Kostenlos: Geflüchtete Ukrainerinnen schneiden geflüchteten Ukrainern die Haare

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Schlag auf Schlag geht es im Friseursalon Bäuerle. Dort schneiden geflüchtete ukrainische Friseurinnen anderen geflüchteten Ukrainerinnen die Haare kostenlos.
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Der Aalener Friseur Bernd Bäuerle stellt seinen Salon im Pelzwasen zur Verfügung. Warum er das macht und welche Idee hinter der Haarschneideaktion steckt.

Aalen. Tatjana Falkovska strahlt. "Super, perfekt, jetzt habe ich gute Laune", sagt die Ukrainerin. Zuletzt war sie im November beim Friseur. In ihrer Heimat Kiew, aus der sie Mitte März vor dem Krieg geflüchtet ist. Nun hat die Deutschlehrerin im Salon Bäuerle in der Hölderlinstraße endlich mal wieder einen neuen Schnitt bekommen.  Von Tatjana Waschkiv, ebenfalls Ukrainerin. "Ich habe ihr gesagt, wie sie es machen soll. Und nun ist es so, wie ich es auch sonst immer habe", lacht Tatjana Falkovska und greift sich dabei mit der Hand in die Haare. Als sie von der Aktion erfuhr, habe sie gleich bei der Friseurin angerufen. "Ich konnte gleich die erste Kundin sein", erzählt sie.  Rund eine halbe Stunde lang dauerte ihr Termin. Nun muss sie auch schon weg. Sie unterrichtet Deutsch an der Volkshochschule.

Das Bedürfnis nach gepflegtem Aussehen

Seit kurz nach acht schneiden am Donnerstagmorgen drei aus der Ukraine geflüchtete Friseurinnen ebenfalls aus der Ukraine geflüchteten Frauen, Mädchen und Kindern die Haare.  Organisiert haben Tatjana, Allona und Lara die Termine selbst über ihre Netzwerke. Ideengeberin der Aktion ist die Aalenerin Christine Baumann. Sie unterstützt zwei ukrainische Flüchtlingsfamilien. "Dabei kam mir die Idee, dass das Bedürfnis nach Schönheit und gepflegten Aussehen ja jeder hat. Aber die Frauen können sich einen Friseurbesuch nicht leisten", sagt sie dazu. Baumanns Mann ist Stammkunde bei Bernd Bäuerle. Eines kam zum anderen, als Bäuerle von diesem angesprochen wurde. "Ich habe spontan zugesagt. Das war für mich eine Selbstverständlichkeit", erzählt der Friseurmeister. Auch, weil seine Mutter als Donauschwäbin selbst geflüchtet war. "Sie hat in einem Kuhstall schlafen müssen", so Bäuerle. Ein paar Termine musste er verschieben, dann waren die Stühle bereit für die Berufskolleginnen aus der Ukraine.

Neue Frisuren im Halbstundentakt

Schlag auf Schlag wechseln auf diesen Stühlen die "Kundinnen", die eigentlich gar keine sind. "Das ist unser Geschenk für die ukrainischen Leute und 100 Prozent kostenlos", sagt Lara, während sie einer älteren Dame ganz vorsichtig die Haare kürzt. Ansonsten ist es so, wie es eben beim Friseur ist. Man redet oder schweigt, nur geht alles ein wenig schneller. Haarefärben fällt aus, dafür laufen die Föhne heiß und die Glätteisen auf Hochtouren. "Wir wollen nicht zuhause sitzen, sondern helfen", sagt Lara, die selbst zuletzt in der Ukraine nicht mehr als Friseurin arbeitete. Anders als Allona, die dort 15 Jahre lang ihren Beruf ausübte. "Ich mache das sehr gerne und vermisse es. Auch deshalb freue ich mich über die Aktion", sagt Allona, während sie rasch mit dem Glätteisen ein paar Wellen in das Haar einer jungen Ukrainerin einarbeitet.

Junge Mädchen, Kinder und Frauen - immer wieder geht die Türe im Salon auf. Bis rund 11 Uhr hat Bäuerle diesen für die Menschen aus der Ukraine freigehalten. 30 Minuten pro Schnitt sind einkalkuliert. Bei manchen geht es schneller, bei anderen dauert es etwas länger. Die meisten der Frauen sind mit dem Bus gekommen - andere werden von Christine Baumann wieder zurück in ihre Unterkünfte gefahren. Dann wird sie zurückkehren und den Salon putzen. Aber auch sie strahlt, während sie das erzählt.

Schlag auf Schlag geht es im Friseursalon Bäuerle. Dort schneiden geflüchtete ukrainische Friseurinnen anderen geflüchteten Ukrainerinnen die Haare kostenlos.
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Tatjana Waschkiw schneidet Tatjana Falkowska im Salon Bäuerle die Haare.

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