Limes-Thermen weiter zu: Rheuma-Liga klagt

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Die Aalener Limes-Thermen sind ein überregionaler Besuchermagnet. In diesem Sommer bleiben sie geschlossen, obwohl der Corona-Lockdown längst beendet ist.
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Rund 1250 Rheumapatienten nutzten vor Corona wöchentlich die Gymnastik im warmen Wasser. Seit eineinhalb Jahren sitzen sie auf dem Trockenen.

Aalen.

Wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagt Peter L. (Name geändert). „Wir“, das ist die Aalener Rheuma-Liga, in der er seit zehn Jahren Mitglied ist. Peter L. ist einer der wöchentlich rund 1250 Patientinnen und Patienten, die bis Corona wöchentlich im warmen Wasser der Aalener Limes-Thermen für ein paar Stunden Linderung suchen. Um Schmerzen erträglicher werden zu lassen. Um Beweglichkeit zurückzugewinnen und um wieder mehr Lebensqualität genießen zu können.

„Funktionsgymnastik in mindestens 30 Grad warmem Wasser lindert rheumatische Beschwerden besonders gut“, sagt Brigitte Meck, Leiterin der Rheuma-Liga, Bezirksarbeitsgemeinschaft Aalen, die sich um die Selbsthilfe vor Ort kümmert. Doch das ist den Rheuma-Patientinnen und Patienten aus Aalen und der weiteren Umgebung coronabedingt seit eineinhalb Jahren verwehrt - zumindest im Aalener Thermalbad. Einziger Lichtblick im Oktober vergangenen Jahres: Unter Corona-Bedingungen und mit begrenzter Badegast-Zahl in den Becken sei die Wassergymnastik eingeschränkt für die Dauer von vier Wochen wieder möglich gewesen.

Doch während aktuell mit gesunkener Inzidenz die meisten Thermalbäder in Baden-Württemberg wieder geöffnet sind, bleiben die Aalener Limes-Thermen weiterhin geschlossen. „Ich fahre jetzt 80 bis 100 Kilometer weit von Aalen in die nächstgelegenen Thermen“, sagt Peter L. Aber nicht jeder der Rheuma-Patienten kann und will diese Strecke und diesen Aufwand auf sich nehmen.

Mitte Juni hatten die Aalener Stadtwerke als Betreiber der Limesthermen kundgetan, man sei noch in der Pandemie und momentan in der Prüfung, ob eine Öffnung des Thermalbads Sinn mache.

Inzwischen aber ist der Inzidenzwert weiter gefallen. Doch warum halten die Stadtwerke dennoch an der Schließung fest?

„Wir planen nach jetzigem Stand die Limes-Thermen Aalen im Herbst nach den Sommerferien zu öffnen, sofern die Voraussetzungen dafür gegeben sind“, so die vage Auskunft seitens Stadtwerke-Pressesprecher Igor Dimitrijoski.

Die Kollegen im Thermalbad sind derzeit in unseren Freibädern im Einsatz und dort gebunden.“

Igor Dimitrijoski, Stadtwerke-Sprecher

Öffnung nach den Sommerferien

Aber warum ist im Gegensatz zu anderen Thermalbädern im Ländle eine Öffnung in Aalen noch nicht möglich? Die Thermalbäder in Baden-Württemberg, so Dimitrijoski, seien untereinander nur schwer vergleichbar. Die Limes-Thermen seien ein relativ kleines Thermalbad mit vergleichsweise geringer Wasserfläche. Dadurch könne man bei den aktuell geltenden Regelungen nur eine eingeschränkte Anzahl von Badegästen einlassen. „Aus diesem Grund ist der Betrieb des Aalener Thermalbads unter diesen Bedingungen für uns wirtschaftlich schwierig.“

Dünne Personaldecke

Ob die Personaldecke zu dünn ist? Ja, auch dieses Argument spielt anscheinend eine Rolle. „Unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem Thermalbad sind aktuell in den Freibädern im Einsatz und dort gebunden“, sagt Dimitrijoski. Aufgrund der fehlenden Planungssicherheit im Frühjahr, so der Stadtwerkesprecher, habe der Bäderbetrieb der Stadtwerke auf die Rekrutierung von Saisonkräften in diesem Jahr verzichtet.

Doch diese Argumentation überzeugt Peter L. nicht. Er bringt die touristische Bedeutung der Limes-Thermen für Aalen und die Region ins Spiel. „Viele Menschen machen aufgrund der aktuellen Corona-Situation Urlaub hier im Ländle.“ Die Limes-Thermen, verbunden mit Hotelübernachtungen und Besuchen von Museum und Theater seien doch wesentlicher Teil der seit längerem von OB Thilo Rentschler forcierten touristischen Angebotspakete zur Stärkung von Stadt und Region.

Das Funktionstraining im mindestens 30 Grad warmen Thermalwasser ist für Rheuma-Patienten besonders wichtig, weil sich hier die Bewegungen leichter und mit weniger Schmerzen ausführen lassen, weiß Brigitte Meck, Leiterin der Rheuma-Liga, Bezirks-Arbeitsgemeinschaft Aalen (ARGE). Vor Corona haben wöchentlich etwa 1250 Patientinnen und Patienten an der rezeptierten Funktionsgymnastik in den Aalener Thermen teilgenommen.

Stadtwerke-Bilanz im Coronajahr 2020

Verlust von 1,16 Millionen Euro eingefahren

Aalen. Im Geschäftsjahr 2020 haben die Stadtwerke Aalen coronabedingt einen Verlust von über 1,16 Millionen Euro eingefahren. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor. Im Vorjahr hatten sie einen Überschuss von 1,085 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Bäder: Direkt betroffen von der Corona-Pandemie waren die Bäder, heißt es im Geschäftsbericht. Die Besucherzahlen im Thermalbad als auch in den anderen öffentlichen Badeeinrichtungen blieben deutlich hinter den Planannahmen zurück. Darum wurde ab April 2020 für mehrere Monate hinweg eine Kurzarbeiterregelung für die Bäderangestellten getroffen. „Dennoch konnte der wirtschaftliche Schaden durch die Schließung ausbleibender Umsatzerlöse nur reduziert werden“, heißt es .

Parkhäuser und Tiefgaragen:
Auch die Einfahrtszahlen in den Parkhäusern und Tiefgaragen sanken durch die Corona-Pandemie und blieben unter dem Planansatz. Hinzu kam die corona-indizierte Insolvenz eines Großkunden.

Auch im Energievertriebsgeschäft habe die Pandemie rückläufige Mengen gebracht - vor allem im Bereich der Gewerbekunden.

Gedeckt wird der Fehlbetrag durch eine entsprechende Entnahme aus der Gewinnrücklage.

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