Kombibad: Beschluss steht – Hallenbecken mit 10 Bahnen

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Auf dem Areal des seitherigen Hirschbachfreibads soll das künftige Kombibad schollenartig in den Hang hineingebaut werden.
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Den Baubeschluss für das Kombibad im Hirschbach hat der Aalener Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit getroffen.

Aalen

Eine sehr sachliche und mit außergewöhnlicher Disziplin geführte zweieinhalbstündige Diskussion des Aalener Gemeinderats endete am Donnerstag um 19.15 mit einem historischen Baubeschluss: Mit großer Mehrheit stimmte das Gremium für den Neubau des Kombibads auf Basis der Entwurfsplanung.

Dabei setzten sich die Fraktionen von CDU und Grünen mehrheitlich gegen den Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung durch. Auf 28 Ja- und 18-Nein-Stimmen stieß ihr Abänderungsantrag, das 25-Meter-Hallenschwimmbecken nicht mit acht, sondern mit zehn Bahnen auszustatten. Damit steigt die für das Kombibad zugrunde liegende Kostenberechnung von 44,4 auf 44,8 Millionen Euro. Die Gegenfinanzierung der rund 430 000 Euro Mehrkosten soll auf Vorschlag der CDU-Fraktion über den Grundstückserlös beim potenziellen Verkauf des seitherigen Musikschulparkplatzes in der Hegelstraße erfolgen.

Zuvor hatte OB Thilo Rentschler ein weiteres Mal auf die durch die Pandemie bedingte leere Haushaltskasse hingewiesen: "Wir werden im Jahr 2022 wieder – wie schon im Jahr 2012 – auf einem Schuldenberg von 60 Millionen Euro sitzen", meinte er sinngemäß. Er betonte, dass die Bausumme von knapp 45 Millionen Euro für das Kombibad komplett auf Darlehensbasis finanziert werden müsse. Deshalb habe man dem Gemeinderat empfohlen, auf die 9. und 10. Bahn im Hallenbecken zu verzichten. Stefan Studer, Bäderexperte der Beratungsfirma Kannewischer meinte ergänzend:. "Selbst mit acht Bahnen im Hallenbecken erhalten Sie ein weitaus größeres Angebot, als Sie es derzeit haben."

So argumentierten die Fraktionen:

Die CDU: "Unser Wunsch, zehn Bahnen, aber lediglich ein 25-Meter-Hallenbecken – das ist schon ein mühsam gezimmerter Kompromiss", meinte Fraktionschef Thomas Wagenblast. Er erinnerte, dass man beim Realisierungswettbewerb von zehn Bahnen ausgegangen war. Man wolle ein zukunftssicheres Bad bauen – zumindest für die nächsten zwei Generationen. Die CDU-Fraktion wolle gegenüber Schulen und Vereinen vertragstreu bleiben. Und: Mehrkosten von einem Prozent der Baukosten seien "wirklich moderat".

Die Grünen: "Die Schulen sind uns besonders wichtig", sagte Michael Fleischer. Zumal immer mehr Grundschüler zum Ende ihrer Grundschulzeit nicht schwimmen können. Und auch die Vereine sollen ausreichend Möglichkeit für den Breiten- und Wettkampfsport haben. "Dafür brauchen wir zehn Bahnen!" Fleischer erinnerte an die Beschlusslage des Gemeinderats vom 14. Dezember 2017: Damals bereits habe man zehn Bahnen im Innenbereich beschlossen.

Das Kombibad muss komplett auf Darlehensbasis finanziert werden.

Thilo Rentschler Oberbürgermeister

Die SPD: Hermann Schludi meint, dass eine Aufstockung von derzeit fünf Bahnen im Hallenbad auf künftig acht Bahnen im Hallenbecken des Kombibads ausreicht. Und mit einem vernünftigen Zeitmanagement könne die Nutzung noch gesteigert werden. Die SPD habe Verständnis für die maximale Wunschvorstellung der Vereinsvertreter. Aber vernünftig für die Öffentlichkeit und für die Bürger zu planen, sei etwas anderes.

Freie Wähler: Für Claus Albrecht ist nicht die 9. und 10. Bahn der Königsweg, sondern das Kombibad an sich. "Wir müssen uns die Möglichkeit der Doppelnutzung in den Übergangsjahreszeiten bewusst machen, die wir so seither noch nicht hatten." Wenn man die Baukosten erhöhe, werde man dasselbe später auch bei den Eintrittspreisen machen müssen.

AfD: "Das Geld für das Kombibad ist ausschließlich geliehen", merkte Dr. Frank Gläser an. Das schöne Kombibad sei Luxus, eine Hypothek für die Zukunft. Und das Land beteilige sich nicht an den Baukosten. "Für die AfD ist das Projekt nicht genehmigungsfähig."

FDI: Norbert Rehm bekundete, dass er als Mitglied des Preisgerichts die zehn Bahnen mitgetragen habe. Doch wie sich die Baukosten entwickelten, wisse man nicht. "Wir müssen den Bürgern auch sagen können, mit welchen tatsächlichen Eintrittspreisen wir beim Kombibad kalkulieren." Im übrigen vertrat er die Meinung, dass der Gemeinderat ohne Vorlage einer konkreten Folgekosten-Berechnung den Baubeschluss gar nicht fassen könne.

Die Linke: Den Erfolg des Schulschwimmens will Roland Hamm nicht von der Anzahl der Bahnen abhängig machen. "Fakt ist, dass wir mit der Ausweitung der Wasserfläche dem Schul- und Vereinssport in viel größerem Maße gerecht werden." Das Problem bei einer Aufstockung der Bahnen seien die Folgekosten, die sich auf die Eintrittspreise niederschlagen würden. "In einer sozialen Stadt ist das nicht akzeptabel."

Stadt soll Bau eines Senkrechtaufzugs prüfen

Einhellige Zustimmung aller Fraktionen erhielt der Antrag der Gruppierung Die Linke: Demnach soll die Stadtverwaltung die Prüfung zum Bau eines Senkrechtaufzugs für Menschen mit Behinderung bis zur Sitzung des nächsten Bäderbeirats nachreichen. Die förderfähigen Kosten für einen solchen Aufzug an der Außenseite des Gebäudes liegen laut Roland Hamm zwischen 18 000 und "maximal 40 000" Euro.

Barrierefreiheit Eingangs war Architekt Ernst Ulrich Tillmanns vom Planungsbüro 4a Architekten explizit auf die Anregungen der Agendagruppe "Aalen barrierefrei" eingegangen. Demnach werden die Rampen im Freibadbereich anstatt mit der DIN-Normbreite von 1,50 Metern mit einer Breite von 1,80 Metern gebaut. Weiter werden laut Tillmanns die Kabinen der Damen- und Herren-WCs vergrößert, damit sie ebenfalls barrierefrei sind. Hintergrund: Ursprünglich war lediglich ein behindertengerechtes Dusch-WC eingeplant.

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