Sommerserie Zukunftsthemen (4)

Aalens Fraktionsvorsitzende: So bremst man die Mietpreise

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Mietpreise in Aalen steigen. Die Fraktionsvorsitzenden sprechen über Ideen, um diese Entwicklung zu bremsen.
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Die Mietpreise im Stadtgebiet sind in den letzten fünf Jahren um 43 Prozent gestiegen. Diese Ideen haben die Fraktionsvorsitzenden, um die Entwicklung zu bremsen.

Aalen. Wohnen wird in Aalen immer teurer. Laut dem Portals Immowelt sind die Mieten in den vergangenen fünf Jahren um 43 Prozent gestiegen. Die städtische Wohnungsbau wirbt mit Durchschnittspreisen von 5,75 Euro pro Quadratmeter. Es geht aber auch teuer. Mieter bezahlen für Neubauwohnungen, etwa auf dem Rötenberg, bis zu 13 Euro pro Quadratmeter. Das macht 1040 Euro für eine 80-Quadratmeter-Wohnung mit drei Zimmern. Vorausgesetzt Interessenten werden überhaupt fündig. Rund 500 Namen stehen auf der Warteliste der Wohnungsbau. 1500 Wohnungen sind im Angebot. 25 Prozent davon gefördert, also Sozialwohnungen. Die Fraktionsvorsitzenden antworten auf die Frage: Mieten sind in Aalen stark gestiegen. Was kann der Gemeinderat tun, um die Entwicklung zu bremsen?

Michael Fleischer, Grüne:

Michael Fleischer

Das A und O ist der Bau von Sozialwohnungen.

Michael Fleischer

In Aalen steigen die Mieten besonders stark. Mehr Wohnungsbau ist eine Antwort darauf. Wir müssen aber auch den Generationswechsel im Bestand in den Fokus nehmen. Wir brauchen in Altbaugebieten attraktive Wohn- und Betreuungsangebote für ältere Menschen, die in Häusern allein leben. So kann verstärkt Wohnraum mit vorhandener Infrastruktur für Familien mit Kindern auf den Markt kommen. Leerstände müssen angegangen und mit einem Vermietservice durch die Stadt Ängste von Vermietern genommen werden. Das A und O für benachteiligte Personenkreise ist aber der Bau von Sozialwohnungen. Das kostet Geld. Wir hatten die Streichung der Steg-Millionen unter anderem zugunsten eines Sofortprogramms sozialer Wohnungsbau beantragt, sind aber leider im Gemeinderat gescheitert. Da müssen wir nachfassen, denn in Aalen fallen über die Zeit ebenso viele Wohnungen aus der Sozialbindung wie neue geschaffen werden.

Hermann Schludi, SPD:

Hermann Schludi

Die sehr 
hohen
 Baustandards sind Kostentreiber.

Hermann Schludi

Man muss in Aalen Anreize schaffen, eventuell in Zusammenarbeit mit dem Kreis, dass Leerräume oder Wohnungen auch über leeren Ladenflächen in der Innenstadt wieder als Wohnraum genutzt werden können. In diesem Bereich der Leerstände gibt es noch viele Möglichkeiten, wo man Fantasie und Organisationstalent spielen lassen kann. Wir müssen große Firmen motivieren, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren und wieder, wie früher üblich, Werkswohnungen anzubieten. Bund und Länder müssen in Sachen Wohnungsbau höhere finanzielle Anreize schaffen. Die sehr hohen Baustandards sind Kostentreiber. Wir müssen klimaschonend bauen, treiben damit aber die Kosten in die Höhe. Deshalb müssen wir abwägen, ob jede Wohnung wirklich den maximalen Standard haben muss. Festzuhalten ist, dass das Aalener Modell des sozialen Wohnungsbau landesweit anerkannt ist und für andere Städte bereits als Modell dient.

Thomas Rühl, Freie Wähler:

Thomas Rühl

Die Wohnungsbau sollte auch mehr in den Teilorten bauen.

Thomas Rühl

Der Gemeinderat muss darauf drängen, dass die stadteigene Wohnungsbau sich wieder mehr ihrer eigentlichen Zielsetzung, dem sozialen Aspekt, zuwendet. Das Belegungsverhältnis der Wohnungsbau von 50:25:25 mag sinnvoll erscheinen, um eine gute Durchmischung der Bewohner zu erreichen und einer Ghettoisierung entgegenzuwirken. Für Käufer ist dies jedoch wenig attraktiv. Hierzu müssen neue Überlegungen angestellt werden. Die Wohnungsbau sollte auch mehr in den Teilorten bauen. Man muss von Verwaltungsseite aus das Gespräch mit Besitzern von nicht bewirtschafteten Grundstücken suchen oder mit Senioren, die ihre Anwesen eventuell räumen möchten. Letzteren muss man dafür ein gutes Kauf- und ein sehr gutes altersgerechtes Wohnungsangebot machen können. Die Wohnungsbau allein kann aber nicht alles. Es bedarf daher auch starker finanzieller Anreize für private Häuslesbauer, um Mietwohnungen zu schaffen.

Norbert Rehm, FDI:

Norbert Rehm

Mit dem Erlös gilt es, preiswerte Sozialwohnungen zu bauen.

Norbert Rehm

Die Steigerung haben „Rentschler & Friends“ zu verantworten. Die haben Steuergeld vergeudet. Ergebnis: bis zu 13 Euro Miete pro Quadratmeter auf dem Rötenberg und Stadtoval. Grundstücke der Stadt wurden an die Wohnungsbau verscherbelt und die baut viel zu wenig Sozialwohnungen. Zuletzt hat die SPD im Brütting-Wahlkampf verbreitet: Im Stadtoval sei die Sozialquote eingehalten. Falsch wie alles. Zuvor hat die Wohnungsbau für zehn Millionen Euro ein Bestandsgebäude als Kapitalanlage gekauft. Der größte Skandal. Da wurden genau null Wohnungen neu geschaffen. Lösung: Die Wohnungsbau muss alles verkaufen, was nicht preiswerter Wohnungsbau ist: WiZ, Büros, Lokale, Kapitalanlagen. Mit dem Erlös (mehrere Zigmillionen Euro) gilt es, preiswerte Sozialwohnungen zu bauen, und zwar mit einer Quote von 100 Prozent, nicht nur 25. Der Wohnungsbau würden außerdem öffentliche Sitzungen und mehr Transparenz guttun.

Dr. Frank Gläser, AfD:

Dr. Frank Gläser

Wir müssen bezahlbar, das heißt preiswert, bauen.

Dr. Frank Gläser

In unserem System– und wir kennen kein besseres – regeln Nachfrage und Angebot den Preis. Die Zuwanderung ist gesamtdeutsch ein wesentlicher Nachfragefaktor. Außerdem steigen die Kosten für Löhne, Energie und mehr. Auf all das hat der Gemeinderat keinen Einfluss. Berlin macht vor, dass Mietpreisbremsen kein sinnvolles Instrument sind. Wir müssen und können aber dazu beitragen, dass weiter gebaut wird. Dabei ist auch an extensives Bauen zu denken, anstatt die letzten innerstädtischen Grünflächen zu betonieren, und wir müssen bezahlbar, das heißt preiswert, bauen. Gerade sind die Energiestandards für Wohnungsneubauten in Aalen weit über die bundesweiten Anforderungen hinaus erhöht worden. Die Preise werden weiter steigen. Fazit unsicher. Wir können und müssen ideologiefrei und rational entscheiden und die knapper werdenden Mittel sinnvoll einsetzen und für das Geld weitere Wohnungen schaffen, anstatt zu verteuern.

Christa Klink, Linke:

Christa Klink

Mehr
 dauerhafte Sozialwohnungen
erstellen.

Christa Klink

Ja, laut einer Immobilien-Studie sind in Aalen die Mieten um 43 Prozent gestiegen, innerhalb von fünf Jahren. Das Motto „Bauen, bauen, bauen“ hat den Anstieg der Mieten nicht verhindert. Bundesweit fallen täglich 72 Wohnungen mehr aus der Sozialbindung als neue gebaut werden. Deshalb muss der Gemeinderat beschließen, dass die Wohnungsbau Aalen mehr dauerhafte Sozialwohnungen erstellt. „Die Linke“ hat im Gemeinderat beantragt, im neuen Stadtteil Tannenwäldle ein Drittel als geförderten Wohnraum zu bauen, um ihn Mietern mit geringem Einkommen anzubieten, die am allgemeinen Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben: Alleinerziehende, Familien, Singles, Wohngemeinschaften, Menschen mit Handycaps und Seniorinnen und Senioren. Mehr öffentlicher Wohnungsbau, in unterschiedlicher Ausstattung und Größe, kann verhindern, dass Menschen überteuerte Wohnungen mieten müssen und damit ein Armutsrisiko eingehen.

Thomas Wagenblast, CDU:

Thomas Wagenblast

Wichtig ist die Beibehaltung der 25-Prozent-Quote.

Thomas Wagenblast

Aus Sicht der CDU braucht es ein Maßnahmenbündel: Wir müssen die Chancen unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft nutzen, die die Hälfte des geförderten Wohnraums in Aalen stellt. Dazu erhoffen wir uns vom neuen Geschäftsführer Impulse. Wichtig ist die Beibehaltung der 25-Prozent-Quote für geförderten Wohnraum – ein starkes Mittel, um das uns andere beneiden. Die Innenentwicklung wird wichtiger. Hier wäre eine Erstberatung der Stadt für Bauherren sinnvoll: Wie können wir bei der Innenentwicklung oder beim Generationsübergang in Stadtquartieren mehr Wohnraum schaffen? Zu guter Letzt brauchen wir im maßvollen Rahmen neue Bauflächen in der Kernstadt und den Teilorten: Die hohen Mietpreise kommen auch von einem viel zu knappen Angebot. Hier müssen wir gegensteuern. Deshalb freuen wir uns auf den Start für das Wohnen am Tannenwäldle im Herbst: dort werden mehr als 250 Wohneinheiten erstellt.

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