Klopapier hilft nicht mehr gegen Geschäftsschließungen

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Ein mittlerweile gewohntes Bild: Am Rückspiegel hängen Masken. Seit Montag gilt: Bei Fahrten von Menschen, die nicht einem Haushalt angehören, gilt eine Maskenpflicht.
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Seit Montag gelten neue Regeln – betroffen sind mehrere Bereiche des Lebens. Und in den Kliniken steigen die Fallzahlen mit Corona.

Aalen

Mit "Erstaunen" hat man es im Landratsamt in Aalen zur Kenntnis genommen, dass in der jüngsten Novelle der baden-württembergischen Corona-Verordnung auch zu Lockerungen gekommen ist. Denn wie Susanne Dietterle, vom Landratsamt bestätigt, gibt es seit diesem Montag erneut Änderungen in den Regeln, wer wen besuchen darf.

Kontakte: So dürfen seit Montag maximal fünf Personen aus nicht mehr als zwei Haushalten zusammenkommen. Davor hatte die Regel gegolten: "Ein Haushalt + eine Person". Jetzt können sich zum Beispiel befreundete Paare wieder treffen. Und Paare, die nicht zusammenleben, gelten dabei als ein Haushalt.

Öffnungen mit Sortimentserweiterungen: Hingegen gibt's Einschränkungen für Geschäftsinhaber, die mit kreativen Ansätzen erreichen wollten, dass ihre Geschäfte offenbleiben können. In Hüttlingen und auch in Aalen haben Einzelhändler dadurch, dass sie ihr Sortiment etwa auf Kolonialwaren erweitert haben, eine Lücke genutzt, die die Corona-Verordnung bislang geboten hatte. Der Aalener City-Manager Reinhard Skusa bekommt seither viele Anfragen aus dem Kreise der Aalener Händler, die Ähnliches vorhaben. Skusa sieht dies mittlerweile kritisch. "Wir müssen aufpassen, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht", sagt er. Zudem wurde die Coronaverordnung des Landes entsprechend verändert. Wenn "Mischsortimente" angeboten werden, heißt es da, dann dürften Sortimentsteile, "deren Verkauf nicht gestattet ist, verkauft werden, wenn der erlaubte Sortimentsteil mindestens 60 Prozent des Umsatzes beträgt". Bedeutet: Wer normalerweise Kleidung verkauft und jetzt zusätzlich Klopapier, der muss mit dem Verkauf von Klopapier 60 Prozent seines Umsatzes machen, damit er weiter Kleidung verkaufen kann.

Ausgangssperren sind möglich. "Bei 7-Tage-Inzidenzen von mehr als 100 wird die Landesregierung die Behörden vor Ort anweisen, Ausgangssperren zu verhängen, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben", heißt es vonseiten des Landes. Dies ist für den Ostalbkreis bislang nicht geschehen – anders im Landkreis Schwäbisch Hall. Dort liegt die Inzidenz bei über 470. Die Haller dürfen tagsüber das Haus nur aus einem "triftigen Grund" verlassen. Auch Mannheim hat eine Ausgangssperre verhängt. Dort liegt die Inzidenz bei 167 (Stand Montag). Doch für den Ostalbkreis gilt – Stand Montag: "Weder der Ostalbkreis noch die anderen umliegenden Kreise mit Ausnahme von Schwäbisch Hall erwägen momentan, eine Ausgangssperre zu verhängen. Die Landräte stehen in engem Austausch und werden sich zu gegebener Zeit bei weiter rapide steigenden Inzidenzen auch zu einer möglichen Ausgangssperre abstimmen", wie Susanne Dietterle, Sprecherin des Landratsamtes, erklärt.

Kliniken "Wir merken einen deutlichen Anstieg", sagt Dietterle in Bezug auf die Situation in den Kliniken. Derzeit – wieder Stand Montag – würden 44 Menschen in den Ostalb-Kliniken wegen Corona behandelt, davon elf intensivmedizinisch. Am 25. März waren es "nur" fünf Patienten mit Corona auf Intensivstationen im Ostalbkreis. "Ja, auch bei uns in den Kliniken macht sich die dritte Welle bemerkbar und die Zahl der Covid-19-Patienten steigt stetig, aber langsam an", berichtet Ralf Mergenthaler von den Kliniken Ostalb. Auffallend sei, "dass nun vermehrt Jüngere zwischen 50 und 70 Jahren betroffen sind", sagt er. Diese seien aber weniger pflegebedürftig als die über 80-jährigen Patienten, die besonders von der ersten Welle im vergangenen Jahr betroffen waren. Mergenthaler führt dies "auf den Impfschutz, den mittlerweile viele Ältere haben", zurück. Die Lage in den Kliniken und insbesondere auf den Intensivstationen hält Mergenthaler für "noch gut beherrschbar" und weiter: "Wir hoffen, dass dies so bleibt, damit wir keine planbaren Eingriffe verschieben müssen."

Modellstadt und -region: Auf große Sympathie stößt im Ostalbkreis der Tübinger Modellversuch, mit umfassenden Corona-Schnelltests Öffnungen in der Innenstadt zu ermöglichen. Stellvertretend für alle Kommunen des Ostalbkreises hat sich Landrat Dr. Joachim Bläse vergangene Woche an Sozialminister Manfred Lucha gewandt und den Kreis samt 42 Kommunen als Modellregion ins Gespräch gebracht. Auch Aalen hat nach Stuttgart geschrieben und möchte Pilotstadt werden. Die Stadt Gmünd schließt sich dem Kreis-Antrag an. "Wir wollen uns mit vielen Ideen kräftig einbringen", sagt der Sprecher der Stadt Schwäbisch Gmünd, Markus Hermann. Der Aalener OB Thilo Rentschler habe sich gegenüber Landrat Bläse ebenfalls erklärt, die Stadt Aalen sei Teil der kreisweiten Initiative, berichtet Dietterle. "Weshalb die Stadt sich – entgegen der anderslautenden Bitte von Herrn Landrat – nun doch separat an Herrn Lucha gewandt hat, ist uns nicht bekannt", sagt Dietterle. In Aalen will man aber den Vorstoß des OB als "unterstützend" für den Landkreisantrag verstanden wissen, nicht als Konkurrenz. Die Stadt sei wegen verstärkter Bürgertestungen mit dem DRK in grundsätzlicher Abstimmung, sagt Stadtsprecher Sascha Kurz.

Autofahren: Neu seit Montag: Bei Fahrten von Menschen, die nicht einem Haushalt angehören, gilt eine Maskenpflicht – für alle, auch den Fahrer. Auch hier gilt: Paare, die nicht zusammenleben, gelten als ein Haushalt.

Und Buchhandlungen gehören nicht mehr zum "Einzelhandel des täglichen Bedarfs". Das bedeutet: Zwischen einer Inzidenz von 50 und 100 ist einkaufen nach Termin erlaubt. Liegt die Inzidenz wie im Ostalbkreis stabil über 100, ist nur das Abholen zuvor bestellter Ware möglich.

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