Mehr Kocherfreude am Union

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Im Zuge der Kocherrenaturierung wird auch das alte Wehr (rechts, am Kocherknie), zurückgebaut, damit Fische und andere Lebewesen im Wasser künftig nicht mehr von dieser Anlage gestoppt werden. Rechts das Parkplatzprovisorium auf dem ehemaligen Union-Areal. In der Bildmitte mit Schornstein: das alte Dampfkesselhaus, über dessen künftige Nutzung es noch keine Entscheidung gibt.
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Wie der Aalener Stadtfluss zwischen Landratsamt und Industriestraße aus seinem Industriekanal befreit und erlebbar gemacht werden soll.

Aalen

Symbolisch betrachtet könnte die Kocherrenaturierung für einen Roten Teppich stehen, der rechtzeitig für den Spatenstich zum Bau des "Sozial-Landratsamts" am ehemaligen Union-Gelände ausgerollt sein soll. Denn bis zu dem im Juli 2023 geplanten Baggerbiss soll der Kocher beinahe schon auf der gesamten Strecke zwischen dem derzeitigen Landratsamt und der Industriestraße in einen naturnahen Zustand versetzt worden sein.

Die wasserrechtliche Genehmigung liegt bereits vor, die Zusage für eine Förderung erwartet die Stadt Aalen im ersten Quartal dieses Jahres. Aktuell geht man von Gesamtkosten in Höhe von 4,45 Millionen Euro aus und rechnet mit Fördergeldern von etwa 2,2 Millionen Euro.

OB Thilo Rentschler stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Zeitplan vor: Im Mai dieses Jahres soll das Vorhaben dem Aalener Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt werden. Die Arbeiten könnten dann zwischen Juli und August ausgeschrieben werden. Ein Baubeginn wäre im November dieses Jahres möglich.

Der Eingriff in Bachbett und Ufer des Kochers zwischen Landratsamt und Industriestraße verfolgt zwei Ziele. Das erste ist die ökologische Verbesserung des Gewässers. Dazu sind Eingriffe nötig ins Gewässerbett, um Gefälle und Fließgeschwindigkeit zu verändern und damit die Lebensbedingungen für Fische und andere Kleinstlebewesen im Kocher zu verbessern.

Das zweite Ziel ist ein optimierter Hochwasserschutz. Denn laut der aktuellen Hochwassergefahrenkarte werden bei einem 100-jährigen Hochwasser sowohl das Union-Gelände als auch die Innenstadt überflutet. Darauf weist die Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage hin.

Auf dem Hochwasserschutz liegt der Fokus vor allem oberhalb der Burgstallstraße und unterhalb der Kaufland-Brücke.

Baubeginn könnte schon im November dieses Jahres sein.

Thilo Rentschler Oberbürgermeister

Beim alten Union-Gelände dagegen soll der Kocher besser zugänglich und erlebbar gemacht werden. Fische und alle anderen Lebewesen, die sich dort im Kocher tummeln, werden künftig nicht mehr von der alten Wehranlage gestoppt. Die soll nämlich zurückgebaut werden.

Wie man das Kocherbett verändern will: Die Rede ist von einer geschwungenen Niedrigwasserrinne mit teils breiten Flachwasserzonen, einem Rückbau von Ufermauern und dem Einbau von Totholz und sogenannter Buhnen. Das sind rechtwinklig oder schräg verlaufende Einbauten im Flussbett. Laut Stadtverwaltung sollen sie helfen, den Gewässerstrom zu lenken und die Fließgeschwindigkeit zu verlangsamen. Hinzu kommen Profilaufweitungen und die Tieferlegung des Gewässergrunds ab der alten Wehranlage beim früheren Union-Areal flussaufwärts sowie punktuelle Hochwasserschutzmaßnahmen beim Landratsamt.

Die Maßnahme wird in zwei Bauabschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt auf einer Länge von 450 Metern verläuft vom Landratsamt bis zur Brücke Burgstallstraße; der zweite Abschnitt verläuft von da aus rund 340 Meter stromaufwärts bis zur Industriestraße. Nach derzeitigem Planungsstand, so der OB, könnte der erste Bauabschnitt Ende 2022 fertiggestellt sein, der zweite dann Ende 2023.

Im Verfahren gemäß der Vergabeverordnung haben vier Büros Angebote für die Ufergestaltung und die Freianlagen für das "Sozial-Landratsamt" abgegeben. Bei der Bewertungskommission gepunktet hat für die Ufergestaltung das Büro Steinbacher Consult Ingenieurgesellschaft, Neusäß (bei Augsburg); und für den Flussbau das Büro Winkler und Partner, Stuttgart.

Hintergrund: Im Jahr 2016 hat der Landkreis das etwa 1,7 Hektar große Union-Areal als Erweiterungsfläche erworben. Stadt Aalen und Landkreis haben dann für das insgesamt 6,8 Hektar große Gebiet einen gemeinsamen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Eine wichtige Zielsetzung war die Renaturierung des Kochers.

Der Kocher zwischen Landratsamt und Kaufland: Der Fokus liegt hier auf einem verbesserten Hochwasserschutz.

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