Long Covid – ins Bergwerk einfahren zur Therapie

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Im Aalener Bergwerk Tiefer Stollen sollen Patienten mit Long-Covid behandelt werden können.
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Warum Ärzte die Atemwegstherapie im Tiefen Stollen als gute Behandlungsmöglichkeit sehen. Neue Chancen fürs Besucherbergwerk?

Aalen-Wasseralfingen. Deutschlandweit waren mittlerweile rund 27 Millionen Menschen vom Coronavirus infiziert. Viele von ihnen leiden noch Monate und Jahre später unter schweren Folgen, bekannt als „Long Covid“. Die Wissenschaft weiß noch wenig darüber. Gute Behandlungsmöglichkeiten habe Aalen direkt vor der Haustür, warb OB Frederick Brütting jetzt gemeinsam mit Ärzten und einer betroffenen Patientin bei einem Pressegespräch im Besucherbergwerk: die Atemwegstherapie im Tiefen Stollen.

Die Luft im Berg: Bei der Behandlung chronischer Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Asthma, Heuschnupfen, Pseudo-Krupp oder auch Entzündungen der Nasennebenhöhlen habe sich sich die Heilstollentherapie bewährt. Deutschlandweit, aber auch in Polen und Tschechien zeigten Erfahrungen, dass Entzündungsvorgänge dieser Erkrankungen deutlich gemildert, zum Teil geheilt würden, erläuterte Dr. Joachim Schwarz, Vize-Vorsitzender des Deutschen Heilstollen-Verbands.

Solche Entzündungen gebe es meistens auch bei Long Covid. Deshalb sei die weitgehend unbelastete, ozon-, allergen- und pollenfreie Luft „ein Erholungsurlaub für die Lunge“, ein Heilstollen geradezu „ein Schatz“. Erste, auch objektivierbare Erfahrungen, zeigten, dass auch Long-Covid-Patienten mit Erschöpfung, Schwindel oder Depression von Aufenthalten in diesen Stollen profitieren: Die „außergewöhnliche Stille“ beruhige das angegriffene Nervensystem.

Erfahrungen in Wasseralfingen: Der Ellwanger Lungenfacharzt Dr. Wolfgang Fladerer betreut seit fünf Jahren die Asthmatherapie im Tiefen Stollen. Er berichtet von ersten Long-Covid-Patienten und deren kurmäßigen Aufenthalten im Heilstollen: Eine 16-Jährige, deren schwere Atemnot, und Sauerstoffmangel und Erschöpfung sich nach 18 Einfahrten deutlich gebessert hätten. Einem anderen Patienten mit starkem Husten gehe es jetzt, nach fünf Einfahrten, deutlich besser. Wissenschaftlich bewiesen ist laut Fladerer: „Die Überempfindlichkeit der Atemwege wird bedeutend reduziert.“ Er nennt es „Reset des Immunsystems“.

Heidrun Bauer aus der neu gegründeten Aalener Long-Covid-Selbsthilfegruppe freut sich: „Und das alles ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Aber es ist noch zu wenig bekannt.“ Umso mehr freut sich Wasseralfingens Ortsvorsteherin, „dass die Stadt das vorantreibt.“

Therapie – wie lange? Oft schon nach einem oder zwei Aufenthalten im Heilstollen sei ein Sofort-Effekt festzustellen, sagt Lungenfacharzt Dr. Fladerer. Die Patienten können besser durchschnaufen. Bis die Sauerstoffversorgung im Körper insgesamt besser wird, die Entzündung messbar zurückgeht, brauche es 10 bis 18 Einfahrten „mindestens“.

Therapie beantragen: Wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit des Heilstollen-Klimas bei Long-Covid gibt es noch nicht. Dennoch übernehmen laut Dr. Fladerer die meisten Krankenkassen die Kosten für kurmäßige Aufenthalte. Entscheidend sei, dass der Arzt eine „Atemwegsproblematik“ diagnostiziere, so Dr. Joachim Schwarz. Stollen-Betriebsleiter Fritz Rosenstock: „Der Stollen hat eine Zulassung als sogenanntes ortsgebundenes Heilmittel.“ Patienten könnten sich also vom Arzt ein Rezept ausstellen lassen, ähnlich wie für Massagen oder Physiotherapie, die Krankenkasse genehmige dann. Antragsvordrucke gibt es im Besucherbergwerk.

Deutschlandweit waren mittlerweile rund 27 Millionen Menschen vom Coronavirus infiziert. Viele von ihnen leiden noch Monate und Jahre später unter schweren Folgen, bekannt als „Long Covid“.
Gute Behandlungsmöglichkeiten habe Aalen direkt vor der Haustür, warb OB Frederick Brütting jetzt gemeinsam mit Ärzten und einer betroffenen Patientin bei einem Pressegespräch im Besucherbergwerk: die Atemwegstherapie im Tiefen Stollen.

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