Mit welchem Problem Gaststätten kämpfen

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Dagobert Hämmerer
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Dehoga-Chef Dagobert Hämmerer: Der Personalmarkt ist leergefegt.

Aalen. Gaststätten – wie etwa das Rambazamba in Aalen – haben geschlossen, weil das Personal fehlt. „Das ist ein Problem der ganzen Branche“, meint Dagobert Hämmerer. Vorsitzender des Verbands für Hotellerie und Gastronomie (Dehoga) im Ostalbkreis. Jeder habe Personal über die Pandemie verloren und der Markt sei leer gefegt.

Wer ist am meisten betroffen? Hotels, Gaststätten, Bars?

Dagobert Hämmerer: Da gibt es keine der einzelnen Sparten, die mehr oder weniger von der Personalnot betroffen sind. Jeder hat sein Personal so gut wie möglich gepflegt und hat seine Mitarbeiter sogar nur beschäftigt, damit Sie beschäftigt sind. Es wurde sogar eine geringfügige Beschäftigung angeboten und Kurzarbeitergeld bezahlt. Viele Betriebe, die gut gewirtschaftet haben, konnten den ersten Lockdown gut überstehen und das Personal behalten. Doch der zweite und dann der dritte Lockdown waren zu viel. Wir konnten im ganzen Ostalbkreis unser Personal nicht mehr halten. Viele Mitarbeiter wurden abgeworben und sind jetzt in großen Discountern, um Regale einzuräumen. Oder die Köchin bzw. der Koch sind jetzt hinter der Fleisch-, Wurst- oder Fischtheke als Lebensmittelfachkraft. Der Rest wurde dann von der Industrie umworben und eingestellt.

Bezahlt die Branche ihre Mitarbeiter in Service und Küche zu schlecht?

Es gibt überall schwarze Schafe. Aber die meisten der Betriebe behandeln und bezahlen ihre Mitarbeiter korrekt. Mit einer Mindestlohnbezahlung kommt heute keiner mehr hinter dem Ofen vor. Selbst Zimmerfrauen werden gut, und weit über dem Mindestlohn, bezahlt. Eine Fachkraft im Service, in der Küche oder auf der Etage verlangt heute einen guten Lohn, der dann auch vereinbart wird.

Welche Aktionen planen die hiesigen Gastronomen, um die Personalnot zu lindern?

Wir haben schon Gespräche mit der Geschäftsleitung der Agentur für Arbeit hier im Ostalbkreis geführt, das Ergebnis ist folgendes: Ich habe alle Mitgliedsbetriebe im Ostalbkreis angeschrieben und um eine Rückmeldung gebeten, was diese an Personal benötigen. Diese Aktion läuft noch. Zudem haben wir am 9. September bei der Agentur für Arbeit in Aalen einen Dehoga-Messestand, der sowohl mit Fachpersonal von uns und mit Infomaterial bestückt ist. Wir versprechen uns von dieser Aktion, das Interesse für Auszubildende in der Branche zu wecken.

Wird auch über neue Arbeitszeitmodelle nachgedacht, die für mögliche Bewerberinnen und Bewerber attraktiver sind?

Es wird über verschiedene Modelle nachgedacht und es werden auch verschiedene Modelle angeboten; immer in Absprache mit der jeweiligen Person und dem Betrieb. Somit kann jeder für sich entscheiden, was er tun möchte. Es werden auch Angebote für Quereinsteiger und berufsfremde Interessenten angeboten. Fazit: Sollte die Personalnot in der Gastronomie noch lange anhalten, werden viele Betriebe die Öffnungszeiten ändern und nur noch so öffnen, wie sie es bewältigen können. Und dies wären dann eventuell noch drei Öffnungstage die Woche. Das wäre schade um eine doch so tolle Branche.

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