Kombibad: Welche Hürden noch zu überwinden sind

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Die Stadträtinnen Christa Klink (l.)und Doris Klein (r.) dürfen unter Anleitung von Kerstin Abele (Mitte) selbst erfahren, wie beschwerlich ein Anstieg mit dem Rollstuhl ist.

Was Mitglieder des Aalener Beirats für Menschen mit Behinderung an der Planung des kombinierten Hallen- und Freibads im Hirschbach kritisieren.

Aalen

Kerstin Abele und Werner Rieger – beide im Rollstuhl – setzen sich für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein. Sie äußern Kritik an der Planung des neuen Kombibads am Hirschbach. Ihre Bedenken und Anregungen sehen sie nicht ausreichend berücksichtigt.

Vor dem in Kürze anstehenden Baubeschluss wollen sie deshalb auf ihr Anliegen aufmerksam machen und haben die Entscheidungsträger zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen. Treffpunkt war die Unterführung hinter dem Aalener Amtsgericht.

Abele und Rieger sind als Referenten für Barrierefreiheit und Inklusion bundesweit unterwegs. Sie engagieren sich im VdK-Kreisverband Aalen, in der Agendagruppe "Aalen barrierefrei" sowie im Beirat für Menschen mit Behinderung (BmB).

Es sind im Kern zwei Forderungen, die sie vorbringen: Die 33 Meter lange Rampe, die vom Eingangsbereich zu den Becken führt, soll statt der geplanten 1,50 Meter eine Breite von 1,80 Meter bekommen. Gefordert wird zudem ein Aufzug.

Die aktuelle Planung sieht für alle Rampen im Kombibad eine Breite von 1,50 Metern vor. Sie sind damit deutlich breiter als die in der DIN geforderten 1,20 Meter.

Für die Behindertenvertreter ist das dennoch zu wenig. "Eine Breite von eineinhalb Metern lässt keinen Begegnungsverkehr zu", sagt Kerstin Abele. Hinzu komme: Die Rampe sei aufgrund ihrer Länge nicht einsehbar. Deshalb ihr Vorschlag: auf eine Breite von 1,80 Meter gehen. "Damit sich Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren bequem begegnen können."

Zudem sei damit zu rechnen, dass viele Familien diese Rampe vom Eingang zu den Becken ebenso nutzen, da sich Schrägen leichter als Stufen laufen lassen, erklärt Werner Rieger. "1,80 Meter wird überall vorgeschlagen, weil das praktikabel ist", betont er und betont: "Die Rampe 30 Zentimeter breiter zu machen, kostet keinen Cent mehr."

Ordentlich Geld koste dagegen ein zusätzlicher Aufzug, den Werner Rieger außerdem fordert. "Damit Menschen, die keine 33-Meter-Rampe nutzen können, vom Eingangsbereich auf Beckenniveau gelangen." Denn auch wenn die Rampe nicht mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen sechs Prozent Steigung aufweise, sei dies für einen nicht besonders sportlichen Rollstuhlfahrer eine körperliche Belastung und anstrengend. Das gleiche gelte für Senioren mit Rollatoren, so Rieger.

Damit sich Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren bequem begegnen können.

Kerstin Abele Referentin für Barrierefreiheit

Beim Gespräch lädt er die Zuhörer ein, einmal auszuprobieren, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl eine Steigung hochzufahren. Leere Rollstühle stehen bereit. "Nutzen Sie die Gelegenheit, fahren Sie die Rampe hoch. Man kann sich nicht vorstellen, wie anstrengend es ist."

Natürlich habe es Gespräche gegeben, sagt Rieger auf Anfrage der anwesenden Stadträte. "Aber kein Einvernehmen." Die gewünschten Längsschnitte vom Gelände habe er bis heute nicht vom Architekten erhalten, so Rieger.

Räte sind irritiert

Die Räte zeigen sich irritiert über die Differenzen. Man sei davon ausgegangen, dass das seinen Gang gehe, so die einhellige Aussage der Gemeindevertreter. Erst vor einer Woche habe man das Papier mit den Vorschlägen des BmB und die dazugehörige Stellungnahme der Planer vorgelegt bekommen – als Tischvorlage. Der Hintergrund: Im Oktober 2020 hatte der BmB in einer Sondersitzung Anregungen und Hinweise zur Planung des Kombibads formuliert.

"Beteiligung ist wichtig. Wir wollen, dass das Kombibad barrierefrei ist und für alle nutzbar", bekräftigt Norbert Rehm (FDI). "Wir müssen noch einmal miteinander reden", meint Doris Klein von den Grünen.

Dass die Becken im Außenbereich des künftigen Kombibads auf verschiedenen Ebenen liegen, halten die Behindertenvertreter insgesamt für ungünstig. Allein fünf Rampen sind notwendig, um die Höhenunterschiede zu überwinden. "Wir hätten nie für diesen Entwurf gestimmt", sagt Kerstin Abele.

Der Bau des neuen Kombibads im Hirschbach soll im Spätherbst dieses Jahres beginnen. Im Jahr 2024, so der Plan, soll es an den Start gehen.

Werner Rieger (r.) und Kerstin Abele (l.), beide im Rollstuhl, machen Vertreter der Stadtverwaltung, des Bäderbetriebs der Stadtwerke und Stadträte auf die Bedürfnisse bewegungseingeschränkter Menschen aufmerksam.
Die Parameter für Länge und Steigung der Rampe sind mit Kreide auf den Asphalt gemalt.

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