Mädchen und Frauen aus dem Nordirak in Aalen aufnehmen?

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Die Mädchen und Frauen, um die es geht, haben laut Gabriele Ceferino Schreckliches erlebt. Sie wurden vergewaltig, verschleppt, als Slavinnen gehalten.
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Die Stadt soll sich dafür aussprechen, vergewaltigte Frauen und ihre Kinder in Aalen aufzunehmen. Diesen Antrag stellt Gabriele Ceferino von der Grünen-Fraktion. AfD-Räte sind dagegen.

Aalen

Es geht um Mädchen und junge Frauen aus dem Nordirak. Sie sind zwischen 12 und 20 Jahre alt, wurden vergewaltigt und haben Kinder bekommen. So berichtete es Gabriele Ceferino (Grüne) in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Kultur-, Bildung- und Finanzen (KBFA).

Es handelt sich der Stadträtin zufolge überwiegend um Jesidinnen und Christinnen, die dort in Flüchtlingslagern leben und deren Schutz vor dem IS nicht mehr gewährleistet werden könne. „Diese Mädchen und Frauen haben Schreckliches erlebt“, heißt es in Ceferinos Antrag. „Sie wurden von den Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vergewaltigt, verschleppt, als Sklavinnen gehalten.“

Sie erläuterte, dass das Land Baden-Württemberg eine Partnerschaft mit der Provinz Dahuk im Nordirak unterhalte und 2015 schon einmal 1100 junge Frauen und Mädchen von dort aufgenommen habe. Die allermeisten würden inzwischen zur Schule gehen oder ein Studium absolvieren. „Unter diesen Frauen befand sich auch die spätere Friedensnobelpreisträgerin Frau Nadja Murad“, sagte Ceferino.

Das Land plane nun die Aufnahme von 250 weiteren Mädchen und Frauen. Die Stadträtin möchte nun, dass die Stadt Aalen die Bereitschaft signalisiert, ein paar davon aufzunehmen.

Oberbürgermeister Frederick Brütting bemerkte dazu: „Wir haben keinen Einfluss auf Asylverfahren.“ Aber man könne Bereitschaft signalisierten, Mädchen und Frauen aufzunehmen. Der Ostalbkreis habe schon einmal jesidische Frauen aufgenommen. Das sei ein gutes Beispiel, dem man folgen könne.

Armin Abele (CDU) sagte: „Wir sind offen dafür, Bereitschaft zu signalisieren.“

Natürlich stehe die SPD hinter dem Antrag, sagte Petra Pachner und fügte an: „Wenn das Staatsministerium die Freigabe gibt, muss es ganz schnell gehen.“ Sie schlug daher vor, sich schon vorher Gedanken zu machen, wie ein entsprechendes Konzept aussehen könnte und wie viele Frauen und Mädchen aufgenommen werden könnten.

Bernhard Ritter (FW) sagte: „Die Freien Wähler werden mehrheitlich zustimmen, auch wenn die Zahl nicht bekannt ist.“

Es sei ein Gebot der Menschlichkeit, den Mädchen und Frauen zu helfen, sagte Inge Birkhold (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub). Sie fragte aber: „Warum grenzen wir die Hilfe ein auf den Nordirak?“ Im Moment sei Afghanistan für Frauen der gefährlichste Ort auf der Welt, warum also nicht auch afghanischen Frauen helfen?

Ceferino antworte darauf, indem sie auf die Partnerschaft verwies, die zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Provinz Dahuk im Nordirak bestehe.

Der OB sagte: „Wenn es ähnliche Bestrebungen in anderen Ländern, Regionen oder für andere Gruppen gibt, geben wir Ihnen Bescheid.“

Die beiden AfD-Räte im Ausschuss, Marcus Waidmann und Emil Pöltl, äußerten sich in der Diskussion nicht, stimmten aber gegen Ceferinos Antrag. Aus Ritters Ankündigung, dass die Freien Wähler mehrheitlich für den Antrag stimmen würden, war abzuleiten, dass es aus der Fraktion auch Gegenstimmen geben würde. Zumindest im Ausschuss war das nicht der Fall. Ritter und sein Fraktionskollege Franz Fetzer stimmten für den Antrag. Fraktionssprecher Thomas Rühl war zur Abstimmung gerade nicht im Saal.

Alle anderen Rätinnen und Räte stimmten für den Antrag und gaben damit eine Empfehlung an den Gemeinderat ab. Der entscheidet dann in der Sitzung am Donnerstag, 16. Dezember, ob die Stadt Bereitschaft signalisiert, schutzbedürftige Mädchen und Frauen aus dem Nordirak in Aalen aufzunehmen.

Die Stadt Dohuk im Nordirak ist die Hauptstadt der Provinz Dahuk. Von dort kommen die Mädchen und Frauen, denen das Land Baden-Württemberg Schutz gewähren möchte. Karte: ca

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