Kleines Neubaugebiet im Zochental wirft Fragen auf

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Was ein privater Investor in einem ehemaligen Garten eines Grundstücks an der Saarstraße plant.

Aalen. Inmitten eines bestehenden Wohngebiets im Zochental klafft noch eine etwa 0,7 Hektar große Baulücke. Es handelt sich um ein Grundstück im Zwickel zwischen Langertstraße, Vogtlandstraße und Saarstraße. Ein Privatmann hat das bisher zum größten Teil unbebaute Grundstück erworben und will darauf nun ein Einfamilienhaus, acht Reihenhäuser und sechs Doppelhaushälften bauen. Ganz im Sinne einer zeitgemäßen flächensparenden Innenentwicklung, wie Bürgermeister Wolfgang Steidle in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag ausführte.

Verdichtete Bauweise

Das Baugrundstück liegt in einem seit mehreren Jahrzehnten bestehenden Wohngebiet. Das Planungsrecht stammt aus dem Jahr 1965 und entspreche nicht mehr den heutigen städtebaulichen Zielvorstellungen, sagte Steidle. Darum müsse der Bebauungsplan geändert werden. In verdichteter Bauweise entstehen hier künftig 23 bis 25 neue Wohneinheiten für etwa 50 neue Einwohner.

Der private Investor will das leer stehende Gebäude an der Westseite der Fläche (an der Saarstraße) abreißen und durch ein neues Einfamilienhaus ersetzen. Die beiden bestehenden Einfamilienhäuser im Osten bleiben erhalten. Die mittlere, freie Fläche soll mit Reihen- und Doppelhäusern bebaut werden. Seither wurde sie als Garten mit locker verteilten Obst-, Nadel- und Laubbäumen genutzt, "die inzwischen zum größten Teil gerodet wurden", heißt es in der Sitzungsvorlage.

Was die Anlieger ärgert

Während Inge Birkhold für die CDU-Fraktion das Konzept ausdrücklich begrüßte, fokussierte sich Claus Albrecht (FW) auf die Äußerungen von Anliegern, die die verdichtete Bauweise kritisieren. Albrecht selbst bezweifelt, dass die insgesamt 14 vorgesehenen Stellplätze ausreichen werden, "wenn das Gebiet dermaßen ausgemostet wird". Die Anlieger, so Albrecht, seien zu spät über das Vorhaben informiert worden. Und sie ärgerten sich zudem darüber, dass dort bereits rund 50 Obstbäume "in einer Nacht- und Nebelaktion gefällt worden sind". Er appellierte an die Stadtverwaltung, zeitnah Gespräche mit den Anwohnern aufzunehmen. Ilse Schmelzle (FDI) bekräftigte den Ärger der Nachbarn. "Sie haben den ausdrücklichen Wunsch, dass für die Baumfällungen Ersatz geschaffen wird."

Albrecht Schmid (SPD) schloss sich dem Appell Albrechts an, schnellstmöglich mit den Anliegern zu kommunizieren. "Bei mir haben die Alarmglocken geschellt, als ich von der Nacht- und Nebelaktion der Baumfällungen erfahren habe."

Dem Investor, berichtete Steidle, sei es wichtig gewesen, frühzeitig auf die Nachbarn zuzugehen. Coronabedingt allerdings habe das nicht stattfinden können. Rückenwind erhielt der Bürgermeister von Grünen-Fraktionschef Michael Fleischer. Dieser verwies auf die Auslegung des Bebauungsplans, der Anwohnern und Trägern öffentlicher Belange Gelegenheit biete, Einwände zu äußern. Fleischer: "Unsere Fraktion hält die Planung für angemessen. Wir müssen Baulücken nutzen, um den Flächenverbrauch nicht willkürlich fortzutreiben", meinte er sinngemäß.

Am Ende stimmte das Gremium mehrheitlich – mit zwei Gegenstimmen (Claus Albrecht und Thomas Rühl, FW) und zwei Enthaltungen (Ilse Schmelzle und Norbert Rehm, FDI) – für Aufstellung und öffentliche Auslegung des Bebauungsplans.

Wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, hat sich der Investor vertraglich bereit erklärt, im Sinne des städtischen Handlungsprogramms Wohnen künftig 25 Prozent der Wohnungen, beziehungsweise mindestens 20 Prozent der vorgesehenen Wohnfläche, für die nächsten 15 Jahre dem geförderten, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Weiter berichtet die Sitzungsvorlage vom Ergebnis einer artenschutzrechtlichen Untersuchung des Grundstücks, wonach Ersatzquartiere für Vögel, Fledermäuse & Co. in diesem Fall nicht erforderlich seien. "Im Plangebiet werden wieder Grünstrukturen geschaffen, die mittelfristig auch wieder neue Quartiere für Vögel, Fledermäuse und Insekten bieten", heißt es.

Wegen der vorhandenen Fledermaus-Sommerquartiere in den Rollladen-Kästen des leer stehenden Einfamilienhauses sei dessen Abriss nur zwischen November und Ende Februar zulässig. Für eine neue Beheimatung der Wildbienen soll nach dem Abriss des Einfamilienhauses eine Totholzpyramide in der Umgebung angelegt werden.

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