Lockdown-Protest: täglich Pakete nach Stuttgart und Berlin

  • Weitere
    schließen
+
Die beiden ersten Protest-Pakete sind gepackt und gingen am Freitag in die Post. Alfred Krauss, Chef von Betten Krauss, und seine Mitarbeiterinnen hoffen auf viele Mitstreiter im Handel.
  • schließen
  • Bea Wiese
    Bea Wiese
    schließen

Aalens Einzelhändler starten groß angelegte Aktion, um Kretschmann und Merkel auf die Situation des Handels aufmerksam zu machen.

Aalen

Klagen. Hilferufe. Protest. Die erneute Verlängerung des Corona-Lockdowns bis zum 7. März trifft auch Aalens Einzelhändler bis ins Mark. Sie wollen es nun nicht mehr bei Worten belassen – es sollen Taten folgen: Tag für Tag, bis zum Ende des Lockdowns, werden ab sofort Protest-Pakete aus Aalener Geschäften an die Staatskanzlei in Stuttgart und ans Kanzleramt in Berlin gehen.

Die Idee: "Ein fassbarer, spürbarer Impuls" an die Politik soll die Aktion sein, sagt Alfred Krauss, Chef des gleichnamigen Bettenhauses mit Läden in Aalen und Schwäbisch Gmünd. So wollen er und andere Einzelhändler täglich ein Paket absenden mit "wertlos gewordener Ware", wie Krauss beschreibt – mit Artikeln aus ihren Lagern, eingekauft und bezahlt, die sie aber wegen des Lockdowns nicht absetzen können. "Im ersten Paket von uns ist das heute eine Winterzudecke", so Krauss. Am Montag vielleicht dann Biberbettwäsche oder ein Bademantel oder Schlafanzug.

"Es soll ein Symbol sein, jeden Tag eine Erinnerung an die Politik im Sinne von ‘Ihr lasst den Einzelhandel verhungern'", beschreibt Einzelhändler Krauss, der auch Vorsitzender des Handelsausschusses der IHK Ostwürttemberg ist. "Jeden Tag 20 bis 100 Pakete – je mehr, desto besser!"

Der Hintergrund: Entstanden sei die Idee im Gespräch mit Citymanager Reinhard Skusa. Im Vorfeld des Corona-Gipfels vom Mittwoch habe es "gute Gespräche" mit den heimischen Bundestagsabgeordneten gegeben, der OB habe sich in einem Offenen Brief geäußert, die IHK in einer achtseitigen Corona-Resolution konkrete Vorschläge für eine geordnete Öffnung vieler Branchen dargelegt. Dann das Ergebnis vom Mittwoch – "frustrierend", sagt Krauss.

In einem Brief an Ministerpräsident Kretschmann und Kanzlerin Merkel kündigt er als IHK-Handelsausschuss-Vorsitzender die tägliche Paketsendung an und umreißt die Lage: "Zig tausende Mitarbeiter im Verkauf in Kurzarbeit, tausende Existenzen von Mittelständlern stehen auf der Kippe, die Zukunft der Innenstädte erleidet unaufholbare langfristige Schäden." Entschädigungen für den Einzelhandel seien unzureichend.

Der ACA: "Wie begrüßen und unterstützen die Aktion, sagt der Aalener City-Manager Reinhard Skusa, der hofft, dass viele Händler mitmachen. Er hofft auf eine Initialzündung von Aalen aus in die gesamte Region. Der Einzelhandel in den Innenstädten sei mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem Worte nichts mehr nützen. "Gesprochen ist genug", jetzt folge der "zivile Ungehorsam", kündigt Citymanager Reinhard Skusa im Stile eines Klassenkämpfers an. "Und wenn es jeden Tag 1000 Päckchen sind, die in Stuttgart und Berlin ankommen, dann ist das auch gut!"

ACA-Vorsitzender Josef Funk: "Wir haben lange genug stillgehalten." Er ist sich sicher, dass ein großer Teil der Händler mitmachen wird.

Die Nachbarn: Das Gmünder HGV-Vorstandsmitglied Christof Morawitz findet diese Aktion "weder gehässig noch lautstark, sie setzt auf das Nachdenken der Adressaten. Von der Seite könnte sie etwas bewegen." HGV-Geschäftsführerin Simone Klaus sagt, der HGV wolle den Blick und die Energie nun auf den 7. März richten, damit Händler und Kunden im März "den bestmöglichen Start haben".

Mehr zum Thema

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

WEITERE ARTIKEL