Mehr Lastenfahrräder für die Region

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Landrat Dr. Joachim Bläse testet ein Cargobike.
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Die sogenannten Cargobikes sollen eine klimaneutrale Alternative zu Kraftfahrzeugen bieten. Stadt und Landkreis beginnen bereits mit der Anschaffung.

Aalen.Auf dem Platz vor dem Landratsamt fahren mehrere Menschen etwas unsicher auf Fahrrädern hin und her. Es sind aber keine Grundschüler, die gerade ihren Fahrradführerschein machen – sondern Erwachsene, die ausprobieren möchten, wie sich ein Cargobike fährt. Dabei handelt es sich um meist elektrounterstützte Lastenfahrräder, die Familien und Gewerbetreibenden eine günstige und klimaneutrale Alternative zu Pkw bieten sollen. Und weil der Ostalbkreis Teil der vom Land geförderten Cargobike-Roadshow ist, können Interssierte an diesem Nachmittag auch in Aalen die Fahrräder testen.

"Die ersten paar Meter war es gut, dass an der Straße kein Auto parkte."

Klaus Berger

ADFC Aalen

Dass diese Fortbewegungsmittel tatsächlich so einiges an Inventar von A nach B bringen können, beweist der ADFC Aalen, der ebenfalls vor Ort ist. Helmut Lippstreu und Klaus Berger, die gerade einen großen Stand aufbauen, haben ihr gesamtes Equipment mit dem Rad zum Landratsamt befördert. "Die ersten paar Meter war es gut, dass an der Straße kein Auto parkte", sagt ADFC-Mitglied Berger und schmunzelt.

Denn: Ganz so einfach ist die Fahrt mit dem sperrigen Rad anfangs nicht. "Das Rad hat einen sehr großen Wendekreis, da merkt man, dass Radwege oder Pfosten an der falschen Stelle sind", so Berger. Lippstreu ergänzt: "Das zeigt, dass am Radwegenetz mehr gemacht werden muss, wenn mehr E-Bikes kommen sollen." Nichtsdestotrotz befürworten beide die Nutzung. Auch Gewerbetreibende können von dem Rad profitieren. So etwa Handwerker, die in der Fußgängerzone – in der man für Kraftfahrzeuge eine Sondergenehmigung benötigt – kleine Reparaturen vornehmen wollen.

Cargobike-Fans (v.l.): Helmut Lippstreu, Susanne Garreis, Veit-Stephan Bock und Klaus Berger.

Landkreis und Stadt schaffen Cargobikes an

Das Landratsamt selbst will ebenfalls zwei der Cargobikes für die betriebliche Anwendung beschaffen, wie Lukas Dreher vom Geschäftsbereich Nachhaltige Mobilität erzählt. "Zum Beispiel für die Poststellen oder auch Schulen", erläutert er. Sonderschulen können etwa Schülerinnen und Schüler mit Behinderung mit dem Rad transportieren.

Die Räder haben allerdings ihren Preis: Zwischen 5.000 und 15.000 Euro kosten sie üblicherweise. "Aber mit 7.000 Euro ist man auch gut dabei", so Dreher. Immerhin ist der Ostalbkreis als Kommune förderungsberechtigt: Bis zu 2.500 Euro gibt es dann pro Lastenfahrrad vom Land.

Die Stadt Aalen ist bereits einen Schritt weiter. "Wir haben schon ein Lastenfahrrad bestellt", sagt Veit-Stephan Bock, zuständig für die Verkehrsplanung bei der Stadtverwaltung. Das Cargobike soll dann an der Fahrradstation am Hauptbahnhof ausgeliehen werden können. Aber: Wann genau es so weit ist, ist noch nicht bekannt. "Es gibt Lieferengpässe", berichtet Bock. Auch die Preise für den Verleih seien bislang noch nicht bekannt.

In Westhausen können kostenlos Fahrräder geliehen werden

Dass die Räder nicht nur für Alltag und Gewerbe, sondern auch Reisen taugen, hat Peter Kuch vom Verein Westhausener Gerätering selbst getestet: 500 Kilometer hat er von Westhausen nach Arbon in der Schweiz mit Lastenrad "Leni" zurückgelegt. Und das habe sehr gut geklappt. "Die stufenlose Schaltung macht das Fahren sehr angenehm", führt er als Beispiel an. In Westhausen können bereits kostenlos Lastenfahrräder ausgeliehen werden – das machten Förderungen von Land, Bund, Gemeinde und der Raiffeisenbank möglich. "Die Wartung finanzieren wir über Spenden", erläutert Kuch.

Peter Kuch ist für einen Wandel vom gedankenlosen Autofahren hin zur gesunden Mobilität. Aber ist so ein Cargobike im Alltag wirklich eine Alternative zum Pkw? "Ja", betont Kuch. Für schlechtes Wetter gebe es schließlich die richtige Kleidung. "Und meine Frau fährt oft mit dem Rad von Westhausen zur Frühschicht ins Ostalbklinikum", ergänzt er. Danach fühle sie sich immer voll mit Sauerstoff und erfrischt. "Und ja, man muss sich erst an das Fahren mit dem Lastenfahrrad gewöhnen", sagt er. Aber das gehe ziemlich schnell.

Diese Aussage ist im Fall von Landrat Dr. Joachim Bläse jedenfalls richtig. Er selbst steigt auf eines der Cargobikes. Anfangs ist er etwas wackelig unterwegs, dreht dann aber souverän seine Runden. "Wenn man erstmal ein Gefühl dafür hat, kommt man ganz gut um die Kurve", findet er.

Mit solch einem Lastenfahrrad ist Peter Kuch bereits in die Schweiz gefahren.
  • Was sind Cargobikes?
  • Ein Cargobike ist stabil gebaut und bietet durch verschiedene Arten von Anbauten Platz zum Transport verschiedener Gegenstände oder auch Kinder. Dabei ist es länger und auch breiter als konventionelle Fahrräder. Oftmals wird es zudem durch einen Elektroantrieb unterstützt.
  • Die Anbauten können einfache Schalen sein, es gibt aber auch Modelle mit eingebauten Kindersitzen und Dächern, die vor Wettereinflüssen schützen.
  • Befürworter sehen in den Cargobikes eine umweltbewusste, nachhaltige Alternative zu Pkws, durch die zudem die oftmals schwere Parkplatzsuche wegfällt.

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