Landschaftspflege oder Umweltfrevel

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Ziemlich abgeräumt sehen die Flächen entlang der Schättere-Trasse aus. Der BUND kritisiert die Arbeiten. Die Stadt hält dagegen und sagt, es handle sich um Landschaftspflegemaßnahmen.
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Mitglieder des Aalener BUND kritisieren Arbeiten am Gehölz entlang des Heckenlehrpfades. Die Stadt erklärt dies mit Pflegemaßnahmen zum Schutz der Magerrasenflächen.

Aalen

Mitglieder des BUND Ortsverbandes Aalen waren schockiert. Sie sprechen von "Ignoranz im Umgang mit dem beliebten ‘Natur- und Hecken-Lehrpfad'". Neben einem "krassen Verstoß gegen ein naturschonendes Pflegemanagement" und "offenbarer Unkenntnis" der "wütenden Landschaftsgärtner", habe hier "die Auftrags- und Aufsichtsbehörde versagt". Dementsprechend habe der BUND Ortsverband Aalen, vertreten durch dessen Verbandsvorsitzenden Hanspeter Pfeiffer, eine Umweltmeldung an die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ostalbkreis und zugleich an die Umweltmeldestelle des Umweltministeriums Stuttgart gesandt. Die Naturschützer des BUND befürchten, "dass diese Naturvernichtung im Zusammenhang mit dem Ausbau der Schätteretrasse zusammenhängen könnte, um im Vorfeld Tatsachen zu schaffen".

Der BUND schildert den Hintergrund: Im Juni 2020 sei auf dem Areal die Rotblättrige Rose mit dem lateinischen Namen rosa glauca gefunden worden. Diese sei auf der Liste gefährdeter Arten in Gefährdungskategorie drei. Entdeckt hat diese Rose der Pflanzenfachmann Jürgen Weller vom BUND Aalen an der Böschung der Schätteretrasse oberhalb des Birkhofs. Diese Rosenart fehle in den meisten Landesteilen ganz. Der BUND spricht von einem "bemerkenswerte Neufund", der auch der Naturschutzbehörde in Aalen gemeldet worden sei.

Trotzdem sei im Februar "genau im Bereich des Fundorts der geschützten Strauchart rücksichtslos mit schwerstem Gerät gemulcht und der Standort selbst überfahren" worden. Dabei seien "die wenigen Exemplare der Rotblättrigen Rose schwer beschädigt" worden. "Diese aktuellen Beobachtungen sind leider das vollständige Gegenteil von verantwortlichem Artenschutz", so Helmut Haas vom BUND.

Die Stadt erklärt dazu, es habe sich bei den Arbeiten "um eine landschaftspflegerische Maßnahme, die der Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis in Auftrag gegeben hat", gehandelt. Die Pflegearbeiten seien mit der Naturschutzbehörde und mit der Stadt abgestimmt, da es sich um eine städtische Fläche handle.

Die Härtsfeldtrasse verbinde neben umfangreichen Heckenflächen "in leider immer kleiner werdenden Restflächen auch noch wenige ortstypische Magerrasenflächen", die wie etwa die Wacholderheiden, die für die Alblandschaft charakteristisch seien, so die Stadt. Diese Magerrasen seien "sehr artenreich mit einem besonderen Blütenbestand und bieten Raum für Eidechsen und Reptilien". Pflegemaßnahmen wie die aktuell durchgeführte müssten "regelmäßig durchgeführt werden, da sonst die Magerrasen verschwinden würden und so ihre reiche Arten- und Vegetationsvielfalt durch zu starke Gehölze und Heckenbewuchs verdrängt werden würden", wie Stadtsprecherin Karin Haisch erklärt.

Die städtischen Flächen liegen am Rande des FFH-Gebiets, einer besonderen Schutzzone für Natur und Arten. Alle dort tätigen Akteure, ob LEV, Naturschutzbehörde oder Stadt "haben ganz gewiss nicht die Absicht, auf den angrenzenden städtischen Flächen in Landschaft und Natur einzugreifen", sondern sie seien "ganz im Gegenteil bemüht, den ortstypischen Bewuchs und seine Artenvielfalt zu erhalten und betreiben dafür eine nachhaltige und fachlich fundierte Landschaftspflege". Haisch: "Zusammen mit dem LEV haben wir in der Vergangenheit ähnliche Schutz- und Pflegemaßnahmen auch an anderer Stelle vorgenommen."

Der BUND hat ja nach eigenen Angaben dem Landratsamt den Fall gemeldet. Dort prüft man nun, ob es sich um eine Umweltbeeinträchtigung handeln könnte – "und veranlasst gegebenenfalls notwendige Maßnahmen", wie es aus dem Landratsamt dazu heißt. Eine erste Einschätzung könne derzeit "noch nicht abgegeben werden, da hierzu der Sachverhalt zunächst geprüft werden muss", erklärt Katharina Oswald aus dem Landratsamt.

Lehrpfad: Tafeln sollen ergänzt werden

Der Heckenlehrpad entlang der Schätteretrasse wurde im Jahr 2004 im Zusammenarbeit zwischen dem Verkehrs- und Verschönerungsverein Aalen, dem damaligen Staatlichen Forstamt Aalen und der Stadt Aalen eingerichtet. Entlang der Schätteretrasse wurden damals zwischen Pflaumbach und dem Wanderparkplatz an der Kellersteige in Unterkochen insgesamt zehn Infotafeln rund um das Thema Hecken, Sträucher Obstwiesen aufgestellt. Bei der bereits geplanten Erneuerung dieser Tafeln ist laut Stadt beabsichtigt, auch auf die kleinflächig noch vorhandenen Magerrasen und Blühflächen sowie deren Pflege einzugehen.

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