Weltfrauentag

Krieg befeuert das Leid der Frauen

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Leni Breymaier: Die Sozialdemokratin ist unter anderem Sprecherin ihrer Fraktion für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundestag.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier spricht im Interview mit SchwäPo-Redakteurin Bea Wiese über Frauensolidarität, bleibende Aufgaben und neue Ängste.

Aalen

Putins Krieg gegen die Ukraine beherrscht die Schlagzeilen. Der Westen bemüht sich um Geschlossenheit, um dem russischen Diktator die Stirn zu bieten. Weltweit will man aufmerksam machen auf das Unrecht und die Folgen dieses Krieges.

Dabei sollte an diesem Dienstag, 8. März, am Weltfrauentag, die weltweite Aufmerksamkeit auf Frauenrechte fokussiert sein. Der Internationale Frauentag - über seine Bedeutung, Frauenrechte und das, was zu tun ist in Zeiten des Krieges spricht die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier im Interview mit der Schwäbischen Post.

Frau Breymaier, 8. März 2022 - Internationaler Frauentag. Überlagert der Krieg in der Ukraine diesmal nicht alles?

Leni Breymaier: Der Krieg in der Ukraine unterstreicht das Internationale des Weltfrauentages. In allen Veranstaltungen wird das Thema zur Sprache kommen. In Aalen wurde auch am Sonntag bei der Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten Geld für die Frauen in und aus der Ukraine gesammelt. Das Leid der Frauen in der Ukraine, auch in Afghanistan ist uns nicht egal.

Glauben Sie, wir hätten diese Katastrophen, wenn die Weltpolitik weiblicher wäre? Aber die Situation der Frauen dort und die Solidarität mit ihnen entbindet uns nicht, hier unsere Hausaufgaben beim Thema Gleichberechtigung zu erledigen.

Welche Frauenthemen können angesichts dieses Gewaltausbruchs überhaupt noch relevant sein?

Nach dem Motto, schaut, den Frauen dort geht es ja noch viel schlechter, dürfen wir uns unsere Themen nicht marginalisieren lassen.

Was meinen Sie mit „unsere Themen“?

Unsere Themen, das sind gleiches Entgelt, raus aus der Altersarmut, Vereinbarkeit Familienarbeit und Beruf, gleiche Verteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit, Schwangerschaftskonflikte im Strafgesetzbuch, Gewalt an Frauen, Repräsentanz in den Parlamenten und so fort – es gibt genug zu tun.

Der Kampf gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel ist eines Ihrer politischen Schwerpunktthemen. Wie groß ist die Gefahr, dass Menschenhändler die Flüchtlingsströme aus der Ukraine nutzen, um an neue „Ware Frau“ zu kommen?

Das ist keine theoretische Frage. Diese Frage treibt mich ganz praktisch um. Freier freuen sich in den sozialen Medien ganz offen auf die jungen Ukrainerinnen. Einer schreibt am 25. Februar, also einen Tag nach Kriegsbeginn: „Das wird ein Fest.“ Alle, die jetzt mit Hilfslieferungen unterwegs sind, müssen, neben Behörden und Polizei, ein Auge haben auf junge Frauen, auch auf junge Frauen mit Kindern. Ihren Verbleib zu erfassen, ist keine Bürokratie, das ist bitter, bitter notwendig. Im Zweifel sind die Frauen hier nicht in Sicherheit.

Die Corona-Pandemie in Deutschland: Verschiedentlich wird beklagt, die Krise sei ein Rückschritt für die Frauenbewegung gewesen. Teilen Sie die Einschätzung?

Corona hat vor allem gezeigt, was nicht in Ordnung ist bei uns. Mütter, die Home-Schooling, Home-Office und Home-Work gleichzeitig zu stemmen hatten, gehen am Stock. Insbesondere Alleinerziehende. All diese Erfahrungen müssen in die praktische Politik einfließen.

Der Weltfrauentag 2022 und der Krieg in der Ukraine: Ostalb-Bündnis warnt aktuell vor Menschenhandel

  • Weltfrauentag: Der Weltfrauentag wurde im Jahr 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen ins Leben gerufen. Er sollte unter anderem die weltweite Einführung des Frauenwahlrechts fördern. Im Jahr 1977 wurde er von den Vereinten Nationen als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden anerkannt. In Berlin ist er seit 2019 gesetzlicher Feiertag.
  • Flucht und Menschenhandel: Das Ostalb-Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution sowie die Organisation Solwodi warnten am Montag in einem offenen Brief: „Achtung - Menschenhändler warten auf fliehende Ukrainerinnen an den Grenzen!“ Darin werden Pramila Patten, Sondergesandte der Vereinten Nationen für sexuelle Gewalt in Konflikten, sowie Irene Hirzel vom Beratungs- und Schulungszentrum gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung (ACT212) zitiert. Beide weisen darauf hin, dass Frauen und Kinder auf der Flucht massiv gefährdet seien, in die Fänge von Menschenhändlern zu geraten und in Bordellen zu landen. Der „Tagesspiegel“ in Berlin berichtet von dubiosen Schlafplatzangeboten für Flüchtlinge am Berliner Hauptbahnhof: Personen hätten Geld geboten, um speziell Frauen oder Jugendliche bei sich „aufzunehmen“, so die Polizei.

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