Medizin: Studie zu Chancen der Videosprechstunde

+
Die Aalener Hochschulstudentin Franziska Plessing hat das Potenzial telemedizinischer Angebote in der ambulanten Versorgung untersucht.

Die Aalener Studentin Franziska Plessing untersucht das Potenzial telemedizinischer Angebote in der ambulanten Versorgung.

Aalen

Die Digitalisierung voranzutreiben ist einer der Schlüssel im Gesundheitswesen, um zukünftige Herausforderungen bewältigen zu können. Das wird auch in der aktuellen Corona-Pandemie deutlich.

In diesem Zusammenhang spielt die Videosprechstunde bei Ärztinnen und Ärzten eine zentrale Rolle. Doch welche Perspektive gibt es für die Videosprechstunde nach Covid19? Die Studentin Franziska Plessing hat sich mit dieser Frage in ihrer Masterarbeit an der Hochschule Aalen beschäftigt. Sie hat dabei mögliche Einflussfaktoren auf die Nutzung der Videosprechstunde und Chancen, die sich durch den Einsatz in der ambulanten Versorgung für das Gesundheitswesen ergeben, beleuchtet.

Fakt ist: Während der Pandemie blieben viele Patientinnen und Patienten aufgrund der Angst vor Ansteckung den Arztpraxen fern. Zugleich stieg die Nachfrage nach digitalen Behandlungsmöglichkeiten. Neu eingeführte Videosprechstunden wurden in kürzester Zeit immer beliebter.

Eines der größten Hindernisse

Wie die Hochschule mitteilt, zeigten die Untersuchungen von Plessing,, dass die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Inanspruchnahme der Videosprechstunde die Akzeptanz, die Technologie sowie die Politik und Gesetzgebung sind. „Bei der Akzeptanz spielt die Haltung der Ärzteschaft wie auch die der Patientinnen und Patienten gegenüber der Videosprechstunde eine große Rolle“, erläutert Plessing. Durch die häufigere Nutzung von digitalen Technologien im Alltag während der Pandemie wurde diese gesteigert. „Die jüngeren Generationen, die als „Digital Natives“ bezeichnet werden, fragen die Behandlung per Videosprechstunde aktiv nach“, erklärt die Studentin des Gesundheitsmanagements.

Der fehlende Breitbandausbau ist im Bereich der Technologie aktuell noch eines der größten Hindernisse der Videosprechstunde. „Außerdem spielen der Datenschutz und die IT-Sicherheit als Teil der Politik und Gesetzgebung in Deutschland eine große und zugleich hemmende Rolle“, so Plessing.

Vor allem bei chronisch Kranken

Das größte Einsatzpotenzial für die Videosprechstunde sieht Plessing bei den Patientengruppen der chronisch kranken und immobilen Menschen. „Die Chancen für die größte Nutzung sind im Bereich der ambulanten Primärversorgung wie auch im Bereich der Psychotherapie zu finden, da Patientinnen und Patienten dort einen Bedarf nach Anonymität, Diskretion und Abstand haben“, berichtet Plessing.

Der Einsatz einer Videosprechstunde in der ambulanten Versorgung berge zahlreiche Chancen. An vorderster Stelle stehen für Plessing ein verbesserter Zugang zur ärztlichen Versorgung im Allgemeinen und eine verbesserte Versorgung für den ländlichen Raum, wo es meist nur eingeschränkte öffentliche Verkehrsmittel gebe und weniger niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.

Ohne Anreise und Wartezeiten

„Für Patientinnen und Patienten fallen durch die Videosprechstunde Anreise- und Wartezeiten weg, es gibt einen einfacheren Kontakt zur medizinischen Versorgung und niedrigere Hemmschwellen. Für Ärztinnen und Ärzte bieten diese Möglichkeiten zum flexiblen Arbeiten in Teilzeit, am Abend oder von Zuhause“, so die Studentin der Hochschule Aalen.

Die Videosprechstunde könne ebenso eine Entlastung des Gesundheitssystems sein. „Bei der Entlastung spielt die Einordnung in die richtige Versorgungsebene eine zentrale Rolle. So kann eine Ersteinschätzung per Videosprechstunde erfolgen und die Ärztin oder der Arzt eine Behandlungsempfehlung aussprechen“, meint Plessing. Dies führe zu einer Entlastung der Anlaufstellen wie beispielsweise Notaufnahmen oder Kassenärztliche Notdienste.

Zukunft mit Videosprechstunde

Für die Zukunft hält Plessing es für wahrscheinlich, dass die Inanspruchnahme der Videosprechstunde auf demselben Niveau wie während der Pandemie verbleiben wird. Die Videosprechstunde wird sich als fester Bestandteil der Regelversorgung etablieren, da die Veränderung der Einflussfaktoren zu einer Förderung der Akzeptanz führen und es zu einer vollständigen Digitalisierung des ärztlichen Behandlungsprozesses kommen wird.

  • Alternative vor allem für den ländlichen Raum
  • Telemedizin ermöglichtes, trotz räumlicher Trennung durch den Einsatz audiovisueller Kommunikationstechnologien Dieagnostik, Konsultation und medizinische Notfalldienste anzubieten. „In Zukunft kann Telemedizin vor allem für den ländlichen Raum ein Bestandteil der medizinischen Versorgung werden“, teilte das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Homepage mit. 
    Gesetzesentwurf Mit dem Entwurf eines Gesetzes für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen sollen telemedizinische Leistungen weiter gestärkt werden. 

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

Kommentare