Mit Faulenzen zum Held der Pandemie

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Wo sonst Bewegung herrscht, steht nun alles still: Die Fitnessstudios, wie hier bei Petro-Fitness, mussten mit dem Lockdown wieder schließen. Archivfoto: privat
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Eine Öffnung ist noch lange nicht in Sicht, auf finanzielle Hilfen warten sie noch: Wie Aalener Fitnessstudios mit der Krise umgehen.

Aalen

Die Stimmung ist im Keller. Die Kräfte schwinden, ebenso das Geld. Fitnessstudios leiden unterm erneuten Lockdown – nicht nur ihre Betreiber haben an der vorübergehenden Schließung zu kämpfen, auch den Kunden fehlt Bewegung und Fitness. Bei Aalener Studios ist der Tenor deutlich: Sie fühlen sich von der Politik vergessen.

"Die Verlängerung des Lockdowns ist für viele Unternehmen ein Schlag ins Genick", weiß Manuel Graf, Inhaber von Petros Fitness. "Für unser Studio mit über 25 Mitarbeitern und für all unsere Mitglieder ist die Zeit sehr schwer. Keine Perspektive zu haben, ist kein schönes Gefühl." Denn noch scheint eine Öffnung der Fitnessstudios in weiter Ferne.

Als im November der Lockdown begann, blieb die Möglichkeit, individuelles Training anzubieten. "Dies ist zwar finanziell betrachtet nicht lohnenswert, allerdings fördert es unser primäres Unternehmensziel, Menschen fit und gesund zu halten und zu machen sowie einen gesunden Ausgleich zu schaffen", so Sebastian Schatz. Der Geschäftsführer des Flix Gym ist enttäuscht darüber, dass mit dem harten Lockdown auch diese Möglichkeit genommen wurde. "Wir haben hier wenig Verständnis."

"Glücklicherweise dürfen wir unsere Rehasport-Kurse fortführen, um unsere Reha-Patienten zu betreuen", erklärt Manuel Graf. Denn Rehasport ist in Baden-Württemberg noch erlaubt, dieser fällt unter medizinisch notwendige Dienstleistungen.

Denn für eines haben die Aalener Studiobetreiber gesorgt: die Einhaltung der Hygienevorschriften und der erforderlichen Maßnahmen. "Wir verstehen absolut nicht, wie die Infektionsgefahr hier höher sein kann, als bei einem Einkauf im derzeit meist überfüllten Lebensmitteleinzelhandel oder einer Drogerie." Schatz ist wichtig: "Gerade in der Zeit, in der außer arbeiten und möglichst daheim bleiben nichts erlaubt ist, sollten Menschen zumindest – und wenn auch nur einzeln – Sport in Einrichtungen wie Fitnessstudios treiben dürfen."

Auch für die Kunden ist die Schließung kein leichtes Unterfangen. Das Flix Gym erreichen viele Nachrichten, wann denn endlich wieder geöffnet werde.

"Durch das Homeoffice werden die Rückenbeschwerden stärker, man nimmt an Gewicht zu oder einem fällt die Decke auf den Kopf, und man möchte endlich wieder trainieren", berichtet Schatz. Michael Scharfenecker vom Active Gym: "Viele sind traurig darüber, ihren Erfolg durch die Schließung verschieben zu müssen, verlieren die Motivation und wissen nicht mit der Situation umzugehen."

Fitnessstudios sind Teil der Lösung, nicht das Problem.

Stefanie Rapp Geschäftsführerin TopFit

Und das gelte für junge und ältere Sportler. In der Kampfsportschule des Active Gym trainieren 100 Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren. "Genau die leiden so sehr unter dieser Situation, weil soziale Kontakte, Bewegung und der Spaß in den Kursen von zentraler Bedeutung für die Entwicklung in diesem Alter stehen." Sebastian Schatz betont: "Besonders leid tun uns ältere Mitglieder, die regelmäßig in unseren Studios alleine oder gemeinsam Sport getrieben und sich auch im hohen Alter noch fit gehalten haben. Gerade diesen Menschen wird eine wichtige Möglichkeit der Aufrechterhaltung oder Verbesserung der Fitness, Gesundheit und des Immunsystems genommen."

Die großen Verlierer

Das findet auch Stefanie Rapp. "Fitnessstudios sind für die Gesunderhaltung der Bevölkerung da und keinesfalls die Treiber der Pandemie. Sie sind Teil der Lösung, nicht das Problem", macht die Geschäftsführerin von TopFit deutlich. Die Aalener Betreiber sind sich einig: Sport daheim mit oder ohne Videos und draußen an der frischen Luft ist gut, ersetzt aber nicht den Gang ins Studio, die Kurse, das gezielte Training.

Stefanie Rapp findet deutliche Worte und zeigt, wie enttäuscht sie mit der jetzigen Situation ist: "Wir als Fitnessstudio gehören zu den großen Verlierern der verheerenden Corona-Politik. Anstelle den Menschen die Möglichkeit zu geben, etwas aktiv für die Stärkung ihres Immunsystems zu tun, propagiert die Bundesregierung mit ihren Botschaften genau das Gegenteil, denn hier wird man mit Faulenzen und Dosenravioli zum Held der Pandemie."

Weiter kritisiert sie die versprochenen finanziellen Hilfen, die bislang noch nicht angekommen sind. "Es erscheint uns als Betroffene als Hohn, wenn unser Finanzminister Ende Oktober über eine ‘Sofort- und Novemberhilfe' spricht, die bis Mitte Januar noch nicht ausbezahlt wurde."

Schatz sieht das ähnlich: "Dies ist für uns als junges Unternehmen somit eine schwierige und unplanbare Herausforderung, jedoch versuchen wir sie so gut wie möglich zu meistern. Trotzdem ist es für uns unverständlich, warum die Hilfen mit einer solchen Verzögerung ausgezahlt werden." Gleichbleibende Fixkosten aber kein Umsatz – über die Runden kommen, heißt es nun für die Inhaber und Mitarbeiter der Fitnessstudios. Und das oft mit befristeten Nebenjobs, Kurzarbeit und Darlehen.

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