Podcast Aalen 72

Macht und Millionen - Game of Thrones auf der Ostalb

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Der damalige Ministerpräsident Hans Filbinger (zweiter v. r.), der ehemalige Ostalb-Landrat Gustav Wabro (r.) sowie der damalige CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Eugen Volz (dritter v. r.) werden 1973 bei der Fahrt durch Wasseralfingen von Demonstranten gest

Zweiter Teil der Serie Aalen 72. Vor 50 Jahren stritt die Stadt mit den Nachbarkommunen um deren Eingemeindung. Bis heute wirkt der Streit nach.

Aalen.

Zwei Lager, die sich unerbittlich gegenüberstehen. Unterschiedliche Meinungen über eine gemeinsame Zukunft. Menschen meiden ein Lokal, weil sich dort die Andersdenkenden aufhalten. Kommt Ihnen bekannt vor? Noch gar nicht so lange her? Falsch! Zumindest diese Geschichte spielt vor 50 Jahren. Sie trug damals aber den drögen Namen „Gebietsreform“.

Aalen ’72 heißt der neue Podcast (Hörbeitrag) der Schwäbischen Post mit Stadtarchivar Dr. Georg Wendt und Chefredakteur Lars Reckermann. Im zweiten Teil der Serie reden die beiden über die große Gebietsreform in Baden-Württemberg, die auch in Aalen intensiv und hochemotional diskutiert wurde.

Reiche und bitterarme Kommunen

Aalen ´72 - Der Podcast mit Lars Reckermann und Dr. Georg Wendt.

Die Gebietsreform im Ländle wurde noch von der damaligen Großen Koalition im Stuttgarter Landtag beschlossen. In der Sache ging es darum, dass die ländlichen Kommunen nicht abgehängt werden sollten. Die Gewerbesteuereinnahmen flossen in den größeren Städten und Gemeinden. Wichtige Infrastrukturmaßnahmen, wie der Straßenbau, die Abwasserentsorgung oder die Aufrechterhaltung einer Schule, wurde für arme Dörfer nicht mehr bezahlbar.

Bereits im März 1968 wurde vor allem in Baden-Württemberg, „wo richtige Schlafdörfer entstehen“ (Dr. Wendt), das „Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft“ aufgelegt. Ziel: kleinere Kommunen mit den großen Zentren zusammenzuschließen. Weitere Ziel: Die Zahl der damaligen 3000 Kommunen auf etwa 1000 zu verringern. Bis zum 1. Januar 1975 sollten diese Zusammenschlüsse freiwillig über die Bühne gehen. Die Landesregierung ging mit Zuckerbrot und Peitsche vor. Bis 1975 sollten die Zusammenschlüsse freiwillig vollzogen werden. Wer indes schon bis April 1972 die Bürger nach möglichen Zusammenschlüssen befragt hat, für dem winken kräftig Sonderzuschüsse. Für den Aalener Bereich sollten unglaubliche 20 Millionen Mark für die Entwicklung einer neuen Gesamtstadt ausgeschüttet werden.

Wasseralfingen wehrte sich bis zuletzt

Waldhausen war die erste Gemeinde, die 1969 auf den damaligen Aalener Bürgermeister Karl Schübel zuging und bat, unter das Dach der Stadt Aalen zu schlüpfen. Waldhausen war die Ausnahme. Die heutigen Teilorte der Stadt und damaligen Gemeinden kämpften zum Teil bis zum letzten Stichtag um ihre Unabhängigkeit. Es wurde Koalitionen geschmiedet (Hofen und Wasseralfingen), es wurde mit stolzer Brust gekämpft (Unterkochen). Es wurde sogar die Autokolonne des damaligen Ministerpräsidenten gestoppt, um ihn zu einem Besuch in Wasselalfingen zu überreden – was auch gelang.

Dr. Wendt plaudert im Podcast immer wieder über Kuriositäten aus der damaligen Zeit. Und er analysiert mit Reckermann die Rolle der Schwäbischen Post, die sich vor 50 Jahren in der Kommentierung deutlich für einen Zusammenschluss ausspricht. Das Wort „Oberzentrum“ taucht dabei immer wieder auf. So weit kam es indes nie. Heute ist Ostwürttemberg die einzige Region ohne ein Oberzentrum.

Den größten Widerstand leistete Wasseralfingen. Diese stolze „Stadt“ wurde am Ende zwangseingemeindet. Auch das wirkt bis heute nach. Waldhausen, Dewangen, Ebnat, Fachsenfeld und Unterkochen hatten sich in den Jahren zuvor „mehr oder weniger freiwillig“ mit Aalen verbunden.

Eineinhalb Stunden plaudern Dr. Wendt und Reckermann über diese spannende Zeit. Zu hören auf www.schwaebische-post.de und auf allen gängigen Podcastplattformen wie Soundcloud, Spotify, Apple-Podcast und Google-Play.

Der Modelfall Villingen-Schwenningen. Zeitungsseite vom 5. Januar 1972
Zeitungsseite vom 12. Februar 1972
Satireseite zur Faschingszeit vom 12. Februar 1972
Das Saure Meckereck zur Gebietsreform. Archiv-Doppelseite vom 17. Februar 1972.
Archivseite vom 19. Februar 1972
Die Entscheidung. Archiv-Doppelseite vom 27. März 1972

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