Kopftuch bereitet Aalener Muslimas Probleme

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Posdumsdiskussion in der Fatih-Moschee
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Warum die religiöse Kopfbedeckung umstritten ist, welche Kopfbedeckungen es bei Christen, Juden und Muslimen gibt und warum Seren Yilmaz ein Kopftuch trägt.

Aalen

Muslimische Frauen, die Kopftuch tragen, erleben in Deutschland oft Diskriminierung im Arbeitsleben. In der Gesellschaft ist es ein vieldiskutiertes Symbol. Jetzt hat der christlich- islamische Dialogkreis in Aalen das Kopftuch zum Thema eines Abends in der Fatih-Moschee gemacht. Der evangelische Pfarrer Manfred Metzger und Seren Yilmaz, eine Pressesprecherin der Muslimischen Gemeinde Aalen, haben bei einer Podiumsdiskussion religiöse Hintergründe von Kopfbedeckungen erläutert und Persönliches erzählt. Ein deutliches Statement hat Pfarrer Manfred Metzger gesetzt: „Ich würde sofort eine kopftuchtragende Muslima in einem evangelischen Kindergarten einstellen, sofern es mir erlaubt wäre.“

Die Aalenerin Seren Yilmaz und das Kopftuch

Chancengleichheit, gesellschaftliche Teilhabe und Kompetenzen. Begriffe, die Seren Yilmaz an diesem Abend vor 50 Gästen mit dem Beamer an die Wand wirft. Es geht um muslimische Mädchen und Frauen, die Kopftuch tragen. Sie ist eine von ihnen. Und sie weiß, was Muslimas in Deutschland – und auch in Aalen – erleben, wenn sie sich zum Gebot des Korans bekennen. „Ich bin gläubig und trage mein Kopftuch freiwillig und ganz bewusst“, sagt Yilmaz, die in der Fatih-Moschee auch Jugendarbeit macht und auf den Koran verweist. Das Kopftuch bedecke das Haar, damit Frauen nicht sexualisiert würden. Allah fordere das Kopftuch, als Schutz für die Frauen. „Die Sure ist für mich aktuell und gilt auch noch im Jahr 2021.“ Sie habe Mädchen begleitet und dabei schon viel erlebt. Etwa bei einer Ausbildungsmesse. Firmenvertreter hätten, so Yilmaz, gesagt, sie fürchten die Reaktion von Kunden. Doch sollten Frauen selbstbewusst sein und Respekt einfordern; sie selbst sei Beispiel dafür, auch mit Kopftuch erfolgreich zu sein. „Ich arbeite in einem Sozialunternehmen.“

Pfarrer Manfred Metzger und sein Barett

Kopfbedeckungen im Christen- und Judentum stellt der Unterkochener Pfarrer Manfred Metzger vor. Er selbst hat ein Barett dabei. Die einzige für evangelische Pfarrer zugelassene Kopfbedeckung zum Talar. „Luther hat als Gelehrter einen Talar und ein Barett getragen“, erläutert der Theologe die Historie. Metzger setzt das Barett auf und wird persönlich. Er erinnert an seine Kindheit. „Damals haben wir uns den Fön gespart und nach dem Baden am Samstag mit einem blauen Kopftuch auf dem Sofa Sportschau geschaut.“

Die Bibel und das Kopftuch

In der Bibel findet man, so der Theologe, nur zwei Stellen, in denen es um das Kopftuch gehe: im Altentestament im Buch Rut sowie bei Paulus im Neuen Testament. Metzger erzählt von Rut, die ihr Geerntetes in ihr Kopftuch - ein normales Kleidungsstück in biblischer Zeit - packt. Das Tuch sei kein religiöses Symbol - einst nicht und ebenso wenig heute. Der Pfarrer erläutert, warum Männer den Hut - ein Zeichen der Macht - vor der Kirche abnimmt: „Da ist Gott der Chef.“

Die Kippa & Co.

Die Kippa und der Hut seien für Juden rein symbolisch und signalisieren „Ehrfurcht vor Gott“. Bei orthodoxen Jüdinnen zeige das Kopftuch, so Metzger an, dass sie verheiratet seien.

Die Diskussion

In der Debatte wird mehrfach Chancengleichheit für kopftuchtragende Frauen gefordert. „Die Gesellschaft braucht Zeit und Toleranz dafür“, sagt Pfarrer Metzger und rät: „Lassen Sie ihre Töchter anziehen, was sie wollen.“ Er fordere für Christen keine Sonderrechte ein, sondern nur das, was er mit dem christlichen Glauben vertreten könne, so Metzger. Deshalb müsse es auch Priesterinnen geben. In der Runde wird Glaubensfreiheit auch mit Blick auf das Kopftuch eingefordert; und für Bewerbungen ein Schreiben ohne Foto.

Die Fatih-Moschee

Die Muslimische Gemeinde Aalen wurde im Jahr 1989 gegründet und hat heute 400 aktive Mitglieder. Seit Gründung des christlich-muslimischen Dialogkreises im Jahr 2007 ist die Fatith-Moschee Mitglied. Außerhalb der Pandemie veranstaltet die Moschee drei bis vier Mal im Jahr Infoabende, um die kulturelle und religiöse Verständigung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu fördern und zur Integration der Muslime in der Gesellschaft beizutragen.

Pfarrer Manfred Metzger und Seren Yilmaz
Seren Yilmaz (v.l.), Murat Göl, stellvertretender Vorsitzender der Muslimischen Gemeinde Aalen und Pfarrer Manfred Metzger im Gespräch nach der Podiumsdiskussion.
Pfarrer Manfred Metzger mit dem Barett als Kopfbedeckung

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