Mader macht's Material für die Kliniken

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Wolfgang Mader, gelernter Fachwirt Materialwirtschaft, im Lager des Ostalb-Klinikums: "Früher brauchten wir 20 000 Masken im Jahr, jetzt brauchten wir die in zwei Wochen."
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Wie die Pandemie das Berufsleben von Wolfgang Mader, Zentraler Leiter Einkauf der Kliniken Ostalb, durcheinandergewirbelt hat.

Aalen

Es gibt Branchen und Berufszweige, die seit der Corona-Krise in der Flaute segeln. Andere stehen plötzlich mitten im Sturm. Die Beschäftigten stemmen Aufgaben, die sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen mögen. Wolfgang Mader, Leiter des zentralen Einkaufs im Klinikverbund Ostalb, gehört zur zweiten Gruppe. Der 63-Jährige ist zuständig für die gesamte zentrale Materialbeschaffung der Kliniken Ostalb.

"Wir sind die Benzinpumpe, ohne die der Motor nicht läuft." So beschreibt er gerne die Arbeit seines 13-köpfingen Teams. Der Motor, das sind die drei Krankenhäuser auf der Ostalb: das Ostalb-Klinikum in Aalen, die St.-Anna-Virngrund-Klinik in Ellwangen und das Stauferklinikum in Mutlangen.

Die Corona-Krise beherrscht seit etwa drei Monaten den Alltag in der Materialwirtschaft der Kliniken. Anfang Februar, so Mader, gab es erste Lieferengpässe bei Atemschutzmasken, weil der Hauptlieferant China wegbrach. Dann bekamen die Kliniken deutschlandweit nur noch reduzierte Kontingente. "Und dann kamen die Kriegsgewinnler", sagt Mader. FFP-Masken, also spezielle medizinische Atemschutzmasken, "die sonst im Einkauf 47 Cent netto das Stück kosten, wurden uns plötzlich angeboten für zehn Euro pro Stück". Und die Amerikaner zahlten zurzeit sogar 30 Dollar pro Exemplar.

Die Preise explodieren

Atemschutzmasken, Schutzkittel, OP-Hauben, Schutzbrillen, Desinfektionsmittel und Handschuhe – die Preise explodierten, die Verfügbarkeit sank. Mitunter fühlte sich der gelernte Fachwirt Materialwirtschaft "wie ein Broker, ein Börsenhändler, am Telefon". Hop oder top, kaufen – und sei es zu einem überhöhten Preis – oder leer ausgehen, mit allen Konsequenzen. "Früher brauchten wir 20 000 Masken im Jahr, jetzt brauchten wir die in zwei Wochen." Aktuell seien beispielsweise 5000 textile Schutzkittel bestellt. Lieferdatum? Steht in den Sternen. "Da telefoniere ich seit Tagen hinterher." Sind keine Schutzkittel da, "können wir die Klinik zumachen".

Manchmal fühlte ich mich wie ein Broker am Telefon.

Wolfgang Mader, Zentraler Leiter Einkauf

Wo der freie Markt nichts mehr hergab, wurde improvisiert. Kein Desinfektionsmittel üblicher Flaschengröße zu kriegen? Mader veranlasste, dass 1000-Liter-Container gekauft und in Ellwangen abgefüllt wurden. Als die Greuthalle binnen weniger Tage zum Notfallzentrum ausgebaut werden musste und keine Abfallbehälter zu kaufen waren, "da hat uns eine Schlosserei in einer Nacht- und Nebelaktion die Dinger hergestellt". Keine OP-Hauben? "Jetzt lassen wir die hier vor Ort nähen." Spontane, manchmal unkonventionelle Lösungen zu suchen und umzusetzen, das sei nur möglich in einem guten Team bei Rückendeckung des Vorstands, mit einem guten Netzwerk und der Bereitschaft, stellenweise gewohnte Pfade zu verlassen. Auch wenn es manchmal "auf dünnes Eis" gehe.

Nerven bewahren, auf Notfallsituationen reagieren, das hat der gebürtige Biberacher mit den ersten Schritten im Beruf gelernt. Als Krankenpfleger Anfang der 70er-Jahre, in der Notfallmedizin, später als Leiter der Anästhesiepflege in der St.-Anna-Virngrundklinik.

Mader ist keiner, der schnell aus der Haut fährt, "mich wirft nicht gleich was um". Dennoch, manchmal kommt es jetzt vor, "dass ich nachts um drei aufwache und mich frage, was habe ich vergessen?". Seit Wochen laufen er und seine Mitarbeiter "auf 150 Prozent", gibt er zu. Urlaub? Musste er streichen. "Eigentlich sollte ich jetzt in Scheidegg sein. Und Ende Mai am Bodensee." Auch wenn er am Wochenende telefonisch erreichbar sein muss, zwei Tage Auszeit genießt er bei Spaziergängen mit seiner Frau, beim "Kaffee trinken, sich an den Enkeln freuen", so der 63-Jährige. "Ganz normales Leben, das ist unheimlich wichtig."

Alltag kehrt langsam zurück

Langsam kehrt der Klinikverbund Ostalb zum üblichen Krankenhausbetrieb zurück. Notwendig, meint Mader, denn in der Corona-Krise seien nicht nur erhebliche Mehrkosten entstanden, sondern auch Einnahmen weggebrochen, weil Betten frei gemacht, nicht notwendige Operationen verschoben wurden. Abgerechnet werde zum Schluss, "das wird nicht schmerzfrei abgehen." Trotzdem ist er "gottfroh", dass die Corona-Welle die Ostalb nicht mit voller Wucht erwischt hat. "Und ich hoffe, das bleibt so."

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