Lingel-Brüder treten Erbe ihres Vaters an

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Der neue Präsident der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft (DMG), Dr. Marcus Lingel (l.) überreicht seinem Bruder und Vizepräsidenten der DMG, Klaus Lingel, eine mosambikanische Lebensbaum-Skulptur als Symbol familiärer Stärke und Verbundenheit.
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Andreas, Klaus und Dr. Marcus Lingel wollen das Lebenswerk Siegfried Lingels zu ihrer eigenen Herzenssache machen. Wie sie künftig die Bildung der Kinder in Mosambik vorantreiben wollen.

Aalen

Drei Jahrzehnte – bis zu seinem Tod im November vergangenen Jahres – machte der Aalener Siegfried Lingel vor, wie engagierte Entwicklungshilfe vor Ort in Mosambik Flüchtlingsströme lenken kann. Jetzt treten seine Söhne Andreas, Klaus und Dr. Marcus Lingel das legendäre Erbe des Vaters an mit dem Ziel, dessen Lebenswerk in Mosambik zu ihrer eigenen Herzenssache zu machen und in seinem Sinne fortzuführen.

Im Beisein von Aalens OB Thilo Rentschler und CDU-Bundestagsabgeordnetem Roderich Kiesewetter – beide Beiratsmitglieder der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft (DMG) – stellten die Brüder Klaus und Dr. Marcus Lingel das gemeinsame Ziel vor: „Wir wollen auf den Grundstock unseres Vaters aufbauen, Neues entwickeln und Bestehendes weiterentwickeln“, sagt Marcus Lingel, der vor Kurzem in direkter Nachfolge seines Vaters mit großem Votum zum neuen Präsidenten der DMG bestellt wurde. Der Geschäftsleiter der Münchener Merkur Bank ist wie sein Vater Honorarkonsul der Republik Mosambik.

Eine Zukunft für die Kinder

„Unsere Familien sind seit eh und je mit Mosambik verhaftet“, erzählt er und spannt den Bogen in die Gegenwart. Die Idee sei, die Kinder vom Kindergarten auf ihrem Bildungsweg bis in den Beruf zu begleiten. „Wir wollen den Kindern in Mosambik eine Zukunft geben und darum künftig neben Grundschulen auch Sekundarschulen und Berufsschulen bauen.“ Denn in vielen Fällen, so Lingel, haben die Kinder dort nach der Grundschule keinen Anschluss mehr, weil die weiterführenden Schulen zu weit vom Wohnort entfernt liegen.

Das ist der Plan

Die in den vergangenen Monaten im Familienkreis der Brüder Lingel gewachsene Idee ist, das vorgelebte große Engagement des Vaters auf mehrere Schultern zu verteilen. Deshalb wurde der Vorstand der DMG erweitert: Klaus Lingel übernimmt die seitherige Position des Vizepräsidenten von seinem Bruder Marcus und Andreas Lingel wird als Mitglied des Kuratoriums vor allem Städte- und Delegationsreisen nach Mosambik begleiten. Und deshalb habe man auch einen „personellen Unterbau“ geschaffen, mit dem weiterhin garantiert sei, dass jeder Cent zu 100 Prozent am richtigen Fleck vor Ort ankommt, betont Marcus Lingel.

In einem ersten Schritt aber wollen die Brüder vor allem dem Vater ein Denkmal setzen: 80 000 bis 120 000 Euro werden sie noch in diesem Jahr in den Bau einer Sekundarschule in Mosambik investieren, die den Namen ihres Vaters tragen wird. Zudem stehen drei weitere Schulprojekte auf der Agenda: der Neubau einer Sekundarschule in Vilankulo für 200 Kinder (90 000 Euro), die Sanierung einer bestehenden Sekundarschule für 300 Kinder in Vilankulo (30 000 Euro) und der Neubau einer weiteren Sekundarschule für 350 Kinder (60 000 Euro). Geplant sei der Neubau einer Berufsschule für Tourismus und Metallverarbeitung in Vilankulo. Klaus Lingel beziffert das Investitionsvolumen auf 140 000 Euro.

Künftig wollen die Lingel-Brüder jährlich zwei bis drei Delegationsreisen nach Mosambik anbieten, damit die Sponsoren vor Ort sehen können, was mit Hilfe ihrer Spenden entsteht. Denn: „Man muss die Menschen begeistern,“ weiß Klaus Lingel.

Ein Denkmal für den Vater

Als symbolische Bekräftigung des gemeinschaftlichen Ziels überreichte DMG-Präsident Marcus Lingel seinem Bruder Klaus Lingel als Vizepräsident eine Schwarzholzfigur, eine typische mosambikanische Skulptur. „Dieser Lebensbaum symbolisiert die Familie und bedeutet: Nur gemeinschaftlich sind wir stark.“

OB Thilo Rentschler betonte, dass die von Siegfried Lingel vorangetriebene Städtefreundschaft zwischen Aalen und Vilankulo bislang einzigartig in Deutschland sei. „Mir liegt viel daran, dass mein Nachfolger im Amt gemeinsam mitsamt Rathausmannschaft und Bürgerschaft diese Städtefreundschaft weiterträgt.“

MdB Roderich Kiesewetter bekräftigte: „Es ist schon etwas Besonderes, dass Aalen sich um eines der ärmsten Länder Afrikas kümmert. Entwicklungshilfe funktioniert nur mit ganz konkreten Partnerschaften.“

Wir wollen auf dem Grundstock unseres Vaters Siegfried

Dr. Marcus Lingel, Präsident der DMG

Das Lebenswerk

Die Städtefreundschaft zwischen Aalen und Vilankulo besteht seit 2019.

Die Deutsch-Mosambikanische Gesellschaft (DMG) hat dank des Engagements von Siegfried Lingel 28 Vorschulkindergärten und Schulen in Mosambik gebaut, die von rund 5500 Kindern besucht werden. Davon stehen fünf Vorschulkindergärten und drei Grundschulen mit insgesamt 1000 Kindern in der Küstenstadt Vilankulo .

Der Aalener Unternehmer Siegfried Lingel war 27 Jahre, bis zu seinem Tod Mitte November 2020, Honorargeneralkonsul der Republik Mosambik.

Dr. Marcus Lingel, Präsident der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft und Geschäftsleiter der Merkur Bank in München.

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