Mit diesen Mitteln bekämpft Aalen die Wohnungsnot

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In den Schlatäckern sowie im Liasquartier entsteht neuer Wohnraum. Künftig soll in Aalen im Schnitt mindestens jede dritte Wohnung über den geförderten Wohnungsbau entstehen und damit eine Belegungsbindung erhalten. Foto: opo
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Wie in der Kocherstadt mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen kann, wie das die Stadt fördert und welche Rolle die Wohnungsbau Aalen dabei spielt.

Aalen

Im Land fehlt ausreichend und bezahlbarer Wohnraum. Auch in Aalen ist die Situation schwierig. „Zumal jetzt nicht nur die Mieten selbst, sondern auch noch die Nebenkosten steigen“, sagte Oberbürgermeister Frederick Brütting am Mittwoch im Kultur-, Bildung- und Finanzausschuss zur Problematik auf dem Wohnungsmarkt. Trotz guter Arbeit habe die Stadt bei den Sozialwohnungen den „Turnaround“, den Umschwung, noch nicht geschafft. Noch fallen mehr Sozialwohnungen aus der Bindung, als neue entstehen. Die Stadt will deshalb eingreifen und das seit 2016 bestehende „Aalener Modell“ zur Wohnraumförderung anpassen und um eine neue Säule ergänzen. Das ist das Konzept.

Die Wohnraumakquise: Die Stadt will mit dem Konzept „Wohnraumakquise“ als neue Säule den derzeit sowohl ungenutzten, leerstehenden als auch sanierungsbedürftigen Wohnraum reaktivieren. „Ziel ist es, vorhandenen Wohnraum zu nutzen“, sagt Stefan Overmann, über das neue Instrument, mit dem man schneller Erfolge erziele. Der Leiter des Amts für Liegenschaften und Bauverwaltung erinnert den Aufruf, mit dem die Stadt Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge gesucht hat. „180 Wohnungen hat man uns angeboten.“ Das zeige das Potenzial, das vorhanden sei. Das benötige man auch bei einer Leerstandsquote von 2,5 Prozent im Ostalbkreis. Auf Aalen herabgebrochen bedeute das 830 unbewohnte Wohnungen.

Zuständig für die Akquise ist die Wohnungsbau Aalen. Die städtische Tochter, so Overmann, miete den bezugsbereiten Wohnraum für drei Jahre fest an. Für diesen Zeitraum erhalte der Eigentümer, die Eigentümerin eine Mietgarantie durch die Wohnungsbau. Um dem Vermieter eine Sicherheit zu geben, erhalte dieser für weitere zwei Jahre eine Mietgarantie.

Dieses Instrument wird durch einen weiteren Baustein ergänzt: die Förderung und Akquise von sanierungsbedürftigen Leerständen. Diese könnten mit einem gewissen finanziellen Aufwand modernisiert und dem Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden. Die Wohnungsbau ermittele den Sanierungsbedarf. Die Kosten dafür lege man dem Eigentümer über Angebote von Fachfirmen offen.

Hoher finanzieller Zuschuss: „Bis zu 10 000 Euro Zuschuss gebe es für entsprechende Sanierungen“, sagt OB Brütting mit dem Hinweis, das sei ebenfalls ein Impuls aus der Klausurfahrt nach Karlsruhe vor den Sommerferien. Diese sanierten Wohnungen könnten dann künftig als Mietwohnungen 33 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete vermietet und die aus der Mietpreisbindung entfallenen Wohnungen teilweise und vor allem schnell kompensieren.

Quote zur Wohnraumschaffung: Ab 1. November soll die Quote für private Investoren zur Schaffung von gefördertem Wohnungsbau auf 30 Prozent der neu zu schaffenden Wohneinheiten und auf mindestens 30 Prozent der Wohnfläche erhöht werden. Sämtliche in einem Projekt entstehenden Wohnungen sollen für die Quotenberechnung herangezogen werden. Einzige Ausnahme: Die eigengenutzte Wohnung durch den Projektentwickler werde der Berechnung nicht zugrunde gelegt.

Für die Aalener Wohnungsbau erhöht sich ab 1. November die Quote ebenfalls. Die Erhöhung für die städtische Tochter beträgt 35 Prozent im Mittel aller Projekte in Bezug auf die Wohnfläche wie auf die Wohneinheiten. „Das wird dadurch finanziert, dass die Wohnungsbau für weitere drei Jahre auf eine Gewinnausschüttung verzichtet“, erklärt OB Brütting.

Neubauten sind mit einem Bindungszeitraum von 30 Jahren belegt.

Um das Aalener Modell zu ertüchtigen, soll der Haushaltsansatz von 500 000 auf 750 000 Euro erhöht werden.

Das sagen die Stadträte: Ältere Besitzer leerstehender Wohnungen bräuchten Hilfe – von der Wohnungsbau, forderte Dr. Thomas Battran (Grüne). Wohnen dürfe kein Luxusgut werden, sagte Thomas Wagenblast und nannte die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum eine kommunale Aufgabe. Die Quote trage die SPD-Fraktion mit, so Hermann Schludi. Das seien jetzt entscheidende Schritte. Kritik an der unterschiedlichen Behandlung in puncto Quote und deren Anrechnung auf die Projekte von städtischer Wohnungsbau (übers Jahr hinweg) und privater Investoren (je einzelnes Projekt) übte Inge Birkhold.

Das sollten Sie übers Aalener Modell wissen

Impulse für das erweiterte „Aalener Modell“ stammen von einer Klausurfahrt des Gemeinderats nach Karlsruhe vor den Sommerferien.

Das Modell wird an diesem Donnerstag, 15. September, um 15 Uhr auch im Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik diskutiert.

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