Kritischer Inzidenzwert für den Handel

  • Weitere
    schließen
+
Die Impfungen sind ein Wettlauf gegen das Corona-Virus, das aktuell wieder an Fahrt aufnimmt. Grafik: ca
  • schließen

Bereits in der ersten Öffnungswoche des Jahres müssen die Händler wieder zittern. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat die 50er-Marke überschritten. Der Freitag wird entscheidend.

Aalen

Mit Sorgen blicken die Händler im Ostalbkreis auf die Sieben-Tage-Inzidenz. Am Mittwochabend meldet das Landesgesundheitsamt für den Ostalbkreis den Wert von 50,6, am Donnerstagabend sogar 54,8. Überschreitet die Inzidenzzahl an drei aufeinanderfolgenden Tagen die 50er-Marke müssen die Geschäfte, die erst seit Montag wieder geöffnet haben, erneut schließen. So verlangt es die Corona-Verordnung.

Dabei handele es sich um ein "diffuses Infektionsgeschehen", informiert Susanne Dietterle, Pressereferentin im Landratsamt. "Wir haben aktuell keinen Brennpunkt in Einrichtungen", sagt sie. Momentan warte man noch ab.

Sollte auch am Freitag die Inzidenz über 50 liegen, werde dies das Landratsamt per Verfügung amtlich feststellen. "Damit würden am zweiten Werktag nach der Verfügung automatisch die in der Corona-Verordnung genannten Folgen eintreten, insbesondere müsste der Einzelhandel dann wieder schließen", sagt Dietterle. Käme diese Verfügung am Freitag tatsächlich, müssten also am Montag die Läden wieder schließen.

Leider nicht ganz unrealistisch, schaut man sich die Inzidenzentwicklung der vergangenen vier Wochen an. Montags ist die Zahl der Neuinfektionen immer am niedrigsten – am Wochenende wird weniger getestet. Richtung Ende der Woche steigt die Zahl an. Am Freitag ist die Zahl meist ähnlich oder höher im Vergleich zum Donnerstag. Schlechte Aussichten.

Das sagt der Handel in Schwäbisch Gmünd und Aalen

Man habe nun drei Tage Vorlauf, um sich vorzubereiten, versucht Josef Funk, Vorsitzender von Aalen City aktiv (ACA), die Situation positiv zu sehen. Allerdings sei es nicht in Ordnung, dass nun der Einzelhandel wieder schließen müsse. Schließlich sei der Handel nicht schuld an den aktuellen Infektionen. Die in dieser Woche festgestellten hätten sich ja schon in der vergangenen Woche ereignet – als der Handel noch geschlossen hatte.

"Ich bin kein Corona-Leugner", sagt Funk. Jedoch sei es nicht fair, dass Supermärkte nun beispielsweise Computer verkauften, während ein Schlagenhauf schließen muss. Funk verweist auf einen aktuellen Beschluss des Oberverwaltungsgerichts aus dem Saarland. Das Gericht hat zahlreiche Beschränkungen für den Einzelhandel gekippt und stellte eine "Ungleichbehandlung" gegenüber "privilegierten Geschäftslokalen" fest. Zudem bestünden "erhebliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Betriebseinschränkungen". Das Gericht verweist zudem auf eine Analyse des Robert Koch-Instituts, nach der der Einzelhandel nicht zu den Pandemietreibern zähle.

Diese Regel ist nicht mehr zu halten.

Josef Funk ACA-Vorsitzender

Funk rechnet damit, dass ähnliche Klagen auch in Baden-Württemberg Erfolg haben könnten. "Diese Regel ist nicht mehr zu halten", sagt er.

Dennoch bereiten sich die Händler nun auf Einschränkungen vor und die heißen: "Click & Meet" – also Einkaufen nur nach Terminvereinbarung. Bei Funk beispielsweise könne man dann entweder per Mail oder telefonisch einstündige Termine reservieren. Oder auch spontan am Eingang nachfragen und dort einen Termin buchen.

Beim Schwäbisch Gmünder Handels- und Gewerbeverein ist man ebenfalls nicht begeistert über die Aussichten. Allerdings: "Click & Meet ist besser als nichts", sagt die Geschäftsführerin Simone Klaus. Die Händler erhielten nun Formulare zur Erfassung der Kontaktdaten der Kunden für eine mögliche Nachverfolgung. So verlangt es die Corona-Verordnung. Es sei nun eine gewisse Flexibilität gefordert, sagt Klaus. Mit einem Hin und Her ist zu rechnen. Doch alles sei besser, als wieder komplett schließen zu müssen.

Die Entwicklung der Impfungen im Ostalbkreis

Bei den Corona-Impfungen macht der Ostalbkreis kleine Fortschritte. Wären im Ostalbkreis nur Menschen aus dem Ostalbkreis geimpft worden, so hätten nun 3,5 Prozent aller Einwohner entweder eine Erst- oder auch schon eine Zweitimpfung erhalten.

Allerdings kann niemand sagen, wie diese Quote genau aussieht. Auch das Landratsamt weiß nicht, wie viele der über 80-Jährigen im Ostalbkreis aus der höchsten Prioritätsgruppe bereits geimpft sind. Die Systeme erlauben keine derartige Analyse. Verantwortlich dafür ist die zentral vom Land zur Verfügung gestellte Software. Somit kann das Landratsamt auch nicht abschätzen, wann man mit dieser Prioritätsgruppe durch ist.

Insgesamt gab es im Ostalbkreis innerhalb einer Woche 3097 weitere Erstimpfungen und 1153 weitere Zweitimpfungen – entweder im Kreisimpfzentrum oder in Pflegeheimen. Damit hat sich das Impftempo im Vergleich zur Vorwoche um rund 1900 Erst- und Zweitimpfungen mehr leicht erhöht.

Mehr zum Thema

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL