Langfinger dank Überwachungskameras überführt

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51 jähriger Rumäne wegen versuchten und vollzogenen Diebstahls zu einem Jahr Haft verurteilt.

Aalen. Der Angeklagte, ein 51-jähriger Rumäne, soll am 20. Juni dieses Jahres in Mögglingen und am 15. Juli in Essingen an zwei Wohnungen älterer Ehepaare gebettelt haben. Als diese wohl Geld holen wollten, drang er ein, um nach Wertgegenständen zu suchen und wurde jeweils von den Bewohnern dabei überrascht. Er flüchtete jeweils sofort.

In Aalen drang er am 20. Juli in eine Wohnung ein und entwendete dort eine Uhr und Modeschmuck im Wert von rund 300 Euro. Am 27. Juli entwendete er in einer Spielhalle in Aalen eine Geldbörse aus einer abgelegten Handtasche mit etwa zwei Euro Inhalt. Verhaftet wurde er am 30. Juli.

Jetzt musste sich der 51-Jährige für seine Taten vor dem Aalener Schöffengericht verantworten. Die Anklage lautete auf zweimal Hausfriedensbruch und versuchten Diebstahl, in Fall drei auf schwerem Diebstahl und zuletzt auf Diebstahl in einem minderschweren Fall.

Der Angeklagte, dem ein Dolmetscher übersetzte, gab alles zu und tat seine Reue kund. Weiter wollte er nichts sagen, was aber mit seinem Anwalt wohl anders besprochen war. Nach einer kurzen Besprechung beantwortete der Angeklagte die Fragen des Richters.

Er wohnt in Rumänien, ist verheiratet, hat sechs erwachsene Kinder. Seine Frau hat Diabetes, für sie muss er Insulin kaufen. Er hat keine Ausbildung und ist seit Jahren ohne Arbeit. Anfang Juni dieses Jahres kam er nach Aalen, um Arbeit zu suchen, was aber nicht klappte. Gewohnt hat er bei einer Schwägerin, er arbeitete kurz schwarz auf einer Baustelle und bettelte für seinen Lebensunterhalt. Für diesen Zweck führte einen mitleiderregenden Text auf einem Zettel mit. Auf Nachfrage sagte er, er sei schon einmal "vor drei bis vier Jahren in Deutschland gewesen".

Für Richter Martin Reuff war jetzt zu klären, wie er am 20. Juli in die Erdgeschosswohnung in Aalen gekommen war. Laut Bewohnerin war die Haustür verschlossen, die Wohnungstür offen, da im Haus nur noch ihre Tochter in der Wohnung im Obergeschoss lebt. Nach Angaben des Angeklagten war die Haustür aber auch ohne Werkzeug oder Dietrich zu öffnen. Die Tochter der Geschädigten hatte den Diebstahl erst am 22. Juli angezeigt.

Beim Eindringen in die Wohnung war der 51-Jährige von einer Überwachungskamera gefilmt worden, ebenso beim Diebstahl in der Spielhalle. Er wurde zudem von den Geschädigten aus den ersten beiden Fällen identifiziert.

Bereits zwei mal verurteilt

Reuff zitierte aus älteren Akten, nach denen der Rumäne bereits 2008 und 2010 in Ulm und Aichach zu zwei Strafbefehlen wegen Betrugs und Diebstahls verurteilt worden war. Ein weiterer Strafbefehl in Aalen aus 2014 und eine Anklage 2015 in Ellwangen wegen Diebstahls in Lauchheim waren damals zu sieben Monaten Haft zusammengefasst worden, die er voll verbüßen musste.

Da der Angeklagte geständig war, wurden nur zwei Polizeibeamte zu den Ermittlungen vernommen, auf weitere Zeugen wurde verzichtet. Im Video zum Einbruch in Aalen war nicht zu erkennen, ob er einen Schlüssel benutzte oder ob die Tür offen war.

Staatsanwalt Tilmann Gauß beantragte ein Jahr Haft ohne Bewährung wegen Hausfriedensbruchs, zweimal versuchtem Diebstahl, einem Fall von schwerem und einem von leichten Diebstahl, alles gewerbsmäßig.

Er hielt dem Angeklagten sein Geständnis und den geringen entstandenen Schaden zu Gute. Zudem sollten die 300 Euro von ihm eingezogen werden. Der Verteidiger verwies auf die materielle Notlage seines Mandanten und der Familie und plädierte auf zehn Monate Haft.

Richter Martin Reuff schloss sich im Urteil dem Antrag des Staatsanwalts an, weil der Angeklagte bereits früher Diebstähle begangen hatte, verurteilt worden war, und keine Besserung abzusehen sei. Dazu sollen die 300 Euro Schmuckwert eingezogen werden.

Jürgen Eschenhorn

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