Maskenpflicht an Schulen fällt: Freude und Sorge

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Die Maskenpflicht in der Schule ist gefallen.
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Schülerinnen und Schüler müssen laut neuer Corona-Verordnung keine Maske mehr im Unterricht tragen. Schulleiterinnen und Schulleiter aus der Region sind zwiegespalten.

Aalen. Die Maske ist gefallen. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte müssen seit Montag in Baden-Württemberg keinen Mund-Nasen-Schutz mehr im Unterricht tragen – außer auf dem Weg zur Tafel oder in den Gängen. Für Grundschulen entfällt die Pflicht im Klassenzimmer komplett. Schulleiterinnen und Schulleiter in Aalen und Schwäbisch Gmünd sehen diesen Schritt kritisch.

Der blinde Fleck: Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler am Montagmorgen seien unterschiedlich gewesen, sagt Christoph Hatscher, Schulleiter des Theodor-Heuss-Gymnasiums Aalen. Einige hätten sich gefreut, dass sie keine Masken mehr tragen müssen, andere seien skeptisch gewesen. Er habe dennoch den Eindruck, dass Kolleginnen, Kollegen, Schülerinnen und Schüler die „nächste Corona-Verordnung mit Gelassenheit zur Kenntnis genommen haben“. Ein „blinder Fleck“ bleibe in der Verordnung, sagt der Schulleiter. „Wir sehen eine gewisse Gefährdung für Kinder, die noch nicht impfbar sind.“ Die vulnerablen Gruppen seien lange Zeit – berechtigt – geschützt worden. „Jetzt lassen wir an Energie nach, wenn es darum geht, die Jüngeren zu schützen.“ Wichtig sei, dass Schulen vernünftig aus der Krise kommen, sagt Hatscher, der froh ist über die Impfquote am THG. In den Klassen sieben bis 13 seien 40 Prozent geimpft und 90 Prozent der Lehrkräfte hätten einen Impfschutz, bilanziert er.

Hoffnung und Freude: Nadia Feiler, Rektorin der Braunenbergschule Wasseralfingen, freut sich für die Kinder, dass die Maske nun weg ist. Für Kinder, die das Alphabet lernen oder einen Sprachmigrationshintergrund haben, erleichtere die neue Corona-Verordnung das Lernen. „Die Buchstaben 'M' und 'N' kann man nur über die Mundstellung unterscheiden, da ist es toll, die Maske abzunehmen“, sagt Nadia Feiler, die Sorge hat, dass es in den kommenden Wochen vermehrt zu Infektionen kommt.

„Ich erlebe auch vorsichtige Kinder. Heute hatten von 18 Kindern vier die Maske während des Unterrichts auf“, sagt die Rektorin. Sie selbst trage währenddessen ebenfalls einen Mund-Nasen-Schutz. „Ich sehe mich als Vorbild, habe mich daran gewöhnt und die Maske stört mich nicht.“ Während des Lüftens oder bei genügend Abstand wolle sie diese abnehmen – und das auch Schülerinnen und Schülern anbieten, die weiterhin eine Maske tragen. „Es ist schön, die Kinder wieder ganz zu sehen“, sagt Feiler. Sie hoffe, dass die neue Corona-Verordnung auch nach den Herbstferien in Kraft bleibt. Wichtig ist ihr: „Es darf niemand in der Klasse unter Druck gesetzt werden, die Maske zu tragen oder nicht zu tragen.“

Verantwortung: Vom Gefühl her sei der Beschluss eine Erleichterung, sagt Daniela Maschka-Dengler, geschäftsführende Schulleiterin der Gmünder Grund-, Real-, Haupt und Gemeinschaftsschulen. Vor allem bei den Grundschülern sei das Spiel der Mimik enorm wichtig. Aber: „Die Viren haben es nun einfacher.“

Die Schulleiterin der Friedensschule appelliert auch an die Verantwortung Schwächeren gegenüber. Es gebe Lehrer, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht gegen Corona impfen lassen könnten, und es gebe Kinder mit geschwächtem Immunsystem. „Auch die müssen wir schützen“, findet sie.

Ein früherer Zeitpunkt: Er hätte sich den Wegfall der Masken zu einem früheren Zeitpunkt, gleich nach den Sommerferien, gewünscht, sagt Veit Botsch, geschäftsführender Schulleiter der Gmünder Gymnasien. Da sei die Inzidenz relativ niedrig und die Erkältungssaison noch nicht gestartet gewesen. „Zum Ausprobieren wäre es früher besser gewesen“, sagt der Schulleiter des Hans-Baldung-Gymnasiums.

Übrigens: Aktuell gebe es im Kreis an zwei Schulen sogenannte Corona-Ausbrüche, teilt Susanne Dietterle, Sprecherin des Landratsamts, mit. Das seien laut Definition mehr als fünf Schülerinnen und Schüler oder 20 Prozent der Klasse, die infiziert seien. „Die beiden Klassen sind in Quarantäne“, so Dietterle.

  • Ein Blick in die neue Corona-Verordnung: Das gilt
  • Seit Montag gilt die Maskenpflicht am Platz laut Kultusministerium nicht mehr. Beim Bewegen im Raum muss diese getragen werden. Anders in Grundschulen: Dort entfällt die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen im Klassenzimmer. Lehrkräfte können im Unterricht die Maske absetzen. Die Bedingung dafür ist, dass sie den Mindestabstand von 1,5 Metern zu den Schülerinnen und Schülern einhalten.
  • Wenn das Infektionsgeschehen die Alarmstufe erreicht, muss die Maske wieder aufgesetzt werden. Zudem müssen die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte die Maske am Platz aufsetzen, wenn es zu einem Corona-Fall in der Klasse kommt. Dann muss diese fünf Tage lang wieder aufgesetzt werden. Zudem werden Coronatests durchgeführt.
  • Es gilt weiterhin, dass Schülerinnen und Schüler drei Antigenschnelltests oder zwei PCR-Tests pro Woche machen müssen.
Die Maskenpflicht in der Schule ist gefallen.

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