Schutzmaßnahmen an Aalener Schulen: Luftfilter nicht für alle Klassenräume

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Eines der bisher 41 in den Aalener Schulen installierten Luftreinigungsgeräte steht in der Grundschule der Kocherburgschule Unterkochen. Das übermannshohe Gerät (rechts) gleicht einem überdimensionierten Kühlschrank. Archivfoto: opo
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Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann erläutert, warum er mobile Luftreiniger nur als Ergänzung zum Lüften sieht. Und wie viele dieser Geräte die Stadt über den Sommer noch bestellen will.

Aalen. Wie wird es nach den Sommerferien in den Aalener Schulen weitergehen? Zumal die Verbreitung der Delta-Variante Politik und Wissenschaft Sorge bereitet. Denn durch die Reiserückkehrer rechnet man mit einem Anstieg der Infektionszahlen nach den Sommerferien.

Mit dem Anliegen, im Herbst einen „möglichst sicheren Vollbetrieb in Präsenz“ an den Aalener Schulen zu gewährleisten, hat die Aalener Gemeinderatsfraktion der Grünen bereits am 24. Juni einen Antrag an die Stadtverwaltung formuliert. Und sich danach erkundigt, wie etwa Lüftung und CO2-Messung in den Schulen aktuell gehandhabt werden. Wie viele weitere Luftreinigungsgeräte beschafft werden müssten, um in allen Klassenzimmern und Räumen der Aalener Schulen ab September eine gute Lüftungssituation herzustellen. Und was die Anschaffung und Installation der notwendigen Geräte kosten würde.

Das Land will die kommunalen Schulträger mit 60 Millionen Euro unterstützen, der Bund mit 200 Millionen Euro. Und inzwischen liegt auch das Ergebnis der Stuttgarter Studie zu mobilen Luftreinigern vor, mit der Aussage: Sie sind keine Universallösung im Unterricht.

Was bedeutet das alles für die Aalener Schulen? Die SchwäPo hat bei Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann nachgehakt:

Wird im Herbst, wie es die Politik vorgibt, jedes Klassenzimmer mit einem mobilen Luftfilter ausgestattet sein?

Ehrmann: Man muss auch das Kleingedruckte in der Förderrichtlinie lesen. In Baden-Württemberg soll es die Förderung nur für nicht- oder schwer-lüftbare Räumen geben.

Wie wird die Stadt als Schulträger handeln?

Wir werden uns nicht auf die Klassenstufen 1 bis 6 begrenzen, sondern werden die Fachräume und Klassenzimmer, die für die Schulkindbetreuung kritisch sind, auch mit mobilen Luftreinigern ausstatten. Und zwar auch, wenn wir dafür keine Förderung erhalten würden.

Konkret: Wie viele dieser mobilen Geräte wird die Stadt für die Schulen anschaffen?

Während des ersten Landes-Förderprogramms im Winter haben wir schon 41 mobile Luftreiniger gekauft und sie in Klassenräumen mit kritischer Lüftungssituation der 21 Aalener Schulen aufgestellt. Unterm Strich fehlen jetzt noch 19 bis 20 Geräte für weitere als „kritisch“ eingestufte Klassenräume mit hoher Personenbelegung.

Wie kommen Sie auf diese Zahl?

Wir haben die Lüftungssituation in allen 868 Räumen der 21 städtischen Schulgebäude untersucht und das Ergebnis ja bereits im März dieses Jahres öffentlich gemacht. 394 Räume haben eine gute Lüftungssituation, 372 eine durchschnittliche und 102 Räume wurden als kritisch betrachtet. Wenn man die Flure, Treppenanlagen und Verwaltungszimmer außer Betracht zieht, bleiben unterm Strich 60 Räume mit bedenklicher Lüftungssituation übrig – 43 Klassenzimmer und 17 Gemeinschaftsräume. Heißt also: Wir müssen die Ausstattung weiterer Klassenräume in den Focus nehmen, aber mit Maß und Ziel.

Was meinen Sie damit?

Es bleibt ja nicht bei den Anschaffungskosten. Ein einziger mobiler Luftreiniger verursacht Wartungs- und Betriebskosten von rund 1000 Euro im Jahr. Wenn wir alle 868 Schulräume mit einem Gerät ausstatten würden, kann man sich die Unterhaltungskosten leicht ausrechnen. Das Geld fehlt uns dann an anderen Stellen.

Welchen Einfluss hat das Ergebnis der Stuttgarter Studie auf die Vorgehensweise der Stadt Aalen?

Das Ergebnis fließt natürlich in unsere Betrachtung ein. Die Studie kommt ja zu der Erkenntnis, dass regelmäßiges Lüften das A und O ist. In diesem Zuge ist es wichtig, dass Unterrichtsräume mit CO2-Messgeräten ausgestattet werden.

Hat die Stadtverwaltung untersucht, wie effektiv das Lüften in Klassenräumen ist?

Ja, während der Herbst- und Wintermonate haben wir das messen lassen. Herausgekommen ist: Nach fünf Minuten war die Luft in schlecht belüftbaren Räumen ausgetauscht, nach bereits drei Minuten hat ein Luftaustausch in normal belüftbaren Räumen stattgefunden. Daraus kann man folgern, dass regelmäßiges Stoßlüften im Abstand von etwa 20 Minuten die Aerosolbelastung deutlich reduziert. Das regelmäßige Lüften muss also von Schülern wie Lehrern zwingend eingefordert werden.

Mobile Lüftungsgeräte also nur zur als Ergänzung in schwer- oder nicht-belüftbaren Räumen?

Wir werden mit den Schulleitern auf jeden Fall noch Gespräche führen, um die Belegungssituation der Klassenzimmer im neuen Schuljahr abzufragen. Ein oder zwei Geräte mehr tun uns nicht weh.

Manche Hersteller sprechen schon jetzt von Lieferengpässen. Wie rasch werden die Geräte bestellt?

Möglichst schnell natürlich. Aber erst dann, wenn die Förderrichtlinien des Landes vorliegen. Die befinden sich jetzt in einer Eilvorbereitung, heißt es. Ich würde mich freuen, wenn es klappen würde, dass alle unsere kritischen Klassenzimmer nach den Sommerferien mit einem mobilen Luftreinigungsgerät ausgestattet sind. Aber ich nehme an, dass der Markt das nicht hergeben wird.

Ein einziger mobiler Luftreiniger verursacht Wartungs- und Betriebskosten von rund 1000 Euro im Jahr.“

Karl-Heinz Ehrmann, Bürgermeister

Zahlen und Fakten

41 mobile Luftfilter hat die Stadt Aalen bereits in einigen als kritisch eingestuften Klassenzimmern ihrer 21 Schulen installiert. Aus der ersten Fördertranche des Landes in Höhe von 40 Millionen Euro sind der Stadt damals 169 000 Euro zugewiesen worden. Insgesamt 178 000 Euro hat die Stadt für die Geräte ausgegeben.

19 weitere Luftfilter sollen jetzt, in der zweiten Fördertranche, angeschafft werden. Damit, so Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann, wären alle als „kritisch“ eingestuften Schulräume und Fachklassenzimmer versorgt.

Mit 60 Millionen Euro will das Land Baden-Württemberg mobile Luftfilter für Schulen (50 Millionen Euro) und Kitas (10 Millionen Euro) fördern.

200 Millionen Euro Fördergelder stellt der Bund für den Einbau mobiler Luftfilter in Schulen bereit.

Karl-Heinz Ehrmann Archivfoto: jps

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