Letzte Chance für einen Wiederholungstäter in Aalen

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Ein 34-Jähriger musste sich wegen des Besitzes von Drogen und Waffen vor dem Amtsgericht Aalen verantworten.

Aalen Ein 34-jähriger Zerspanungstechniker musste sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Aalen wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten. Die Polizei hatte im Januar 2021 bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten größere Mengen an Marihuana, Haschisch, Kokain und Extasy entdeckt. Auch Waffen wurden von den Beamten sichergestellt. Der zweifach vorbestrafte 34-Jährige hatte am Ende Glück. Er kam noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon.

In der Verhandlung  am Donnerstag zeigte sich der 34-Jährige von Beginn an geständig und reumütig. Über seinen Anwalt räumte er den Besitz der Drogen und auch der Waffen ein. Wie ein Polizeibeamter dem Gericht im Prozess erklärte, sei man auf den 34-Jährigen eigentlich nur „durch puren Zufall“ aufmerksam geworden. Die Freundin des Mannes hatte  nach dem Verzehr  eines Haschkekses vollkommen die Kontrolle über sich verloren und war danach „halbnackt“ vor dem Wohnhaus des 34-Jährigen herumgeirrt. Anwohner hatten  daraufhin den Notarzt und die Polizei gerufen. Während die Frau ins Krankenhaus musste, machte sich die Polizei an die Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten und wurde fündig. Neben Drogen entdeckten die Beamten eine Schreckschusspistole, ein Einhandmesser, zwei Schlagstöcke sowie einen Taser. Warum der 34-Jährige so viele  Waffen  „griffbereit“ in seiner Wohnung lagerte, blieb im Prozess offen. Auch ließ sich nicht nachweisen, dass der Mann mit den Drogen gehandelt hat.

Der Delinquent ließ sich dazu nicht näher ein, beteuerte gegenüber dem Gericht aber, dass er seine langjährige Drogenabhängigkeit endlich überwinden möchte. „Ich will ein ganz neues Leben führen.“  Er habe sich deshalb aus freien Stücken in eine stationäre Langzeittherapie begeben. Die werde im Juli diesen Jahres beendet sein, danach werde er dann wieder in seinem alten Betrieb  als Zerspanungstechniker arbeiten.  Seine Freundin, die normalerweise keine Drogen konsumiere und den Keks deshalb an dem Tag auch nicht vertragen habe, sei ihm eine große Stütze auf dem Weg zurück in ein normales Leben.

Staatsanwalt Armin Burger attestierte dem 34-jährigen dann auch eine gute Sozialprognose. Gleichwohl machte Burger klar, dass es sich bei der Tat keineswegs um Bagatelldelikt handele, sondern um ein  „Verbrechen“. Die sichergestellten Mengen an Drogen – rund 176 Gramm Marihuna2, 15 Gramm Hasch, elf  Gramm Kokain und elf Extasy-Tabletten – sei eine „nicht geringe Menge“ gewesen. Für ihn zeige der Fall darüber hinaus sehr eindrucksvoll, dass es sich bei Cannabis „entgegen der landläufigen Auffassung“ keineswegs um eine „weiche Droge“ handelt, deren Konsum verharmlost werden dürfe. Die Freundin habe nach dem Verzehr des „suspekten Gebäcks“ notärztlich versorgt werden müssen und war erst zwei Tage später vernehmbar. „Daran sieht man, was für erschreckende Folgen der Konsum haben kann“, betonte Burger. Er forderte für den Angeklagten, der wegen eines 2017 begangenen Körperverletzungsdelikts aktuell noch unter Bewährung steht,  einen Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Die könne „noch einmal, ein  letztes Mal“ zur Bewährung ausgesetzt werden. Darüber hinaus plädierte Burger für eine Geldauflage in Höhe von 4000 Euro.

 Der Verteidiger stimmte Burger in weiten Teilen zu. Auch für ihn sei Cannabis keine ungefährliche Droge, so der Anwalt. Gleichwohl müsse man sehen, dass der Bundesgerichtshof diesbezüglich eine andere Linie vertritt. Der Anwalt sprach sich schlussendlich für eine mildere Strafe aus und forderte für seinen Klienten, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten zur Bewährung sowie eine Geldauflage von 2000 Euro. 

Die Entscheidung des Gerichts unter dem Vorsitz von Richter Martin Reuff fiel schlussendlich salomonisch aus. Bei der Freiheitsstrafe folgte man dem Staatsanwalt, bei der Geldauflage dem Verteidiger. Darüber hinaus wurden dem Angeklagten die Fortsetzung der Therapie und regelmäßige Drogenscreenings auferlegt. Reuff erklärte in seiner Urteilsbrgündung, dass das Gericht bei dem Angeklagten „den guten Vorsatz“ sehr wohl  erkenne. Der dürfe allerdings auch nicht mehr verloren gehen.  „Sie bekommen von uns eine Chance, die nicht jeder erhält. Bringen Sie Ihr Leben jetzt in die richtige Richtung.“

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