Kollektiv K bringt Vergängliches an die Hauswand

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Mitglieder des Kollektiv K werkeln in der Marienstraße 11 in Aalen.
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Mitglieder des gemeinnützigen Vereins bemalen das Haus mit der Nummer elf in der Marienstraße in Aalen. Ein Besuch vor Ort.

Aalen. Alles beginnt mit einem Blatt Papier. Blaue Linien formen sich zu einem Haus, Umrisse, Blumen und Wurzelwerk entstehen. Marie Kubitza (23) begutachtet den Plan, der an einer Türe in der Marienstraße elf befestigt ist, greift zu blauer Farbe und Pinsel, macht sich an der Hauswand ans Werk. Zwölf ausgestorbene oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen aus dem Ostalbkreis bringen sechs Malerinnen und Maler des Kollektiv K, ein gemeinnütziger Verein aus Aalen, auf die mehrere Etagen hohe "Leinwand". Marie hat sich eine Duft-Skabiose vorgenommen. Erst ranken sich die Knospen, dann die Blüten an der Fassade entlang.

Noch bis Sonntag, 8. August, wollen die Kollektivmitglieder Kuhnelke, Rosa Kugelorchis & Co. aufmalen und ihre Skizze, die an der Haustüre hängt, in Übergröße verwirklichen.

Verschönerung und Abriss

Ganz ohne Grund bemalen die Kreativen das Einfamilienhäuschen nicht. Im kommenden Jahr wird es abgerissen. "Davor wollten wir es verschönern, so Aufmerksamkeit erzeugen und zum Nachdenken anregen", erklärt Tobias Kerger (25). Die vom Aussterben bedrohten Pflanzen stünden dabei sinnbildlich für den Abriss und die Vergänglichkeit, fügt die 23-Jährige hinzu. Und warum blaue Blumen? Sie hätten sich an der Architektur des Hauses orientiert, denn Gartenzaun und Fensterläden waren bereits in diesem Ton. "Außerdem erinnert die Farbe an blaues und altes Porzellan", erklärt Marie.

Für ihre Arbeit erhalten die insgesamt 13 Beteiligten eine Aufwandsentschädigung, wie Tobias sagt. Finanziert werde das Projekt vom Kollektiv K und mit Mitteln aus dem "Ostalb Kultursommer".

Im Erdgeschoss Wurzeln, in der Mitte Stängel und Blüten, in der ersten Etage Blütenblätter - so das Konzept der Malenden. "Es ist interessant, sich mit der Sache zu beschäftigen. Man lernt viel dabei und es schafft ein Bewusstsein für die Natur", erklärt Mark Keller (24).

Die Hausherrin freut's

Hanna Schock, Hausherrin, freut sich, dass sich die jungen Menschen ihr Haus verschönern. "Als ich vor einem Jahr eingezogen bin, wusste ich, dass ich bald wieder ausziehen muss", sagt die Mieterin. Sie selbst könne sich im Haus kreativ entfalten. Da kam ihr die Idee, bei den Kollektiv-Mitgliedern anzufragen, ob sich diese ums Äußere kümmern wollen, und das wollten sie - und so wurde aus einem Plan auf dem Papier ein Kunstwerk in Übergröße.

Eine kleine Vernissage startet am Sonntag, 8. August, 14 Uhr. Besucherinnen und Besucher sind willkommen.

  • Teil des Kultursommers
  • Die Aktion in der Marienstraße elf ist Teil des Ostalb-Kultursommers. "Mir hat die Idee gefallen, da es etwas mit Nachhaltigkeit zu tun hat", sagt Ines Mangold-Walter, Regionalmanagerin Kultur, dazu. Wichtig sei, dass es im Rahmen des Kultursommers auch Angebote für jüngere Menschen gibt, sagt sie weiter.
Wer die Namen der Pflanzen erfahren will, findet diese an den Latten des Zauns vor dem Grundstück.
Auf den oberen Bereich des Hauses werden Blütenblätter gepinselt.
Mitglieder des Kollektiv K werkeln in der Marienstraße 11 in Aalen

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