Mit Oma, Jäger und Bär gegen die Armut

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Erlebnispädagoge Oliver Eyth mit den den Kindern des Mogly-Projektes bei Spiel "Oma, Jäger, Bär".

"" heißt ein Projekt der AJO, bei dem es auch Nachhaltigkeit geht. Doch es steckt noch mehr dahinter. Dagmar Oltersdorf

Aalen

Regungsloses Abwarten. Und dann lautes Gebrüll im stillen Wald. So kann Teamarbeit aussehen und klingen. Auf dem weichen Boden bei der Grillstelle beim Wanderparkplatz Aalbäumle liegt ein gelbes Seil, zwei Gruppen von Kindern stehen sich rechts und links davon gegenüber. Keine der Gruppen weiß, welche Rolle die andere Gruppe nun gerade für sich ausgesucht hat. "Oma, Jäger, Bär" heißt das Bewegungsspiel, um das es geht. Der Bär schlägt die Oma, der Jäger den Bären, die Oma den Jäger - so die Grundregel dabei. "Man muss dabei schauen, was das Gegenüber macht. Da kann man sehen, wie bei den Einzelnen das Gehirn rattert", sagt Oliver Eyth, der die Gruppe anleitet. Den anderen einschätzen, schnell reagieren, Grenzen setzen und überschreiten, Selbstbewusstsein entwickeln, um all das gehe es bei "Oma, Jäger, Bär", erklärt der Erlebnispädagoge. "Und es geht darum, wie überzeugend man sein kann und damit um Selbstbehauptung." Eine große Gruppe erwachsener Bären habe an anderer Stelle schon mal von einer einzigen selbstbewusst auftretenden Oma die Flucht ergriffen, erzählt Eyth.

Seit dem frühen Nachmittag bereits ist Eyth mit der Gruppe junger syrischer Geflüchteter, der "mogly"-Gruppe der AJO, unterwegs im Wald beim Langert. Er hat mit den acht Jungen und Mädchen Wildschweinspuren gesucht und ihnen das Leben mit und im Wald nähergebracht. Es sind benachteiligte und armutsgefährdete Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund die "mogly" im Blick hat, wie Emine Öztürk, Leiterin des Projektes erklärt. "Wir begleiten sie bei allen Herausforderungen. Sprache, Schule, Ausbildungsalltag", ergänzt sie. Diesmal gehe es in diesem Projektmodul um „Umweltbildung", also darum, den Kinder- und Jugendlichen das Thema Nachhaltigkeit und Achtsamkeit in der Natur näherzubringen.

"Wir haben ganz neue Pflanzen entdeckt", erzählt die 12-jährige Khadija, was sie von dem Tag mit nach Hause nehmen wird. Sie ist vor sechs Jahren nach Deutschland gekommen, ihre 16-jährige Freundin Esra vor fünf. "Wir haben Insekten gesehen, die ich noch nicht kannte", ergänzt diese, bevor sich die Gruppe wieder auf den Weg macht. Noch zwei weitere Tage werden die Jungen und Mädchen im Wald verbringen, zum Abschluss wird gegrillt. Fest steht für Khadija und Esra aber jetzt schon, dass sie öfters gemeinsam in den Wald gehen werden. Wenn auch ohne Gebrüll.

Das Projekt " mogly " ist im Januar 2020 gestartet und läuft bis Ende Dezember 2022 an den AJO-Standorten in Aalen, Heidenheim, Schwäbisch Gmünd und Stuttgart. Aktuell werden 270 Kinder und Jugendliche damit unterstützt. Es ist der Teil der Strategie "Starke Kinder - chancenreich" im Schwerpunktjahr gegen Kinderarmut des Landes Baden-Württemberg. Die AJO - Aktion Jugendberufshilfe in Ostwürttemberg e.V. wurde 1987 als gemeinnütziger Verein auf Initiative der Stadt Aalen von Einrichtungen der katholischen Kirche und des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gegründet. Mehr dazu unter www.ajoev.de online.

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