Mit oder ohne Schatz zum Silbersee

  • Weitere
    schließen
+
-

Der ehemalige Baggersee bei Burgau im Landkreis Günzburg hält Einiges bereit. Und auf unterhaltsamen Umwegen kommt man bestens hin.

Aalen

Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, nimmt einen Umweg nicht in Kauf. Nein, er gönnt ihn sich vielmehr. Die Strecke ist landschaftlich schöner, hat mehr Kurven und deshalb weniger Lastwagen, die Aussicht ist beeindruckender. Der Umweg – das ist ein bisschen das Motto dieser Tour. Aber nicht allein der Weg ist das Ziel. Heute geht es an den Silbersee.

Silbersee? Da fällt einem doch Karl Mays "Schatz im Silbersee" ein. Verfilmt 1962 mit Lex Barker als Old Shatterhand und Pierre Brice als Winnetou. Die Handlung spielt in den Rocky Mountains, ist frei erfunden – aber den Silbersee, den gibt's wirklich. Die Einwohner des nahen Dörfleins Remshart bei Burgau im Dunstkreis von Günzburg haben ihn so benannt, weil er abends silbrig in der Sonne glänzt. Von einem Schatz ist dort nicht die Rede – außer vielleicht, dass jemand mit seinem Schatz im Silbersee schwimmt oder badet.

Zurück zum Umweg. Der Reporter tuckert nach Unterkochen, schlägt zwei Haken durchs Dorf, vorbei an der Spezialpapierfabrik Munksjö und der örtlichen Sporthalle, um die Waldhäuser Steige in Angriff zu nehmen. Über die Ebnater oder die Himmlinger Steige aufs Härtsfeld zu fahren, erscheint ihm zu langweilig.

Kurvig, schmal und steil

Die Waldhäuser Steige ist ein Sträßchen so richtig nach seinem Geschmack: lastbeschränkt auf 3,5 Tonnen, kurvig, schmal, steil, an einer Seite geht's runter und an der anderen rauf. Schade nur, dass der alpine Charme nach zwei Kilometern nachlässt. Und schade auch, dass belaubte Bäume einen Blick zurück ins Tal vereiteln.

Um nach Neresheim zu kommen, wählt der Tourenfahrer die Zickzack-Route über Waldhausen, Beuren, Hohenlohe, Elchingen, Dorfmerkingen und Dossingen. Siehe Stichwort "Umweg". Trotz des schönen Wetters bläst auf dem Härtsfeld ein steifer Nordwest, Getreide und Mais wiegen sich im Wind. Manchmal riecht's nach frisch gemähtem Gras. Von Neresheim aus geht's durchs kurvige Egautal auf glattem Asphalt in Richtung Dischingen. Es lohnt sich, bereits in Iggenhausen abzubiegen nach Katzenstein. Zwar ist das nicht angeschrieben, aber es gibt nur dieses einzige Sträßchen, das dort den Hang erklimmt. Von oben aus genießt man einen schönen Blick auf den Härtsfeldsee, bei der Abfahrt wenig später den auf Burg Katzenstein.

Über Dunstelkingen geht's nach Eglingen, dann scharf rechts und auf eine Gute-Laune-Motorradstrecke: die Kreisstraße 3001 des Nachbarkreises Heidenheim. Meistens übersichtlich, schöne Kurven, nicht allzu viel Verkehr. Man passiert die Einfahrt zum Schloss Duttenstein (Tierpark), und nach Demmingen vor einer scharfen Rechtskurve überquert man die Grenze zu Bayern. Nach Mödingen grüßt der Kirchturm von Kloster Maria Medingen, dann erreicht man Zöschlingsweiler.

Abkühlung schon jetzt?

Wer jetzt schon Abkühlung braucht: Links fahren, nur wenige Kilometer entfernt hält der Schabringer Weiher sein klares Wasser bereit. Zum Silbersee aber fährt man geradeaus über die Kreuzung, quert bei Lauingen zuerst die Bundesstraße 16 und dann die Donau und düst vorbei an der Einfahrt zum Auwaldsee – Ziel einer Tour des vergangenen Jahres.

Gundremmingen – der Name dieses Dorfes hat keinen schönen Klang für Atomkraftgegner. Trotzdem findet es der Reporter spannend, das Kernkraftwerk in unmittelbarer Nähe zu passieren. Er hält sogar kurz an, um ein Foto zu machen. Zum Glück ist dann aber die Straße so komfortabel ausgebaut, dass ein zügiges Entkommen gelingt.

Er hat sich gemerkt, dass der Silbersee bei Offingen liegt. Tuckert durchs Dorf, kann aber keinen Hinweis finden. Dann, am nächsten Kreisverkehr, unübersehbar der Hinweis aufs Naherholungsgebiet Silbersee. Zwei Kilometer später links, und das war's dann, nach 82 Kilometern.

Wie man der Natur nachhilft

Das Gewässer ist ein ehemaliger Baggersee, den das Grundwasser zweier Flüsschen in der Nähe speist. Er ist etwa 600 Meter lang und 300 Meter breit, hat also eine Fläche von 18 Hektar. Das Wasser ist sauber, zwischen den kiesigen Zugängen wächst Schilf. Man hat den See, nachdem sich der Kiesabbau nicht mehr lohnte, der Natur überlassen.

Inzwischen hat der Mensch aber der Natur nachgeholfen und so findet man weitläufige Liegewiesen, einen Wasser-Abenteuerspielplatz für Kinder, daneben ein italienisches Restaurant mit großer Terrasse (und öffentlichen WCs im Gebäude), einen Bootsverleih, fein und hart geschotterte Parkplätze, Grillstellen, und sogar einen Campingplatz. Der hält 100 Stellplätze bereit, auch für Tages- und Wochenendcamper, und hat das ganze Jahr über geöffnet. Den See zu Fuß umrunden kann man auch, die durchschnittliche Gehdauer wird mit 35 Minuten angegeben. Der Reporter unternimmt einen Streifzug, geht eine Runde schwimmen und holt sich danach am "to-go"-Schalter des Restaurants ein Eis. Er gewinnt den Eindruck, dass der Silbersee vor allem an schönen Sommerwochenenden von vielen Familien mit Kindern angesteuert wird.

Bei der Rückfahrt könnte man einfach bei Burgau auf die A8 und dann übers Kreuz Ulm/Elchingen auf die A 7 bis Langenau fahren. Von dort aus will der Tourenfahrer auf der ehemaligen B 19 nach Herbrechtingen und weiter über Heidenheim zurück nach Aalen. Aber Autobahn ist für Motorradfahrer eine Notlösung. Und so fährt er über Rettenbach nach Günzburg und von dort in Richtung Heidenheim.

Gerade wie ein US-Highway

Wie ein Highway im US-amerikanischen Westen zieht sich die Straße durchs Donauried stangengerade bis nach Niederstotzingen am Rande der Schwäbischen Alb.

Die Kleinstadt wird durchquert, schließlich geht's links in Richtung Langenau. In Rammingen wird an der Ortsdurchfahrt gebaut, weswegen sie eigentlich gesperrt ist. Aber ein Haken nach links, rum um die Kirche, und schon hat man die Baustelle hinter sich. Umfahrung Langenau, Unterquerung der A 7 und an der Ampel rechts.

Jetzt hat der Reporter eine Sahnestrecke vor sich liegen: Die ehemalige B 19, jetzt Landesstraße 1079, führt parallel zur Autobahn, jedoch mit Auf-und-ab und Links-und-rechts durch schöne Alblandschaft bis nach Herbrechtingen. Von dort aus auf der Bundesstraße nach Heidenheim und über Königsbronn und Oberkochen zurück an den Kocher. 171 Kilometer stehen auf dem Zähler.

Informationen im Internet: www.seen.de (See), www.gemeinde-rettenbach.de (See, Einrichtungen), www.amsilbersee.de (Anfahrt, Restaurant mit Speisekarte), www.campingfreunde-silbersee.de (Campingplatz).

-
Orgie in Beton: Kühltürme des AKW Gundremmingen.
Der Reporter ist dieses Jahr mit Signalweste unterwegs.
Der Campingplatz am Silbersee mit Areal für Zelte. Es gibt viele Dauercamper, aber auch Kurzzeitstellplätze.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL