Mehr Kocher, mehr Grün und weniger Stuttgarter Straße

  • Weitere
    schließen
+
Bild oben: Der Abschnitt der Stuttgarter Straße zwischen Amtsgericht (Bildmitte hinten oben) und der Kreuzung Friedrichstraße soll zurückgebaut werden. Bild unten: Das Konzept des Büros Hänig-Gemmeke dient als Leitidee für die weitere Entwicklung des Projekts. Anstelle des Parkplatzes hinterm Rathaus entsteht ein begrüntes parkähnliches Quartier am Kocher. Archivfoto: opo
  • schließen

Die Zeichen stehen gut, dass die Stadt eine großzügige Finanzspritze für den Rückbau der vierspurigen Verkehrsader zwischen Rathaus und Landratsamt erhält.

Aalen

Eine finanzielle Spritze in Höhe von 90 Prozent der veranschlagten Baukosten. "Das gab es in Aalen noch nie", sagt Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle. Ein bundesweites Modellprojekt ermöglicht dies nun für die geplante Umgestaltung der Stuttgarter Straße. Der Begriff des Modellprojekts ist sperrig, von Klimaanpassung ist die Rede, von Modernisierung in urbanen Räumen und von Konzepten zur Förderung von Parks und Grünanlagen.

Da passt die Umplanung der Stuttgarter Straße zu einer verkehrsberuhigten Zone, begleitet von Fuß- und Radwegen sowie von einem künftig oberirdisch plätschernden Kocher prima ins Konzept, dachte sich Maya Kohte, Leiterin des Amtes für Umwelt, Grünflächen und umweltfreundliche Mobilität.

Das Ergebnis der Bewerbung: Das Projekt in Höhe von drei Millionen Euro wurde als bundesweites Modellprojekt ausgewählt – damit hat die Stadt Aalen einen Zuschuss von 2,7 Millionen Euro in Aussicht, aber noch keine Zusage. Jetzt drängt die Zeit, bis Mitte Februar muss die Stadt eine Projektskizze inklusive Grundsatzbeschluss des Gemeinderats einreichen. Der fiel am Donnerstag im Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik – und zwar begeistert und einstimmig für das Projekt.

Was die Umplanung der Stuttgarter Straße nötig macht, erläuterte Steidle: Die seither vierspurige Straße hinter dem Rathaus habe keine Aufenthaltsqualität. Sie sei geprägt von einer autogerechten Straßenplanung der 1960er/1970er Jahre. Die Stuttgarter Straße trenne die Innenstadt von der Südstadt, das Rathaus wirke auf seiner Rückseite wie abgeschottet. "Seit die Stuttgarter Straße keine Funktion mehr als Bundesstraße hat, verspüren viele Aalener den Wunsch nach einer Aufwertung der Verkehrsachse", sagte Steidle.

Aber auch die Entwicklung im Quartier Aalen-Süd – mit der Bebauung des Union-Areals und mit der abgeschlossenen Kocherrenaturierung und dem nun durchgängigen Radweg hinterm Kaufland Richtung Unterkochen spielt eine wesentliche Rolle für die angedachte Umplanung. Denn diese grüne Achse soll jetzt fortgeschrieben werden bis hin zur Stuttgarter Straße, um damit Innenstadt und das Quartier Aalen-Süd besser miteinander zu verknüpfen.

Ein weiterer Grund für die grüne innerstädtische Umplanung ist das Klima. Denn an heißen Sommertagen, so Kohte, komme ein Luftaustausch kaum zustande in den aufgeheizten engen Gassen der City.

Wann es losgehen könnte: In diesem Jahr, so Maya Kohte, werde man sich mit der Ausarbeitung der Planung beschäftigen. Auch die Bürger sollen beteiligt werden. Und nach dem Eintreffen des Förderbescheids könne man mit dem Umbau der Stuttgarter Straße beginnen, der für die Jahre 2023/2024 vorgesehen sei.

Thomas Wagenblast (CDU) plädiert, mit der Umgestaltung in Richtung der ehemaligen "Forelle" weiterzudenken. In die Verkehrsplanung sollte man Alternativen der Verkehrslenkung mitdenken für jene Fälle, in denen der Tunnel der Westumgehung geschlossen sei.

Es wäre der Hammer, wenn wir das alte Gaulbad heute noch hätten!

Michael Fleischer Grünen-Fraktionschef

Michael Fleischer (Grüne) bedauert, dass die Offenlegung des Kochers nur "in kleinen Teilen" möglich werde. "Es wäre der Hammer, wenn wir das alte Gaulbad an dieser Stelle westlich des Rathauses heute noch hätten", stellt er fest. Er bittet die Verwaltung zu prüfen, ob sich der Randstreifen als Radfahrstreifen nicht bis zur Fackelbrückenstraße weiterführen ließe.

Albrecht Schmid (SPD) fragt nach Alternativen zum oberirdischen Rathausparkplatz, der wegfallen wird. Der SPD-Fraktion sei eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts mit Agenda-Gruppen und Fachvorträgen wichtig. "Die Beruhigung der Stuttgarter Straße darf nicht zur Folge haben, dass wir in der Friedrichstraße eine neue Straßenschlucht schaffen."

Claus Albrecht (FW) gibt zu bedenken, dass man die täglich 11 000 Fahrzeugbewegungen auf der Stuttgarter Straße nicht einfach wegdenken könne. "Wir brauchen ein neues Konzept für den Verkehr. Denn die Autofahrer werden sich nach Schleichwegen umgucken."

Emil Pöltl (AfD) regt zwischen Landratsamt und Rathaus eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer an.

Christa Klink (Die Linke) hofft, dass das Verkehrskonzept gelingt. Andernfalls werde es wie beim Boulevard Bahnhofstraße, der trotz Geschwindigkeitsreduzierung kaum an Aufenthaltsqualität gewonnen habe.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL