Margot Wagner: "Verändern kann man nicht da, wo man kuschelt"

+
Margot Wagner: Den Vorsitz im Kreisfrauenrat hat sie jetzt abgegeben. Trotzdem findet sie: Es ist weiter an der Zeit, sich politisch zu engagieren.
  • schließen

Die Gründungsvorsitzende des Kreisfrauenrats hat den Staffelstab weitergegeben. Doch sie findet: Es gibt noch genug zu tun.

Aalen Wer Margot Wagner kennenlernt, könnte sie für eine gemütliche Oma vom Dorf halten. Oma ist sie. Gemütlich kann sie. Aber sie kann auch anders und praktiziert das ziemlich oft: Sie mischt sich ein, vor allem, wenn es um Menschen geht.

Neun Jahre lang war die Eggenroterin Sprecherin des Kreisfrauenrats. Diesen Posten hat sie jetzt abgegeben an Rita Mager aus Waldstetten. Ehrenamtlich ist sie weiter politisch, in Vereinen und Organisationen engagiert: als stellvertretende Vorsitzende der Frauen Union Ostalb, Beisitzerin im CDU-Kreisverband, sie wirkt im Seniorenrat in Ellwangen und im Kreisseniorenrat, bei der Caritas und im Verein „Kleine Hände“ mit.

Als Kind auf dem Lande, in den 1950er Jahren auf einem kleinen Bauernhof in Eggenrot, interessierten sie die typischen hausfraulichen Betätigungen eher weniger: „Ich musste halt im Haushalt mithelfen, meine Pflichten tun, das war früher so“, sagt sie mit schelmischem Lächeln. „Aber noch lieber habe ich bei meinem Vater, der war Landmaschinenmechaniker, den Handlanger gemacht, wenn er Maschinen repariert hat.“ Abitur hätte sie gerne gemacht, setzte deshalb bei ihren Eltern durch, dass sie nach Wallerstein ins Internat gehen durfte, zumindest für die Mittlere Reife. Dann kaufmännische Lehre, Stationen in Betrieben und bei der Stadtverwaltung Ellwangen, bis sie schließlich Arbeitsvermittlerin und später „mit Leib und Seele“ Berufsberaterin im Arbeitsamt wurde. Ihre Augen leuchten, wenn sie von dieser Zeit spricht. „Das war sehr kommunikativ: Gespräche mit Jugendlichen, Eltern, Lehrern. Und jungen Menschen Mut machen, sie unterstützen, ihren ganz persönlichen Weg zu finden – das war genau mein Ding.“

Der Job führte sie in viele Betriebe verschiedener Branchen. Was ihr zunehmend ein Dorn im Auge wurde: unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern trotz gleicher Tätigkeit, viele Facetten der Benachteiligung von Frauen, zum Beispiel bei der Berufswahl, bei Aufstiegschancen oder bei der Rente, aber auch im privaten Bereich bei der Aufgabenverteilung von Hausarbeit oder Kindererziehung. Schon als junge Frau trat sie deshalb der Gewerkschaft, der CDU, und den „Frauen in der CDA“, dem sozialpolitischen Flügel der Union, bei. Ihr Antrieb: sich einmischen wollen, „was verändern“, und zwar in der Politik, „nicht an der Kaffeetafel“.  Etliches in Sachen Gleichberechtigung und Frauenförderung habe sich inzwischen zum Positiven verändert, findet Margot Wagner. Doch noch immer gebe es viel zu tun. Ein Beispiel: Bis heute seien auf der Ostalb Frauen nicht in gleicher Zahl wie Männer in Ortschafts-, Gemeinderäten oder im Kreistag vertreten.

„Als Einzelkämpferinnen können Frauen in der Politik wenig bewegen“, so ihre Erfahrung. Deshalb: „Wichtig sind Solidarität unter Frauen und Netzwerke von Frauen und für Frauen.“ Der Kreisfrauenrat, dessen Gründung 2013 sie maßgeblich initiierte, sei deshalb ein Meilenstein auf der Ostalb.  „Verändern kann man nur da, wo’s weh tut, und nicht da, wo man kuschelt“, sagt sie. Dabei funkeln ihre dunklen Augen, mitunter haut sie auf den Tisch. Als Frau deutlich ihre Meinung zu formulieren, das komme nicht bei allen gut an, vor allem in der Politik, gibt sie zu. Bei aller Wertschätzung, aber Wahlspruch lautet auch: „Ich bin kompromissbereit, fange mit dem Kompromiss aber nicht schon beim Denken an.“ Sie weiß, dass sie damit manchen und manche durchaus nervt. Vielleicht auch deshalb waren ihre beiden Kandidaturen für einen Sitz im Ellwanger Gemeinderat beide Male nicht von Erfolg gekrönt. 

Verkraften musste sie auch andere Zeiten: erhebliche gesundheitliche Probleme Anfang der 2000er-Jahre, dazu der plötzliche Tod der Mutter. Sie schied frühzeitig aus dem Beruf aus und hatte zu kämpfen, gibt sie zu. Ihr Mann Alois, geduldiger Zuhörer in Gesprächen, war ihr eine verlässliche Stütze. Spaziergänge mit dem Sheltie Max, Werkeln im Garten hinterm Haus, der Sport – „Gymnastik ist meins“ halfen ihr schließlich über die schwere Zeit hinweg.

Inzwischen ist sie 69 Jahre alt, nicht mehr nur Ehefrau und Mutter eines Sohnes, sondern auch Oma von zwei Enkelkindern. Lässt es etwas ruhiger angehen, jedenfalls manchmal. Urlaube mit Mann und Hund und Wohnwagen, Radtouren mit dem E-Bike, Gartenarbeit zur Entspannung. Aber das nächste Ziel hat sie im Visier: „Die nächsten Kommunalwahlen stehen an. Jetzt muss man drangehen, die Listen paritätisch zu besetzen.“

Margot Wagner: Den Vorsitz im Kreisfrauenrat hat sie jetzt abgegeben. Trotzdem findet sie: Es ist weiter an der Zeit, sich politisch zu engagieren.
Margot Wagner mit Sheltie Max. Bei Spaziergängen mit dem Hund kann sie gut entspannen.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

Kommentare