Lockdownverlängerung – und jetzt?

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Der Lockdown-Light geht in die Verlängerung. Unternehmer und Gastronomen klagen über fehlende Hilfszahlungen. Die Stadt Aalen wird kein zentrales Feuerwerk veranstalten. Bild/Grafik: opo/ca
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Der Lockdown-Light geht in die nächste Runde. Händler, Gastronomen und Wirtschaftskammern äußern sich. Die Stadt Aalen ist gegen ein zentrales Silvesterfeuerwerk.

Aalen

Der Lockdown-Light wird verlängert. Dieser Eindruck ergibt sich aus den aktuellen Diskussionen der Länderchefs. Demnach sollen Schließungen und Kontaktbeschränkungen bis Sonntag, 20. Dezember, bestehen bleiben. Auch mögliche Böllerverbote an Silvester stehen im Raum.

Gastronomie: "Für manche kann es der Untergang sein", sagt Dagobert Hämmerer, Vorsitzender des Gastronomenverbands Dehoga im Ostalbkreis. "Wiederum andere schleppen sich durch", führt er weiter aus. Dabei sei die Schließung der Gaststätten und Hotels nicht einmal das Hauptproblem. Viel mehr störe es ihn, dass die für November versprochenen Hilfsgelder bislang nicht ausgezahlt wurden. "Wir haben noch keinen Euro gesehen", klagt er, "wir sind die Opfer für andere Teile der Wirtschaft". Er stehe im regelmäßigen Austausch mit Wirten und Hoteliers aus der Region. "Für uns ist das kein Lockdown-Light, sondern ein kompletter Lockdown", gibt er zu bedenken.

Handel und Innenstadt: "Die Kundenfrequenz fehlt in der ganzen Stadt", sagt Josef Funk, Vorsitzender von Aalen City aktiv (ACA). "Um 20 Uhr sind viele Schaufensterlichter schon aus, weil keine Leute unterwegs sind", beobachtet er. Auch tagsüber sei die Kundenfrequenz gering. Normalerweise zähle die Vorweihnachtszeit zu den verkaufsstärksten Wochen. Da es zurzeit aber keine Feiern und kaum Anlässe gebe, sinke auch der Bedarf an neuen Kleidungsstücken. Hinzu komme die geschlossene Gastronomie. "Die Leute kommen nicht von außerhalb zum Einkaufen, wenn sie danach keinen Kaffee trinken können", sagt Funk. Gastronomie und Handel seien Branchen, die voneinander profitieren und die Innenstadt beleben.

Citymanager Reinhard Skusa stimmt Funk zu: "Eine Stadt funktioniert nur mit allen ihren Elementen." Auch er kann nicht sagen, was die kommenden Wochen bringen. Trotzdem zeigt er sich vorsichtig optimistisch. Viele Händler schaffen neue Angebote wie private Einkaufsmöglichkeiten oder sie versuchen, durch eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien auf sich aufmerksam zu machen. Außerdem erfreue sich der Aalen City Star, eine Art Guthabenkarte für die Innenstadt, großer Beliebtheit. "Wir gehen davon aus, dass wir 2021 damit vier Millionen Euro Umsatz an die Stadt Aalen binden", hofft Skusa.

Silvester: Ob, und wie es zu einem allgemeinen Böllerverbot an Silvester kommt, ist noch unklar. Fest steht jedoch: "Die Stadt Aalen wird kein zentrales Feuerwerk veranstalten, auch wenn es die neue Verordnung zulassen sollte", sagt Stadtsprecherin Karin Haisch. Für das private Böllern richte sich die Stadt nach den Vorgaben von Bund und Ländern. Um "ein Verbot für die Innenstadt auszusprechen, gibt es keinen Grund", erklärt Haisch. Denn es sei ohnehin verboten, in der Nähe von Kirchen, Alten- und Kinderheimen sowie Fachhäusern Feuerwerk abzubrennen.

Eine Stadt funktioniert nur mit allen ihren Elementen.

Reinhard Skusa Citymanager

Kino: "Wir machen dieses Jahr nicht mehr auf", sagt Ralf-Christian Schweizer, Betreiber des Aalener Kinoparks. Für die wenigen verbleibenden in diesem Jahr nach dem 20. Dezember lohne es sich nicht, den Betrieb wieder aufzunehmen. "Ich weiß nicht, wie sich die Politik das vorstellt", sagt Schweizer. Zudem fehle es an neuen Filmen für die Leinwände. Um bei den Kinogängern präsent zu bleiben, werden im Kinopark donnerstags bis sonntags Popcorn und Nachos zum Mitnehmen verkauft. Auch Schweizer ärgert sich über die Auszahlung der angekündigten Finanzhilfen. "Wir haben noch keinen Euro gesehen."

Wirtschaft: "Betriebe und Menschen dürfen und sollen weiterarbeiten", teilt die Handwerkskammer Ulm mit. Um das zu ermöglichen, trage die Kammer die Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen der Landesregierung mit. "Die Betriebe arbeiten dabei eigenverantwortlich und sind sich ihrer gesellschaftlichen und ihrer Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Kunden bewusst", heißt es seitens der Handwerkskammer. Auch Betriebsferien und Arbeitszeiten fallen in die Zuständigkeit der einzelnen Betriebe. Zu erweiterten Betriebsruhen habe es bislang keine Anfragen an die Kammer gegeben.

Die Situation unter den einzelnen Handwerksbetrieben sei unterschiedlich. "Manche Betriebe haben um den Jahreswechsel unabhängig von der Corona-Krise geschlossen", teilt die Kammer mit. Andere nutzten die Zeit, um Kundenaufträge aus dem ersten Lockdown aufzuholen und abzuarbeiten. Wiederum andere Betriebe, wie Gebäudereiniger, seien systemrelevant.

Die Mehrheit der Betriebe in der Kammer seien kleine und mittlere. Gerade dort stelle man finanzielle Schwierigkeiten fest. "Zumindest kommen mehr als 80 Prozent der Soforthilfeanträge von kleinen Betrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern", teilt die Kammer mit. Neun Prozent seien von Betrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern und acht Prozent von Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern.

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