Mehr Mut zeigen, für Frieden einsetzen

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Gewerkschafter und Friedensfreunde treffen sich am Aalener Marktbrunnen und erinnern an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Aalen

Kurz vor 17 Uhr auf dem Aalener Marktplatz: Immer mehr Frauen und Männer steuern auf den Marktbrunnen zu, einige mit Transparenten in den Händen. "Frieden für alle", "Waffengeschäfte eindämmen" oder "Beitritt zum UN-Atomwaffenverbot jetzt" lauten die Botschaften. DGB-Sekretärin Kerstin Pätzold und andere gewerkschaftlich Aktive haben am Marktbrunnen in großen Buchstaben ein Zitat von Georg Elser angebracht: "Ich habe den Krieg verhindern wollen."

1957 habe der Deutsche Gewerkschaftsbund den 1. September zum Antikriegstag ausgerufen, erinnert Pfarrer Bernhard Richter, der die Versammelten begrüßt. "Am 1. September 1939 fiel Nazi-Deutschland in Polen ein und begann damit den Zweiten Weltkrieg, der Leid und Zerstörung brachte und millionenfach Menschenleben auslöschte." Richter ermahnt: "Frieden war, ist und bleibt ein zerbrechliches Gut." Und wenn heute weltweit 13 000 atomare Sprengköpfe existieren, darunter auch in Deutschland, in Büchel, seien das 13 000 Sprengköpfe zu viel.

Später wird Richter zusammen mit seinem katholischen Kollegen Diakon Michael Junge ein ökumenisches Friedensgebet in der Stadtkirche gestalten. Junge erinnert dabei an den Schwur "unserer Mütter und Väter: Nie wieder Krieg".

Zuvor, am 1. September am Marktbrunnen, verdeutlicht DGB-Kreisvorsitzender Josef Mischko als Hauptredner, dass trotz dieses Schwurs doch Kriege und bewaffnete Konflikte an der Tagesordnung seien, zum Beispiel in Syrien, in Kurdistan, im Irak, in Afghanistan oder der Ukraine. "1,8 Billionen Euro geben Regierungen jährlich für Rüstung und Krieg aus", kritisiert Mischko. "Geld, das für Essen, Bildung und Soziales fehlt."

Er fordert, auf der Ostalb ein Zeichen zu setzen: des Friedens, der Völkerverständigung und Bekämpfung der Fluchtursachen. "Die LEA muss bleiben", konkretisiert der DGB-Kreisvorsitzende. Es sei doch ein Irrsinn, dass ausgebildete Flüchtlinge abgeschoben würden. "Das Handwerk braucht sie dringend."

Die LEA in Ellwangen muss bleiben.

Josef Mischko, DGB-Kreisvorsitzender

Mischko kritisiert Gemeinderat

Mischko ruft dazu auf, die AfD als Hetzpartei gegen Flüchtlinge wahrzunehmen, "als Partei, die mit dem Nazibegriff der Volksgemeinschaft flirtet." Wahlerfolge der AfD fußten auf der Angst der Bürger vor sozialem Abstieg. Mischko: "Wir brauen deshalb soziale Sicherheit für alle."

Deshalb sei es richtig, die Rüstungsproduktion zu beenden. "Lediglich 80 000 Arbeitsplätze sind direkt davon abhängig." Angesichts von 3,4 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie sei das überschaubar. "Nie wieder Krieg! In die Zukunft investieren statt aufrüsten", zitiert Mischko das DGB-Motto zum Antikriegstag 2020.

Dass die Mehrheit des Aalener Gemeinderates nicht den Mut bewiesen habe, die Erwin-Rommel-Straße umzubenennen, wertet er als "schwaches Zeichen". Unter großem Applaus meint er: "Aalen hätte das gut getan".

Josef Mischko wird deutlich: "Gerade in der Zeit, in der Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit immer mehr Zuspruch bekommt, braucht es mehr Gemeinderäte mit einem Arsch in der Hose."

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