Kliniken: Bläse für zentralen Regionalversorger

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So sieht Landrat Dr. Joachim Bläse den Landkreis in der Zukunft in Bezug auf die Kliniken aufgestellt.
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Wie sich Landrat Dr. Joachim Bläse zur Zukunft der klinischen Versorgung im Ostalbkreis positioniert - und was dies für die bisherigen Kliniken bedeuten könnte.

Aalen

So viel dezentral wie möglich und so viel zentral wie nötig: Dieser Leitgedanke gelte für ihn beim Thema, wie es mit den Kliniken im Ostalbkreis weitergehen soll, sagt Landrat Dr. Joachim Bläse. Am Dienstag hat er sich öffentlich positioniert, wie er sich die Kliniklandschaft vorstellt im Ostalbkreis und sein „Bild der Regionalversorgung“ in die Diskussion eingebracht. „Unser Ziel ist eine qualitativ hochwertige medizinische Gesundheitsversorgungsstruktur im ambulanten und im klinischen Bereich“ – und zwar im gesamten Ostalbkreis, sagt Bläse.

Es gehe um eine Lösung, die bis ins Jahr 2050 tragen soll. Dies sei „die Brille, die wir aufsetzen müssen“. Die bisherige Diskussion sei zu sehr kommunalpolitisch und auch von der jahrzehntelangen Konkurrenz zwischen dem Ostalb-Klinikum in Aalen der Stauferklinik in Mutlangen geprägt gewesen. Es habe keine inhaltliche Diskussion stattgefunden. Stattdessen sei nur noch über die Schließung möglicher Standorte und mögliche „Verlierer“ gesprochen worden.

Bläses Regionalversorgung

In Bläses Bild gibt es künftig „einen zukunftsfähigen, zentralen Regionalversorger“ mit allem, was ein großes Klinikum haben muss, und zudem mehrere Betriebsstätten in der Fläche: Gesundheitscampus, an denen auch operiert wird, in Mutlangen und Ellwangen sowie ein Gesundheitszentrum in Bopfingen.

Keine Doppelstrukturen

Wenn es um den Regionalversorger gehe, dann ist es nach Ansicht von Bläse nicht möglich, die Angebote an zwei Orten aufzuteilen. Bläse begründet dies damit, es gehe darum, „teure Doppelvorhaltungen“ zu vermeiden. Ferner nannte Bläse die demografische Entwicklung, dann gesetzliche Vorgaben, medizinische Zusammenhänge, teure Medizintechnik, aber auch die Attraktivität für Ärzte in Aus- und Weiterbildung.

Der mögliche Standort

Wo genau der Standort des zentralen Regionalversorgers mit „qualitativ hochwertigen, stationären und teilstationären Leistungsangeboten“ sein soll, dies solle „anhand objektiver Kriterien“ ermittelt werden. So müsse diese Klinik an einem Ort liegen, den die „größtmögliche Einwohnerzahl“ im Ostalbkreis in 30 Minuten erreichen kann. Dieser Punkt liege westlich von Aalen, sagt Bläse. Wichtig sei auch die Anbindung an eine Hauptverkehrsader. So ergebe sich „als bestmöglich erreichbarer Punkt“ für den größten Teil der Bevölkerung ein Platz auf Höhe der B-29-Einfahrt bei Essingen. Diesen Punkt erreichten 255 000 der 318 000 Einwohnerinnen und Einwohner nach dem B-29-Ausbau in 30 Minuten – und er entspreche im Übrigen „fast der Mitte zwischen Lorch und Bopfingen“. Doch wohin genau mit dem Zentralklinikum, das jetzt Regionalversorger heißen soll? Um diesen Punkt bei Essingen an der B 29 hat das Team von Landrat Bläse nun einen Korridor im Radius von maximal fünf Kilometern gelegt. Um den Standort festzulegen, müssten nun einige Kriterien beachtet werden: ob ein Grundstück zur Verfügung steht in der notwendigen Größe, wie es liegt, wie es erreichbar ist – auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln – und was die Beschaffung kosten würde. Bläse sagt ausdrücklich, dass in diesem Bereich „ein bestehendes Klinikum, nämlich das Ostalb-Klinikum“ liege. Dieses könnte, „wenn es die Kriterien, insbesondere das Kriterium Erreichbarkeit von der B 29“ aufweise „und in Sachen Funktionalität, Energie, Wirtschaftlichkeit sowie Investitionskosten“ mithalten könne, „in die Überlegungen miteinbezogen werden“. Klar sei aber, dass der Regionalversorger „in der Nähe des Aalener Klinikums“ stehe und dieses „darin aufgehen“ müsse. Bedeutet: Entscheidet sich der Kreistag für einen anderen Standort, dann war's das für das Ostalb-Klinikum. Bläse empfiehlt, um den Standort zu ermitteln, die Hinzuziehung eines externen Büros und die Erstellung einer Bewertungsmatrix mit allen Kriterien.

Mutlangen und Ellwangen

Die beiden heutigen Krankenhausstandorte in Mutlangen und Ellwangen, würden nicht geschlossen, „sondern inhaltlich weiterentwickelt“ zu „hochwertigen medizinischen Zentren, die grundsätzlich ambulant und teils stationär“ geführt würden. Zur „dezentralen, basis- oder wohnortnahen Grundversorgung“ zählen für Bläse

Notfallversorgung,

Geburtshilfe,

Altersmedizin sowie

ambulante OP-Angebote

Diese Angebote könnten je nach Raumschaft unter Berücksichtigung von Qualität, Finanzen, Personal und Fallzahlen unterschiedlich sein. „Wir würden diese unter dem Begriff Gesundheitscampus mit Ambulanzen und Überwachungsstation, in Mutlangen ergänzt um eine Geburtsklinik, und in Bopfingen Gesundheitszentrum bezeichnen“, erklärt Bläse. Es werde dort „ein relevanter Teil der heute noch stationär erbrachten Leistungen künftig ambulant“ erbracht. Es gebe dort auch die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten über Nacht betreut in der Einrichtung zu behalten. Die ambulante Notfallversorgung - das seien 75 Prozent der Notfälle - könnte vor Ort „in hoher Qualität von 6 bis 21 oder 22 Uhr gewährleistet werden. Eine solche dezentrale Versorgungsstruktur ist Bläse zufolge in allen vier Räumen - Mutlangen, Aalen und Ellwangen sowie „sicherlich in komprimierter Form“ auch für Bopfingen notwendig. In Mutlangen gebe es zudem eine Geburtsklinik mit dem Level 4.

Die Gesundheitscampus und -zentren mit den entsprechenden Klinikfunktionen sollten in Teilkonferenzen unter Einbindung der Ärzteschaft, der Gesundheitsversorger, der Bevölkerung und der Kommunen entwickelt werden.

In der Zwischenzeit

Und was geschieht, bis es soweit ist im Jahr 2035? Da bleibt Bläse etwas schwammig: Für die Zeit, bis der Regionalversorger und die neuen Strukturen stehen, müsse „die jetzige Qualität gehalten und der Verlust von Angeboten durch Sofort- und Übergangsmaßnahmen gewährleistet werden - ohne kommunalpolitische Denkverbote.

Wie's weitergeht

Die Fraktionen im Kreistag werden zu den Klinik-Fragen Stellung nehmen am 29. November. Zudem hat Bläse eine Klausur zu dem Thema im Dezember angekündigt. 

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