Landrat fordert gerechte Verteilung

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Landrat Dr. Joachim Bläse bei der Eröffnung des Kreisimpfzentrums in der Aalener Ulrich-Pfeifle-Halle.
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Wie das Sozialministerium die Impfstoff-Logistik begründet und warum die mobilen Impfteams aus Stuttgart zusätzlichen Impfstoff in den Ostalbkreis bringen.

Aalen

Von zahlreichen Anrufen besorgter und verärgerter Bürger berichtet Landrat Dr. Joachim Bläse aufgrund des Artikels "Darum ist der Ostalbkreis beim Impfstoff im Nachteil". Dafür habe er auch Verständnis, schließlich sei es ein sensibles Thema, sagt er.

Gibt es nun Forderungen für eine gerechtere Verteilung des Impfstoffs aus dem Landratsamt? Gerade die Landkreise mit einer relativ hohen Bevölkerungszahl aber nur einem Impfzentrum sind direkt betroffen.

Eines stellt Bläse gleich zu Beginn des Gesprächs klar: "Ich würde nie tatenlos zusehen und zulassen, dass der Ostalbkreis benachteiligt wird." Deshalb habe er auch zusammen mit dem Rems-Murr-Kreis bereits beim Start der Impfplanungen für jeweils ein zweites Kreisimpfzentrum gekämpft. Doch nur die sechs bevölkerungsreichsten Landkreise haben ein zweites KIZ erhalten. "Die Fläche hat in der Bewertung keine Rolle gespielt", sagt Bläse. Damit waren der Rems-Murr-Kreis mit knapp 430 000 Einwohner auf Rang sieben und der Ostalbkreis mit etwa 314 000 Einwohner auf Rang zehn raus.

Daraufhin habe er Gespräche mit dem Land geführt, so der Landrat. Mit dem Ergebnis, dass die Mobilen Zentralen Impfteams (ZIZ-MIT) aus Stuttgart 36 der 52 Pflegeheime im Ostalbkreis übernommen haben. Diese bringen ihren eigenen Impfstoff mit und sollen die "Unwucht" im System auffangen. Nur 16 Pflegeheime muss der Ostalbkreis deshalb mit dem ihm zugeteilten Impfstoff selbst impfen.

Tatsächlich haben diese ZIZ-MIT aus Stuttgart in der Summe mittlerweile über 2350 Erst- und Zweitimpfungen im Ostalbkreis durchgeführt. Impfungen im Kreisimpfzentrum selbst und der mobilen Kreisteams summieren sich auf etwa 1300. Also etwa 3650 Impfungen insgesamt. So viel wären allein durch den dem Ostalbkreis bislang zur Verfügung gestellten Impfstoff – 2340 Dosen – nicht möglich gewesen. Relativ ähnlich sind die Zahlen im Rems-Murr-Kreis.

Spannend wird es, wenn die unterstützenden Impfteams aus Stuttgart mit den Pflegeheimen durch sind. Laut Bläse dürfe dies dann im Anschluss zu keiner Verzerrung führen. Entweder müsse dann tatsächlich die Impfdosenverteilung an die Einwohnerzahl angepasst werden, sagt er. Oder die ZIZ-MIT bleiben im Landkreis und unterstützen bei den dezentralen Impfungen in den Gemeinden und bringen so weiterhin zusätzlichen Impfstoff in den Kreis.

In zwei bis drei Wochen müsse man genau auf die Zahlen schauen, sagt Bläse. Eine Benachteiligung des Ostalbkreises: "Das darf nicht passieren." Dies habe er auch der Landesregierung klargemacht.

Was das Sozialministerium zur Verteilung sagt

Ich würde nie tatenlos zusehen und zulassen, dass der Ostalbkreis benachteiligt wird.

Dr. Joachim Bläse Landrat

Das Sozialministerium verweist bei der Verteilung auf logistische Gründe. "Die Impfstoffe können logistisch nur in kompletten Kartons an die Impfzentren ausgeliefert werden", sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Ein Faltkarton enthalte 1170 Impfdosen. "Eine weitere Aufteilung solch kleiner Mengen ist nicht möglich", sagt er. Außerdem sei die Zuordnung der Impfberechtigten nicht an einen Wohnort gebunden. So könnten sich Menschen aus dem Ostalbkreis auch im Kreis Schwäbisch Hall oder Heidenheim impfen lassen. Allerdings schränkt er ein: "Von Aalen ein Impfzentrum zum Beispiel in Stuttgart aufzusuchen, ist vor dem Hintergrund des aktuell überall knappen Impfstoffes und mit Blick auf die dabei zurückzulegende Entfernung sicher keine Alternative." Und weiter: "Impf-Tourismus" zwischen den Kreisen mache daher keinen Sinn.

40 000 Impfdosen fürs ZIZ in Rot am See

Wenig Impfstoff hin oder her – die Zentralen Impfzentren sorgen für eine "massive Verzerrung", so Bläse. Mit fast 745 000 Einwohnern haben die beiden Landkreise Ostalb und Rems-Murr aktuell lediglich 4680 Impfdosen zugeteilt bekommen, während die relativ kleinen Landkreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Main-Tauber nur auf 445 000 Einwohner aber bereits 7020 Impfdosen für die drei Kreisimpfzentren erhalten haben. Hinzu kommt eben das Zentrale Impfzentrum in Rot am See im Landkreis Schwäbisch Hall, das bis einschließlich Donnerstag über 30 000 Impfdosen erhalten hat, teilt das Haller Landratsamt auf Nachfrage mit.

Allein in dieser Woche kamen in der Summe 5880 Impfdosen – 1200 von Moderna und 4680 von Pfizer/Biontech – im ZIZ an. Zum Vergleich: Diese Woche gab es für die Kreisimpfzentren keinen neuen Impfstoff, für kommende Woche sind 2340 Dosen angekündigt. Laut Sozialministerium gingen nach Rot am See sogar 34 Kartons je 1170 Impfdosen von Biontech – also insgesamt fast 40 000 – plus 1200 Dosen von Moderna.

Das ZIZ in Ulm hat in der Summe fast 45 000 Dosen erhalten, das Robert Bosch-Krankenhaus und das Klinikum Stuttgart zusammen etwa 100 000.

Auch im Gmünder Rathaus spricht man von einer "Schieflage". "Unser OB kämpft hinter den Kulissen und unterstützt den Landrat bei seinen Forderungen", sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. Ein zweites KIZ sei sinnvoll, wenn es mehr Impfdosen gibt. Die Landesregierung müsse für eine gerechtere Verteilung sorgen.

"Gut wäre gewesen, wenn auch die Region Ostwürttemberg bei der Zuteilung dieser Zentralen Impfzentren berücksichtigt worden wäre", sagt Aalens OB Thilo Rentschler. Er appelliere an die Geduld der Menschen. "Der Impfstoff muss erst produziert werden, denn erst dann kann er entsprechend auf alle Landkreise ausreichend verteilt werden", sagt Rentschler.

Corona-Impfungen in den Altenpflegeheimen kommen gut voran

Von 52 Alten- und Pflegeheimen wurde in 41 Einrichtungen bereits geimpft oder es steht der Termin für die Erstimpfung, informiert das Landratsamt. Dasselbe gelte für fünf von sieben ambulant betreuten Wohngemeinschaften, zwei von vier binnendifferenzierten Einrichtung und für die zwei Mutterhäusern von Ordensgemeinschaften im Kreis, berichtet Landrat Bläse. 33 Heime, drei Wohngemeinschaften sowie alle binnendifferenzierten Einrichtungen und die beiden Mutterhäuser werden durch Mobile Impfteams des Zentralen Impfzentrums in Stuttgart geimpft. Die anderen Einrichtungen werden von den Mobilen Teams des Kreisimpfzentrums betreut. Bläse dankt den Verantwortlichen im Zentralen Impfzentrum des Robert-Bosch-Krankenhauses für ihre Arbeit im Ostalbkreis. So könne man die vulnerablen Bevölkerungsgruppen innerhalb weniger Wochen gegen das Corona-Virus schützen.

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