Marc Marshall berührt die Seelen

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Der 9-jährige Lorenz singt mit Marc Marshall "Tochter Zion" und alleine "Macht hoch die Tür".
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Der Sänger zu Gast in der Salvatorkirche Aalen. Was er mit dem Programm zu „Liebe, Frieden, Respekt“ seinem Publikum präsentierte und wer mit ihm aus der Region auf der Bühne stand.

Aalen

Der Auftakt: überraschend und anrührend. Als Marc Marshall am Mittwochmittag in der Salvatorkirche das erste seiner zwei aufeinanderfolgenden Weihnachtskonzerte beginnt, sucht er nicht den großen Auftritt auf der Bühne vor dem Altarraum. Als er die ersten Töne von „Maria durch den Dornwald ging“ mit seinem warmen Bariton singt, drehen sich die Köpfe vieler der rund 100 Gäste nach hinten, statt sich nach vorne zu recken. Marshall läuft langsam durch die Kirchenbänke nach vorne. Gefolgt von Pianist René Krömer, der ihn fast unmerklich auf einer kleinen Melodica begleitet.

Es ist eine Schlichtheit und Nähe, die sich durch die nächsten 90 Minuten des Konzertes zieht. Die jedem Raum gibt: Dem Spiel Krömers, der raumgreifenden Präsenz des Sängers, den Liedern, die beide ausgesucht haben für diese „Liebe, Frieden, Respekt“-Tour. Aber auch den beherzten Auftritten der Solisten, die er zuvor für einen Live-Auftritt, für den sie sich bewerben konnten, ausgesucht hat.

Die Freude, auf einer Bühne zu stehen, sie ist Marshall auch ohne den „Herzlichen Dank für den Mut“, gekommen zu sein, anzumerken. Die vierte Absage eines Konzertes habe ihn gerade noch beim Umziehen in der Sakristei erreicht, sagt er in seiner ersten Zwischenmoderation zu seinem Konzert „mit dem besten Orchester der Welt“, wie er Krömer lobt. Es ist eine Moderation von mehreren, in denen Marshall von seiner Kindheit mit Plätzchenbacken und Weihnachtsbaumschlagen erzählt, aber auch von seinen zwei neuen Enkeln. In denen er Gedichte und Liedtexte vorträgt, wie etwa Reinhard Meys „Gute Nacht, Freunde“ oder „Der Mond ist aufgegangen.“

Im Mittelpunkt aber steht die Musik, die Werte wie Freundschaft, Liebe, Respekt, Familie, die er für ein gutes Miteinander unerlässlich hält, transportieren sollen. Es sind viele Weihnachtslieder, mit denen der 58-Jährige den Nerv des Publikums trifft, wie Zwischenapplaus immer wieder zeigt. Wie es das Mitsummen unter den Masken, zu dem er aufgefordert hat, unterstreicht. „Kling Glöckchen“, „Kommet, ihr Hirten“, „Es ist ein Ros entsprungen“ - all das interpretiert der ausgebildete Sänger ohne Mikrofon. Das darf er sich trauen - die Kraft seiner Stimme, unterstützt nur von Krömers feinem, gefühlvollen Einsatz am E-Piano, reicht fast in bis in die letzte Reihe der Kirchenbänke.

Eine Kraft, die er völlig zurücknimmt, als er seine Gäste auf die Bühne holt, um mit ihnen zu singen. Darunter die 13-jährige Elisa Latzko aus Jagstzell, die mit ihrem Vater Alexander an der Gitarre zunächst solo mit dem Leonard-Cohen-Song „Hallelujah“ mit natürlicher, klarer Stimme berührt. Und der Marshall bei „We shall overcome“ den Rang einer gleichwertigen Gesangspartnerin verleiht. „Ich war sehr aufgeregt, aber es war auch sehr schön, und ich bin froh, dass ich mitsingen durfte“, sagt sie nach Ende des Konzertes.

Doch zuvor gewinnt der Sänger sein Publikum noch einmal mit einer Auswahl bekannter und unbekannter Lieder. „Imagine" von John Lennon rezitiert er stellenweise fast, pendelt mit seiner Interpretation zwischen Pop und Oper. Mit einem vertonten jüdischen Gebet berührt er die Seelen, mit „Weißt Du wie viel Sternlein stehen“ trifft er auf Erinnerungslandschaften im Publikum. Mit „Jingle Bells“ entlässt er es, es dankt ihm nicht nur dafür mit stehendem Applaus. Verabschiedet wird, wer will, am Ausgang mit Autogrammen und einer Aktion für den guten Zweck, zu dem Marshall Buttergebäck reicht. Der Schlussstrich somit: versüßt.

Mit Marshall sangen außerdem: Britta Schmid, Anja Art, Lorenz Bold und Michaela Haase.

Marc Marshall und Rene Krömer beim Weihnachtskonzert in der Stadtkirche Aalen. (Foto: hag)
René Krömer, Elisa und Alexander Latzko aus Jagstzell und Marc Marshall (v.l.) beim Weihnachtskonzert in der Stadtkirche Aalen.

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