Klimaneutral bis 2035: Aalen folgt Antrag von Bürgerinnen und Bürgern

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Die Stadt Aalen steht vor einer großen Herausforderung: Bis zum Jahr 2035 will die Kocherstadt Netto-Null-Emissionen erreichen. Entsprechend muss der CO2-Ausstoß verringert werden, um dieses Ziel zu erreichen.
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1211 Aalener Bürgerinnen und Bürger fordern: Aalen soll bis 2035 klimaneutral werden! Wie Stadtverwaltung und Stadträte reagieren.

Aalen. Aalen soll bis 2035 klimaneutral werden!“ Einen Einwohnerantrag mit dieser Forderung haben exakt 1211 Aalenerinnen und Aalener unterschrieben. Mit diesem stoßen sie beim Aalener Gemeinderat und der Stadtverwaltung auf offene Türen. „Wir begreifen den Antrag als große Hilfestellung und zusätzlichen Antrieb, um noch mehr für den Klimaschutz zu tun“, betonte OB Frederick Brütting in der jüngsten Sitzung des Gemeinderatsausschusses für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik.

Hintergrund: Deutschland hat sich verpflichtet, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und bis zum Jahr 2045 weitgehend treibhausgasneutral zu sein. Viele Städte wollen schon vor 2045 klimaneutral sein. Nun also auch Aalen.

Was aus dem Einwohnerantrag wird: Die Stadtverwaltung hat aus dem Antrag bereits einen Beschlussantrag formuliert, über den der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am 28. Oktober entscheiden wird. Demnach soll „unverzüglich“ ein Planungsbüro beauftragt werden, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und unter aktiver Bürgerbeteiligung einen Klimaaktionsplan zu erarbeiten.

Der konkrete Maßnahmenkatalog soll dann bis Herbst 2022 vorliegen und vom Gemeinderat beraten und beschlossen werden. Dabei geht es um Themen wie Strom, Wärme und Kühlen und einen Klimamobilitätsplan. Mit in Betracht gezogen werden unter anderem die Bereiche Industrie und Gewerbe, Landnutzung und klimaneutrale Stadtverwaltung. Die Vorgabe ist, den Aktionsplan jährlich zu überprüfen, um bei Bedarf rechtzeitig nachsteuern zu können.

Das sagt der OB: Frederick Brütting wies darauf hin, dass sich aus dem Einwohnerantrag keine Verpflichtung ableite, alle darin angegebenen Ziele zu beschließen. Dennoch stellte er klar, dass es ein wichtiges Anliegen der Stadt sei, dem Klimaantrag weitgehend zu folgen.

Die Vertrauenspersonen der Initiative Klimaentscheid Aalen sind Margarete Rödter und Dr. Matthias Wagner. „Aalen hat in Sachen Klimaschutz viel auf den Weg gebracht. Das reicht allerdings nicht aus, um CO2-Emissionen in ausreichendem Maße zu reduzieren“, begründete Rödter den Einwohnerantrag. Und Wagner betonte die Dringlichkeit der Maßnahmen: „Wir brauchen in Aalen eine sechs- bis siebenprozentige Reduzierung der CO2-Emissionen pro Jahr!“

Das sagen die Fraktionen: Bei nur einer Enthaltung unterstützen sie allesamt den Antrag und signalisieren eine Empfehlung an den Gemeinderat. Grünen-Fraktionschef Michael Fleischer bedankt sich ausdrücklich bei den Antragstellern für den „Anstoß von außen“. Das werde ein harter Weg, sagte Fleischer, den man aber gehen müsse. „Und wenn wir Maßnahmen beschließen, müssen wir auch standhaft bleiben“, warnte er vor.

CDU-Fraktionschef Thomas Wagenblast mahnt: „Wir müssen auch die von der Produktion getriebene Wirtschaftsstruktur in Aalen für ein Umdenken fit machen.“

Andrea Hatam (SPD) gibt zu bedenken, dass 50 Prozent der Emissionen aus der Industrie kommen. Die Industrie mit ins Boot zu holen, werde äußerst schwierig sein, befürchtet sie.

Claus Albrecht (FW) sieht neben den Kommunen zugleich auch Bund, Land und Kreis in der Pflicht. Denn zur Wahrheit gehört auch: Bisher gibt es in der Fläche zu wenige E-Ladesäulen. Albrecht: „Wenn wir das nicht hinbekommen, werden wir wir keinen Erfolg haben.“

Emil Pöltl (AfD) steht hinter der von Aalen angestrebten Klimaneutralität. Bezweifelt aber, dass das gemeinsame Bemühen irgendeinen Effekt aufs globale Klima haben wird.

Christa Klink (Die Linke) gibt Claus Albrecht recht: „Ohne geänderte Bundes-, Landes- und Kreispolitik treten wir auf der Stelle.“ Der geplante Ausbau der Kreisstraßen mit 40 Millionen Euro sei das „total verkehrte Signal“.

Auch Einzelstadtrat Manfred Traub unterstützt das Ziel, „auch wenn die Stadt sicher nicht den Hauptanteil an den Emissionen trägt“.

Norbert Rehm (FDI) will wissen, was das Ganze kostet. „Diese Arbeit darf nicht zu Lasten der sozial Schwachen gehen!“

OB Frederick Brütting geht davon aus, dass das Gesamtpaket bis zu 400 000 Euro kosten wird. Allerdings könne man mit Förderungen des Landes rechnen.

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