Mehrgenerationenhaus: GeniAAl freut sich aufs Richtfest

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Über dem Wohnbaugebiet Schlatäcker II drehen sich die Kräne. Im Hintergrund, linke Bildhälfte, erkennt man die zwei Baukörper des künftigen Mehrgenerationenhauses „Im Blümert 40“.
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Unter der Adresse „Im Blümert 40“ entsteht das erste Aalener Mehrgenerationenhaus in freier Bauherrengemeinschaft. Von den 23 Wohnungen sind bereits 22 verkauft.

Aalen. Nach jahrelanger Planung und Grundstückssuche ging es zuletzt ganz fix: Am 1. Juli wird das Mehrgenerationenhaus im Wohngebiet Schlatäcker II sein Richtfest feiern; genau ein Dreivierteljahr nach dem Spatenstich am 30. September 2021 - der letzten Amtshandlung des damaligen OB Thilo Rentschler. Das Besondere: Es ist das in Aalen bislang einzige Mehrgenerationenhaus, das in freier Bauherrengemeinschaft entsteht.

„Aktuell fehlt an jedem der beiden Baukörper noch das oberste Geschoss“, informiert Peter Widmaier. Er ist Architekt des Projekts „GeniAAl - die Abkürzung steht für „Generationen wohnen in Aalen“. Obwohl man freilich auch hier mit den derzeit üblichen Lieferschwierigkeiten zu kämpfen habe, liege der Bau im Zeitplan. Der geplante Fertigstellungstermin „voraussichtlich im März/April 2023“ ist laut Widmaier nicht gefährdet.

Unter der Adresse „Im Blümert 40“ entstehen 23 Zwei- bis Fünfzimmer-Wohnungen in einer Größe von jeweils 50 bis 120 Quadratmetern. Mit Ausnahme einer 70 Quadratmeter-Wohnung im Erdgeschoss sind bereits alle verkauft.

Mit im Boot ist die Wohngenossenschaft „pro - gemeinsam bauen und leben“. Deren Geschäftsleiter Magnus Geibel begleitet die „freie“ Bauherrengemeinschaft beratend durch die Planungs- und Bauphase. Während die meisten der Wohnungen verkauft wurden, hat die „Pro“ selbst in zwei Wohnungen investiert, die sie vermieten wird. Geibel: „Das Besondere an unserem Modell ist, dass die Mieter beinahe dieselben Rechte haben wie die Wohnungseigentümer. Weil sie nicht einfach nur Mieter sind, sondern auch die Genossenschaftsanteile bezahlen. Dadurch sind sie als Mieter unkündbar.“

Bettina (40) und Florian Speitler (42) mit ihren drei Kindern sind künftig Mieter einer 120-Quadratmeter-Wohnung in diesem Gemeinschaftsprojekt. „Wir haben den Sondergenossenschaftsanteil schon in der Planungsphase gezahlt, haben damit das Risiko mitgetragen, aber uns sozusagen gleichzeitig auch das Wohnrecht auf Lebenszeit gesichert“, berichtet der Familienvater. „Am Mehrgenerationenhaus finden wir spannend, dass sich Eigentümer, Mieter und Investoren schon in der Planungsphase kennenlernen und man so in die Gemeinschafts hineinwächst.“

Sie haben als Mieter ein lebenslanges Wohnrecht: Bettina (40) und Florian Speitler (42).


Frieder Zürcher (63) aus Bad Urach will gemeinsam mit seiner Partnerin Charlotte Scheffel (62) aus Metzingen ins Aalener Mehrgenerationenhaus einziehen. „Mit alternativen Wohnformen und dem genossenschaftlichen Gedanken haben wir uns schon länger intensiv auseinandergesetzt.“ Neben dem sozialen Aspekt liegt Zürcher auch besonders der ökologische Gedanke am Herzen. Und so will er künftig die Hausgemeinschaft für die Einführung alternativer Mobilitätsformen sensibilisieren, wie eine gemeinschaftliche Autonutzung (Car-Sharing) oder gemeinschaftliche Lastenräder.

Frieder Zürcher (63) hat schon lange nach einer alternativen Wohnform gesucht.


Franziska Kunz (36) und Ulli Schulz (39) mit Töchterchen Leonora (20 Monate) haben sich nicht nur selbst ins Mehrgenerationenhaus eingekauft. Auch Franziskas Schwester und die Mutter haben hier jeweils in eine eigene Wohnung investiert. „Das Projekt, die Räume, die Menschen und Ideen passen gut zu uns“, sagt Franziska, die mit ihrer Familie nicht anonym wohnen möchte. „Die Gemeinschaft hier ist total offen und sympathisch, viele haben interessante Lebenswege hinter sich. Zudem wäre es uns als berufstätige Eltern zeitlich kaum möglich, ein eigenes Haus zu bauen.“

Franziska Kunz (36) und Ulli Schulz (39) mit Töchterchen Leonora (20 Monate) freuen sich auf die offene Gemeinschaft.

Brigitte (70) und Hans Pfeifer (75) haben eine Zweizimmerwohnung gekauft mit der Option, irgendwann im fortgeschrittenen Alter ihr Häusle in Aalen zu verkaufen und ins Mehrgenerationenwohnen umzuziehen, wo gegenseitige Hilfe selbstverständlich ist. „Ein Seniorenheim ist für uns keine Alternative“, betonen die beiden. Vorerst wollen sie ihre Wohnung vermieten. Und die Gemeinschaft mit ihren künftigen Mitbewohnern weiter pflegen. „Denn es gibt kein anderes Haus, in dem sich die Eigentümer schon in der Bauphase zu gemeinsamen Wanderungen und zum Brunch treffen.“

Für Brigitte (70) und Hans Pfeifer (75) ist ein Seniorenheim keine Alternative.

Nach 18 Jahren endlich zum Erfolg

Bis ins Jahr 2004 zurück reichen in Aalen die Bemühungen um den Bau eines Mehrgenerationenhauses in freier Bauherrengemeinschaft. Die Aalener Architekten Georg Winter und Bernd Liebel waren hier die ersten Ideenentwickler und eine Gruppe um Lore Eyth warb seit Jahren für die Idee. Doch es fehlte lange an einem Grundstück. Zuerst war das ehemalige Gelände von Eisen Simon im Gespräch (heute Fachärztehaus II), dann Rötenberg und Stadtoval. Erst im August 2017 reservierte die Stadtverwaltung ein 2000 Quadratmeter großes Areal im Baugebiet Schlatäcker II für das Vorhaben. Heute ist die Planungsgruppe „GeniAAl“ eine GbR. Inge Löffler und Ulrich Kirner sind ehrenamtliche Geschäftsführer.

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