Lockdown trifft Friseure hart

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Bernd Bäuerle kritisiert, dass für das Friseurhandwerk der Lockdown weiter gilt. Der Obermeister der Aalener Innung fordert, dass die Friseure Mitte Februar ihre Läden wieder öffnen dürfen und dass die versprochenen finanziellen Hilfen schneller und unbürokratischer fließen müssten.
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Der Obermeister der Friseurinnung Aalen, Bernd Bäuerle, appelliert an die Politiker und fordert ein Lockdown-Ende Mitte Februar.

Aalen

Der Schaden durch die Corona-Pandemie für das Friseurhandwerk ist riesig. Zu diesem Fazit kommt Bernd Bäuerle. Der Obermeister der Friseur-Innung Aalen geht sogar noch einen Schritt weiter. Er verweist auf zahlreiche Pleiten in der Branche und in der Region und drängt auf schnelle Öffnung der Betriebe. "Nur die gibt uns eine tatsächliche Perspektive."

"Die ersten sind bereits zahlungsunfähig, große wie kleine Betriebe", sagt Bäuerle und nennt als Beispiel für einen "großen" den Filialisten Klier, der auch in Aalen Filialen hat. Er stehe mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Altkreis Aalen in engem Kontakt. Momentan sei die Situation äußerst schwierig. "Noch nie war der Mitgliederstand der Friseur-Innung Aalen in den vergangenen 30 Jahren so niedrig." Auf Nachfrage nennt er Zahlen: Noch bei der vergangenen Mitgliederversammlung im März 2020 hätten der Innung Aalen 70 Mitglieder angehört; nach weniger als einem Jahr sei die Zahl auf 59 gesunken. "So etwas habe ich in den vergangenen 30 Jahren in meiner Zeit in der Innung noch nicht erlebt", stellt Bäuerle fest. Als Auslöser für die Abmeldungen nennt er gleich mehrere Insolvenzen und Betriebsschließungen wegen der Corona-Pandemie im Altkreis.

Das finanzielle Polster der Friseurbetriebe ist – sofern es eines gab – spätestens jetzt bei vielen aufgebraucht. "Laufende Kosten werden jeden Monat abgebucht", sagt Bäuerle. Was er damit meint? Nicht nur Fixkosten wie Miete, Strom, Wasser, Gas; sondern auch diverse Versicherungen, Mitgliederbeiträge und Lohnkosten.

Die Vollzeitkräfte sind in Kurzarbeit. "Viele der Kolleginnen und Kollegen beschäftigen aber neben diesen Vollzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeitern 450-Euro-Kräfte", erklärt Bäuerle; diesen Angestellten finanziere nicht nur er den Lohn weiter. "Sonst suchen sich diese Mitarbeiterinnen, die für jeden Friseurbetrieb wichtig sind, einen neuen Job in einer anderen Branche, wo sie Geld auch während der Pandemie verdienen können."

So etwas habe ich in den vergangenen 30 Jahren in meiner Zeit in der Innung noch nicht erlebt.

Bernd Bäuerle Innungsobermeister der Friseure

Bernd Bäuerle spart sich selbst nicht aus. "Auch ich muss von etwas leben", sagt er. Denn das Überbrückungsgeld zwei und drei komme dafür nicht auf. Schon beim ersten Lockdown habe er kein Einkommen gehabt. Das setze sich nun seit Mitte Dezember fort.

Die Situation hält der Unternehmer für nicht mehr verhältnismäßig. Der Aalener Innungsobermeister appelliert an die Politiker, den Lockdown schnell zu beenden. "Damit nicht noch mehr Kollegen in die Pleite getrieben werden." Zumal die zugesagte finanzielle Unterstützung nicht adäquat fließe. "So kann das nicht weitergehen."

Mit seiner Meinung ist Bäuerle nicht allein. Der baden-württembergische Landesverband hat sich einer Initiative der Innung Süd-Thüringen angeschlossen. "Mit der Aktion ‘Tote Scheren' wollen wir ein Zeichen setzen – für unsere Unternehmen, unsere Mitarbeiter und Auszubildenden", erklärt er mit Blick auf eine Öffnung der Läden bis Mitte Februar. Denn nach der Öffnung könne die Branche, in der die Schwarzarbeit derzeit leider blühe, nichts aufholen. Man schneide – unter allen Hygiene-Auflagen – trotz allem "nur" einmal und gebe dem Haar wieder Form und Farbe. Er kenne übrigens keinen Fall, bei dem sich jemand beim Friseur mit dem Virus infiziert habe.

Aktion der "Toten Scheren" des Friseurhandwerks

Aalen/Berlin. Das Friseurhandwerk plant die Aktion der "Toten Scheren", um die Politiker in Berlin auf die Probleme der Branche aufmerksam zu machen. Jetzt werden Schere gesammelt – von möglichst vielen Betrieben, um dann in einem Riesenpaket nach Berlin transportiert und politischen Vertretern in Berlin übergeben zu werden, verbunden mit den Forderungen: für schnelle finanzielle Hilfen sowie für die Wiedereröffnung der betroffenen Unternehmen. An der Initiative der Innung Südthüringen beteiligen sich, wie der Innungsobermeister Bernd Bäuerle, betont, auch die Aalener Innung. Das nunmehr seit vielen Wochen bestehende Arbeitsverbot bedrohe mittlerweile eine Vielzahl von Existenzen, wirtschaftliche Hilfen ließen viel zu lange auf sich warten, Abläufe seien zu bürokratisch und nicht der aktuellen Situation angemessen. aki

Bernd Bäuerle kritisiert, dass für das Friseurhandwerk der Lockdown weiter gilt. Der Obermeister der Aalener Innung fordert, dass die Friseure Mitte Februar ihre Läden wieder öffnen dürfen und dass die versprochenen finanziellen Hilfen schneller und unbürokratischer fließen müssten.

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