wolle die Aalener Stadtverwaltung Ausschreibungsphase und Baubeginn zeitlich schieben in der Hoffnung, dass sich die Lage wieder etwas entspannt.

Reaktionen aus dem Ratsgremium: Kritik im Köcher hat einzig CDU-Gemeinderat und Waldhausens Ex-Ortsvorsteher Herbert „Jo“ Brenner. „Sie sollten es sich nicht so einfach machen und alles auf Materialknappheit schieben“, wettert er in Richtung Baubürgermeister Wolfgang Steidle, der die Sitzung leit. „Wir hätten anders ausschreiben sollen. Man hat sich verkalkuliert und verrechnet. Das ist meine Meinung!“

Im Bemühen, die Wogen zu glätten, bedankt sich CDU-Fraktionssprecher Thomas Wagenblast bei der Stadtverwaltung. Trotz der Kostensteigerungen habe man oft auch eine Punktlandung erlebt, betonter. Für die Zukunft appelliert er, Prioritäten zu setzen, und mahnt zu einer „Offensive mit Vorsicht“. „Dann kommen wir ganz gut hin.“

Auf die Holzfassade warten wir schon seit acht Monaten.“

Hans-Peter Seibert, Architekt
Richtfest für den neuen Dewanger Kindergarten bei der Schwarzfeldschule war schon im August 2020. Die Lieferung der Holzfassade steht seit acht Monaten aus.

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