Lehrertische: Grüne scheitern

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1,9 Millionen Euro für Lehrerarbeitstische: Geld, das an anderer Stelle besser eingesetzt wäre, finden die Grünen im Aalener Gemeinderat. Doch die Mehrheit im Gremium sieht das anders.

Aalen

Aufträge für rund 6,6 Millionen Euro für die Digitalisierung an Aalener Schulen hat der Gemeinderat am Mittwoch vergeben. Netzwerkkomponenten und digitale Tafeln werden angeschafft und auch die umstrittenen Lehrerarbeitstische für 1,867 Millionen Euro. Die Firma Wied aus Bühlerzell wird sie nun für die Stadt anfertigen.

Was die Tische so teuer macht: Darin integriert ist Technik wie zum Beispiel ein Computer mit Monitor. In der Vorberatung sind die Tische als Kommandozentrale beschrieben worden, mit dem die Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht digital steuern können, zum Beispiel Inhalte auf der digitalen Tafel oder auf den Geräten der Schülerinnen und Schüler anzeigen lassen können. Es geht um 250 Arbeitstische. Einer kostet also rund 7500 Euro. Zuviel, finden die Grünen. Lehrerinnen und Lehrer könnten auch mit Laptop und Tablet oder nur mit einem Tablet Inhalte auf Displays spielen. Diese Lösung koste pro Stück nur 1000 statt 7500 Euro. Das gesparte Geld sei an anderer Stelle besser eingesetzt. Einen entsprechenden Antrag stellten die Grünen, den Ralf Meiser in der Sitzung vorstellte und begründete.

W-LAN an Schulen: Statt in die teuren Lehrerarbeitstische zu investieren, sollen die Schulen lieber noch schneller mit W-LAN ausgestattet werden, führte Meiser aus. Ihm zufolge soll die letzte Aalener Schule 2024 mit W-LAN versorgt werden. Dem widersprach Schulbürgermeister Karl-Heinz Ehrmann. 16 der 21 Aalener Schulen verfügen ihm zufolge bereits über W-LAN. "Die fünf übrigen Schulen, Braunenbergschule, Greutschule, Kappelbergschule, Langertschule und Uhlandrealschule, sollen bis 2022 angeschlossen werden", sagte Ehrmann.

Geräte für Lehrerinnen und Lehrer: Noch schneller als geplant sollen Lehrkräfte Endgeräte erhalten, fordern die Grünen weiter. Ehrmann antwortete: Von 600 Lehrerinnen und Lehrern, die an Aalener Schulen arbeiten, hätten 400 ein Tablet erhalten. Die übrigen 200 wolle man besorgen, wenn die Förderrichtlinien klar seien. Das Land habe das für dieses Jahr angekündigt. Das bedeute nicht, dass man bis 2024 warten müsse. Dieses Datum hatte Meiser genannt. Nur die Finanzierung des Medienentwicklungsplans laufe bis 2024.

Geräte für Schülerinnen und Schüler: Dass die Schülerinnen und Schüler noch schneller Tablets bekommen und der letzte nicht erst 2024 eines bekommt, regte Ralf Meiser weiter an. Auch hier sei das Datum 2024 falsch, antwortete Ehrmann. "Wir haben bereits 1200 Tablets ausgegeben", sagte der Bürgermeister. Bis Ende des Jahres werden ihm zufolge in Abstimmung mit den Schulen weitere Tablets ausgeben. Ende 2021 sollen dann 3300 Schülerinnen und Schüler mit Geräten versorgt sein. "Das sind mehr als die Hälfte", sagte Ehrmann. Rund 6000 Kinder und Jugendliche gehen ihm zufolge auf die Aalener Schulen. Würde man jetzt sofort 4800 Tablets kaufen, müsste die Stadt rund 1,92 Millionen Euro ausgeben und zusätzliche Kräfte im Amt für IT einstellen, rechnete Ehrmann vor. Die Einsparungen in Sachen Lehrertische, die die Grünen vorschlagen, reiche zur Finanzierung nicht aus.

Mich nervt das langsam.

Hermann Schludi SPD-Fraktionssprecher

Zusätzliche Stellen im Amt für IT: "Die Abteilung Schul-IT ist unserer Information nach überlastet", heißt es im Antrag der Grünen. Die Fraktion forderte daher, externe Dienstleister zu beauftragen. Ehrmann antwortete: "Wir haben bereits externe Dienstleister an Bord." Aktuell gebe es aber wenig Chancen, noch weitere Dienstleister zu finden, die den Ansprüchen genügen.

Fortbildungen für Lehrkräfte: "Das Fortbildungsangebot des Landes ist noch überschaubar und lückenhaft", steht im Antrag der Grünen. Das frei werdende Geld solle daher in Fortbildungen, die die Stadt organisiert, gesteckt werden. Ehrmann antwortete, dass es im Frühjahr 2020 in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule eine Fortbildung gegeben habe. Welche technischen Möglichkeiten es gibt, sei im Vordergrund gestanden. "Die Pädagogik muss beim Land bleiben", sagte Ehrmann.

Sonderbudget für Schulen: Mit dem gesparten Geld, so die Grünen, soll außerdem ein Sonderbudget für die Schulen eingerichtet werden, mit dem sie weitere Anschaffungen im digitalen Bereich tätigen können. Die professionelle Erstellung von Lernvideos nennt der Antrag als ein Beispiel. Ehrmann antwortete, dass die Schulen bereits über ein Budget verfügen. "Das reicht in der Regel aus."

Unterstützung für den Grünen-Antrag gab es aus den Reihen der FDI-Fraktion. Alle anderen Fraktionen sprachen sich für den Vorschlag der Verwaltung, einschließlich Lehrertische aus. Mehrere Räte äußerten auch Unmut über die Diskussion, die sich wegen der Grünen so lange ziehe. "Mich nervt das langsam", sagte zum Beispiel SPD-Fraktionssprecher Hermann Schludi. Thomas Rühl von den Freien Wählern beantragte die Abstimmung, bevor die Grünen noch einmal zu Wort kommen konnten, was das Gremium mehrheitlich annahm. Der Grünen-Antrag wurde bei elf Gegenstimmen mehrheitlich abgelehnt.

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