Mit der Futura in die Zukunft

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Auch noch mit 90 Jahren arbeitet Oskar Stark in seinem Büro – und hat noch immer eine ruhige Hand.

90 Jahre alt wird Oskar Stark an diesem Dienstag. Ein Gespräch.

Aalen. Oskar Stark wird heute 90 Jahre alt. 67 Jahre davon hat er als Grafiker gearbeitet. Und er steht noch immer fast jeden Tag zuhause am Reißbrett, um neue Formen zu finden. In Farbe. Ein drittes F fehlt noch. Die Futura. Die Lieblingsschrift des langjährigen Chefdesigners der Weltfirma Carl Zeiss.

Oskar Stark ist der letzte aus der Riege der großen Aalener Künstler. Mit dem Kunsterzieher Karl Reich, der 1981 gestorben ist, als Senior und ihm als dem Jüngsten. Zur Kunst gebracht hat ihn der aus Aalen stammende Professor Rudolf Haegele, in dessen Atelier er einst Geige gespielt, dem er als Trauzeuge gedient und mit dem er am Stammtisch im "Kronprinzen" und später im "Falken" gesessen hat, erzählt Stark. Ein weiterer Hochschullehrer, Eugen Funk, wiederum hat ihm den Weg in eine Richtung gewiesen, den der Jubilar mit beharrlicher Leidenschaft bis heute beschreitet.

Die Schrift an sich ist für Oskar Stark die universal verwendbare Futura; aber dann kommt gleich die von Otl Aicher entworfene und nach seinem Wohnort bezeichnete "Rotis". Dieser brillante Kopf war nach dem Austritt von Max Bill Rektor der Ulmer Hochschule für Gestaltung. Max Bill wiederum nennt Oskar Stark in seiner ideellen Ahnengalerie der Typografen an erster Stelle.

Wie schon bei einem Besuch vor zehn Jahren durchschwebt ein Violinkonzert von J.S. Bach Starks Arbeitszimmer. Die akribische Gestaltungskunst des Thomaskantors findet ihre Entsprechung "in der unendlichen Logik von Kreis und Quadrat", sagt Stark.

Hinzugekommen ist mittlerweile die Rhombusform. In die Raute hinein komponiert er seine Futura-Kreationen. Er spiegelt sie aneinander, spielt mit Negativformen und zerlegt sie in grafisch logische Segmente.

"Geometrismus" kommentiert er lachend mit einem Schuss Selbstironie. Einem kleinen. Denn der alte Meister des Grafikdesigns weiß, was er kann. "Genauigkeit, Sauberkeit und Geradlinigkeit", nennt er als leitende Kriterien seiner Arbeit. Seine Frau Elfriede staunt über die immer noch ruhige Hand des Energiebündels. "Nichts gedruckt, alles gezeichnet", versichert Stark immer wieder. Dem ob der Fülle der ganz unterschiedlichen mit Farbe und Form gefundenen Bildobjekte staunenden Besucher bedeutet der vitale Neunziger trocken: "Do muasch halt draufkomma."

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