Klares Bekenntnis für den Erhalt der Limesthermen

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Die Limes-Thermen: Stadtrat Norbert Rehm begrüßt es, dass nun auch Alt-OB Ulrich Pfeifle die Sorge äußert, dass das Bad „ausgehungert“ werden könnte.
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Gemeinderat beschließt, wie der Betrieb des Bades in Zukunft gesichert werden soll. Dreh- und Angelpunkt: Attraktivität und Finanzierung.

Aalen

Der „Leuchtturm“ Limesthermen soll auch in Zukunft leuchten. Dazu hat der Gemeinderat in seiner Sitzung in der Festhalle Unterkochen mit großer Mehrheit Beschlüsse gefasst:

Kurzfristig: Die Stadtwerke müssen die Limesthermen im Jahr 2022 offen halten; es gelten die infektionsschutzrechtlichen Vorgaben. Die Stadtwerke sollen ein Konzept zur Deckung der pandemiebedingten Verluste erarbeiten. Als Finanzspritze von der Stadt werden maximal 500 000 Euro im städtischen Haushalt 2022 eingestellt.

Langfristig: Die Stadtwerke sollen eine Sanierungs- und Zukunftskonzeption für das Bad erarbeiten oder in Auftrag geben. Im Fokus: bauliche Ertüchtigung, konzeptionelle Weiterentwicklung und künftige Finanzierung. Das fertige Konzept wird dem Gemeinderat vorgelegt.

Positionen der Fraktionen: Über die Deckung der pandemiebedingten Verluste herrschte Einmütigkeit unter den Gemeinderäten. Einmütigkeit, aber unterschiedliche Nuancen wurden hörbar beim Thema Zukunftskonzept, Vermarktung und Tarifsystem.

Michael Fleischer (Grüne) forderte, auch die Betriebsform auf den Prüfstand zu stellen und mehrere, „kleinere Lösungen der Attraktivitätssteigerung“ durchzurechnen. Seine Sorge: dass mit neuem Konzept „der Zuschussbedarf noch höher wird“. Auch CDU-Fraktionschef Thomas Wagenblast sprach sich für eine „inhaltliche Debatte“ über die Limesthermen aus. Dabei sei die Osterbucher Steige als Ganzes in den Blick zu nehmen: Wellness- und Therapieangebote, Freizeit-, Wander- und Übernachtungsmöglichkeiten. Hermann Schludi (SPD) plädierte dafür, sich Zeit zu lassen bei der Suche nach einer neuen, „maßgeschneiderten Lösung“. Zu prüfen sei auch, „ob wir mit Anteilscheinen wieder die Bürger beteiligen“.

Sind die Limesthermen zwingend eine öffentliche Aufgabe? Für CDU und Grüne ist die Frage offen, Claus Albrecht (Freie Wähler) sagt klar „ja“. Er hält das Bad für Daseinsvorsorge, „nämlich Gesundheitsvorsorge“, auch wenn man schauen müsse, was sich Aalen nach dem Kombibad überhaupt noch leisten könne.

Tempo machen? Die Zählgemeinschaft Birkhold/Traub drückt aufs Gas: Inge Birkhold forderte eine Sondersitzung des Gemeinderats zu den Limesthermen noch vor der Sommerpause, Arian Kriesch (FDP/FW) wollte den Fertigstellungstermin für das Zukunftskonzept auf 2022 festschreiben. Beide konnten sich mit ihren Anträgen nicht durchsetzen. Ebenso wenig Norbert Rehm (Aktive Bürger), der zehn Millionen Euro - wie 2017 im Bädergutachten veranschlagt - in die mittelfristige Finanzplanung einstellen wollte.

OB Frederick Brütting hatte sich eingangs klar dafür ausgesprochen, die Limesthermen „technisch und inhaltlich auf Höhe der Zeit zu bringen“ und Ideen zu entwickeln, wie sich gegebenenfalls ein „Bürgerbad“ daraus machen ließe.

Das Bad ist Daseinsvorsorge, nämlich Gesundheitsvorsorge.“

Claus Albrecht, Gemeinderat (FW)
  • Besucherzahlen und Finanzen in der Pandemie
  • Seit Ende der Freibadsaison im September 2021 sind die Limesthermen wieder geöffnet. Im Oktober besuchten dann knapp 19 000 Gäste das Bad - etwa ein Viertel weniger als im Oktober 2019. Die Omikron-Welle und verschärfte Zugangsregeln ließen die Besucherzahlen massiv einbrechen: im November 2021 auf etwa 55 Prozent der Besucherzahlen von November 2019, im Dezember sogar auf nur 65 Prozent. Die Folge: Erlösausfälle von ca. 170 000 Euro allein im Dezember. Insgesamt wurden im Jahr 2021 von September bis Dezember nur 47 400 Gäste gezählt. Pandemiebedingt waren die Thermen im Jahr 2020 nur an 119 Tagen überhaupt offen - Besucherzahl insgesamt: rund 82 000. Als Ausgleich für die Verluste erhielt die Stadt   vom Land eine Finanzspritze von 800 000 Euro, die sie an die Stadtwerke weiterleitete. Damit konnten die pandemiebedingten Verluste aus dem Jahr 2020 „weitgehend abgedeckt werden“, schreibt die Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage. „Weitere Finanzhilfen des Bundes oder Landes, beispielsweise für pandemiebedingte Erlösausfälle in den Jahren 2021 und 2022, sind nicht zu erwarten.“
  • Wie hoch das pandemiebedingte Defizit in diesem Jahr zu erwarten sei?, fragte AfD-Sprecher Dr. Frank Gläser im Gemeinderat. Stadtwerke-Geschäftsführer Christof Trautmann antwortete: „schlimmstenfalls“ 1,5 Millionen Euro. Auf Gläsers Einwand, dass die 500 000 Euro aus dem städtischen Etat dann nicht reichen würden, rechnete Trautmann eine Drittelung der Defizite vor: eine halbe Million kommen direkt aus dem Stadtsäckel, weitere 500 000 Euro könnten von den Stadtwerken und 500 000 Euro durch Pachtverzicht der Thermal-Mineralbad GmbH & Co. KG kommen. OB Brütting glaubt, dass eine Pachtreduzierung von 300 000 bis 400 000 Euro ausreichen wird.⋌⋌bea

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