Metzgerei Ruck: Aus und vorbei nach rund 100 Jahren

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Das Ehepaar Ute und Friedrich Thum hat die Metzgerei Ruck 1996 von Walter und Mina Ruck übernommen. Jetzt haben sich die beiden entschieden, aufzuhören.
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Am Donnerstag, 30. Juni, werden Friedrich und Ute Thum die Traditionsmetzgerei An der Stadtkirche 13 zum letzten Mal öffnen.

Aalen. Die Kundschaft weiß es schon. Daher ist in den vergangenen Wochen freilich auch schon manche Träne in der Metzgerei Ruck geflossen. Das Ehepaar Friedrich (64) und Ute Thum (58) hat eine weitreichende Entscheidung getroffen: Am Donnerstag, 30. Juni, werden sie ihr Fleischerfachgeschäft An der Stadtkirche 13 zum letzten Mal öffnen. Vor allem altersbedingt habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, so Friedrich Thum. 

Damit endet die beinahe 100-jährige Tradition der Metzgerei Ruck in Aalen. Und damit verliert die Innenstadt nach „Jäger“, „Seibold“ und „Meidert“, nach der „Trompete“, dem „Engel“, und zuletzt dem „Schuster“ einen weiteren regionalen Traditions-Metzger.

Der junge Walter Ruck zieht die Schlachtung auf einem Handkarren zur Metzgerei.

Das Ehepaar Thum hatte die Metzgerei 1996 von Walter und Mina Ruck übernommen, nachdem diese in den Ruhestand gewechselt waren.

Den Grundstein für „den Ruck“ aber hatten Wilhelm und Friederike Ruck Mitte der 1920er Jahre mit einem Fleisch- und Wurstgeschäft in der Löwenstraße gelegt. „Das war im Haus zwischen der heutigen Targo-Bank und Abele Optik“, weiß Gertrud Kasper, die ihren Namen sogleich korrigiert: „Normal bin i für alle d‘Rucka Traudl.“

Die 84-Jährige ist eine Schwester des 2016 verstorbenen Walter Ruck, der die Metzgerei An der Stadtkirche von 1961 bis 1996 gemeinsam mit seiner Frau Mina betrieben hat. Und die „Rucka Traudl“ ist wie ihr Bruder Walter hier in der früheren Schulstraße 13 geboren. Sie deutet auf ein Schwarz-weiß-Foto, das aus den 1950er Jahren stammen mag. „Da hinter dem Fenster über der Ladentür stand meine Wiege.“ 

Am Bild der Metzgerei Ruck An der Stadtkirche 13 hat sich seit der letzten großen Sanierung 1983 nichts geändert. Früher gehörte auch das Gebäude nebenan (heute Amorelli‘s) der Familie Ruck. Davon zeigen im Inneren zugemauerte Verbindungstüren.

Sie erinnert sich noch gut an die hohen Decken in den Räumen hinter dem Ladengeschäft, die bis heute Bestand haben. „3,30 Meter“, sagt die Seniorin und streckt ihre Arme in die Höhe. Bis zu ihrer Heirat hat sie im Geschäft ihres Vaters mitgeschafft. „Die Salami wurde damals immer in der kalten Jahreszeit bis spätestens März produziert.“ Die Würste hingen dann an Stangen unter der hohen Decke. An feucht-warmen Tagen im Sommer musste man die Salami-Würste von dort oben herunterholen, um sie trocken zu reiben. „Das war a G‘schäft!“

Der junge Walter Ruck zieht die Schlachtung auf einem Handkarren zur Metzgerei.

Geschlachtet wurde damals noch im Innenstadt-Schlachthaus (heute Haus der Jugend). „Nach dem Krieg haben mehrere Metzgereien gemeinsam ein Großvieh zerlegt.“ Und auch noch ihr Bruder Walter Ruck habe später das zerlegte Fleisch auf einer Handkarre vom Schlachthaus durch die Gassen bis in die Metzgerei in der Schulstraße gezogen. 

Ein Bild wohl aus den 1950ern: das zweite Haus v.l. ist die Metzgerei Ruck. Links das heutige Amorelli‘s.

Das Geschäft mit Wurst und Fleisch lief bestens. „Wenn Jahrmarkt war, kam die gesamte Landbevölkderung. Damals hat man nicht wie heute nur ein paar Rädla Wurst gekauft, sondern komplette Fleischwurstringe und einen ganzen Leberkäs“, weiß Mina Ruck, die gemeinsam mit ihrem Mann Walter am 30. Juni 1996 zum letzten Mal im Laden stand. 

Am 1. Juli ist die Metzger-Tradition An der Stadtkirche zu Ende. Den Kunden werden sie fehlen, die Weißwürste und der Leberkäs und noch mehr, was immer noch nach der von Walter Ruck überlieferten und von seiner Frau Mina von Hand geschriebener Rezeptur produziert wurde. Das Haus soll verkauft werden. „Wir sind im Gespräch mit Interessenten“, sagt Mina Ruck.

Mina Ruck (l.), Witwe des verstorbenen Walter Ruck, und ihre Schwägerin Gertrud „Traudl“ Kasper, geb. Ruck, erinnern sich gern an die alten Zeiten in der Metzgerei.

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