Lichtschutzsatzung für Aalen: Nachts soll es dunkler werden

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Nachts soll es dunkler werden: Die Grünen-Fraktion im Gemeinderat wünscht sich eine Lichtschutzsatzung für Aalen.
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Die Grünen-Fraktion im Gemeinderat hat eine Idee, die dem Insektensterben entgegenwirken soll. Was der Baubürgermeister dazu sagt.

Aalen

Immer mehr künstliche Lichtquellen sorgen dafür, dass es nachts immer heller wird. Auch in Aalen und den Teilorten. Grünen-Stadtrat Alexander Asbrock zeigt das auf einer Sattelitenkarte zur Lichtverschmutzung, die weltweit Daten seit 1992 aufbereitet. Dass es nachts heller wird, sei ein Problem für den Artenschutz.

Denn Lichtquellen ziehen nachts Insekten an. Viele flatterten dort, bis sie vor Erschöpfung sterben, erläutert Asbrock. Das beeinträchtige auch Vögel und Fische, denen Insekten als Nahrung dienen. Insektensterben habe außerdem Auswirkungen auf die Ernten, da Insekten Pflanzen bestäuben. Manche Lichtquellen irritieren Asbrock zufolge auch Zugvögel, die sich schlechter orientieren können.

Daher hat Asbrock für die Grünen-Fraktion vor Kurzem in einem Gemeinderatsausschuss eine Lichtschutzsatzung angeregt. Würde der Gemeinderat ein solches Papier verabschieden, würden in Aalen Regeln zur nächtlichen Beleuchtung gelten, auch für Privatleute und Unternehmen. „Ähnlich unserer Baumschutzsatzung oder der Werbesatzung“, führt Asbrock als Beispiele an.

Inszenierung von Architektur

Einen Grund für die zunehmende Lichtverschmutzung sieht Asbrock in der „Inszenierung von Architektur“, wie er sagt. „Man will zeigen, was man hat.“ Öffentliche oder private Gebäude anzustrahlen ist etwas, das er gut verstehen kann. Auch ihm gefällt das. An seinem eigenen Betrieb, dem goldenen Lamm in Unterkochen, hat er Lampen installieren lassen. „Das Hotel war wie ein Schlössle angestrahlt“, erzählt er. Seit einer Begehung in der Stadt mit Günther Holzhofer, die die Aalener CDU organisiert hat, beschäftige er sich intensiver mit dem Thema. Er habe umgedacht und nun Filter beziehungsweise andere Leuchten in einer anderen Lichtfarbe angebracht. „Ab 23 Uhr ist die Beleuchtung ausgeschaltet“, fügt er an.

Um Abhilfe zu schaffen, wünscht sich der Grünen-Stadtrat nun im ersten Schritt eine Art Masterplan für den Umgang mit der Beleuchtung der städtischen Gebäude und der Straßenbeleuchtung. Im zweiten Schritt hält er es für sinnvoll, Privatleute und Unternehmen aufzuklären und zu sensibilisieren und Beratungsmöglichkeiten anzubieten. Asbrock schlägt vor, parallel dazu im Gemeinderat eine Lichtschutzsatzung vorzuberaten. Dass ein solches Regelwerk grundsätzlich eine Mehrheit im Rat finden kann, hält er für wahrscheinlich. Diese Regeln „scharf zu stellen“ ist für ihn dann der dritte Schritt.

Diskussion im September

Aufzuklären und Bewusstsein für die Lichtverschmutzung zu schaffen, hält Aalens Baubürgermeister Wolfgang Steidle ebenfalls für sinnvoll. „Die Themen Klima- und Artenschutz sind uns sehr wichtig“, sagt er. „Aalen ist auf dem Gebiet Vorreiter in der Region.“

Auf Beschluss des Gemeinderats würden jedes Jahr 400 000 Euro bereitgestellt, um die Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchten umzustellen. Da man eine Lichtfarbe bis maximal 3000 Kelvin wähle, sei das nicht nur Klima-, sondern auch insektenfreundlich. Außerdem würde die Straßenbeleuchtung innerorts zwischen Mitternacht und fünf Uhr heruntergedimmt. Im Außenbereich würde man auf Beleuchtung in der Regel ganz verzichten. Ebenso würden öffentliche Gebäude bis auf wenige Ausnahmen nachts nicht angestrahlt. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Steidle. „Trotzdem können wir noch eine Schippe drauflegen.“

Eine Lichtschutzsatzung könnte in seinen Augen ein Mittel dazu sein. „Das müssen wir mit dem Gemeinderat aber noch intensiver diskutieren“, sagt der Baubürgermeister. Für September kündigt er eine Vorlage für die Gremien zum Thema Klima- und Artenschutz an, die auch das Thema Lichtverschmutzung beinhaltet.

Tipp vom BUND

„Kommunen und Privatpersonen haben es hier selbst in der Hand, auf unnötige Beleuchtung zu verzichten und zu insektenverträglichen Beleuchtungsanlagen zu wechseln. Wer mit bernsteinfarbenen LEDs und reduzierter Helligkeit beleuchtet, schont die Umwelt doppelt: Das spart Strom und schützt die heimischen Tiere und Pflanzen“, sagt Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin des BUND Baden-Württemberg.

Nachts soll es dunkler werden: Die Grünen-Fraktion im Gemeinderat wünscht sich eine Lichtschutzsatzung für Aalen.
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