Modepark Röther: Jetzt spricht der OB

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Seit über 20 Jahren gibt es den Modepark Röther an der Wilhelm-Merz-Straße in Aalen mit einer Verkaufsfläche von knapp 6000 Quadratmetern und kostenfreien Kundenparkplätzen.ÌÌFoto: opo
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Frederick Brütting äußert sich zu den Vorwürfen Johannes Gentners, die Stadtverwaltung würde dem Gemeinderat wichtige Informationen vorenthalten. Welche Chance Brütting für den Modepark sieht. Von Ulrike Wilpert

Aalen

Die Wogen der Empörung schlagen hoch. Denn von außen betrachtet, wäre eigentlich alles ganz einfach: Modepark Röther will seinen innenstadtnahen Standort verlegen ins Gentner Westside. Und Johannes Gentner würde ihm sogar ausreichend Verkaufsfläche in seinem Einkaufszentrum vor den Toren der Stadt zur Verfügung stellen. Doch die Aalener Stadtverwaltung blockiert, weil die Innenstadt keinen Schaden nehmen soll von einer noch größer werdenden Konkurrenz auf der Grünen Wiese. Die SchwäPo hat sich bei OB Frederick Brütting nach den Gründen erkundigt.

Wenn man miteinander redet, bekommt man das schon hin.“

Frederick Brütting, Oberbürgermeister

Wie ordnen Sie diesen Konflikt ein?

Frederick Brütting: Die Schwierigkeit ist, dass Johannes Gentner für das Westside eine Bauvoranfrage gestellt hat, die sich nicht nur auf die Ansiedlung von Modepark Röther im Gebäude des heutigen Mediamarkts bezieht. Sondern auch auf einen Neubau mit dem Schnellrestaurant Kentucky Fried Chicken, mit Lidl, dm, Mediamarkt und einen Bäckereifachmarkt. Das sind die Dinge, die uns veranlasst haben, einen neuen Bebauungsplan für das Gentner-Areal aufzustellen. Zu diesem Ergebnis kommt übrigens auch die von Gentner beauftragte Auswirkungsanalyse. Am Ende des Gutachtens heißt es, dass man einen Bebauungsplan für notwendig hält.

Aber handelt es sich bei Röther nicht nur um eine Verlagerung der Verkaufsfläche?

Eben nicht nur. Das muss man einordnen. Durch den von Gentner angedachten Umzug von dm, Lidl und Mediamarkt in den künftigen Neubau würden ja wiederum große Bestandsflächen im Westside frei. Auf diese Weise könnten theoretisch künftig noch mehr Flächen mit innenstadtrelevanten Sortimenten ausgefüllt werden.

Was sagen Sie zu den Vorwürfen Gentners, die Rathausspitze würde dem Gemeinderat wichtige Informationen vorenthalten?

Gentner meint damit das Ergebnis der Auswirkungsanalyse, die er selbst in Auftrag gegeben hat. Wir haben mit ihm dazu einen Erörterungstermin vereinbart, der noch nicht stattgefunden hat. Gentner hat den Termin damals abgesagt. Wir wollen das Gutachten natürlich diskutieren. Jetzt gibt es einen neuen Termin im April.

Warum weiß der Gemeinderat nichts von dem Gutachten?

Dieses Gutachten ist eine privat beauftragte Analyse. Wir hatten Gentner freigestellt, das Ergebnis dem Gemeinderat zur Verfügung zu stellen. Wir hätten das Ergebnis zum richtigen Zeitpunkt im Gemeinderat thematisiert. Aber wir machen ja jetzt an diesem Donnerstag erst den ersten Aufschlag für den Bebauungsplan. Und dafür ist das Gutachten irrelevant. Noch einmal: Selbst dieses Gutachten empfiehlt am Ende, einen Bebauungsplan für das Gentner-Areal aufzustellen. Wenn der Gemeinderat also über die Aufstellung eines Bebauungsplans entscheidet, ist das kein Widerspruch.

Wenn der Gemeinderat an diesem Donnerstag den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan fasst: Ist damit die potenzielle Verlagerung von Röther ins Westside schon komplett ausgeschlossen?

Die Frage ist nicht ganz richtig gestellt. Denn dass sich Röther mit knapp 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche in das Gebäude des seitherigen Mediamarkts verlagern kann, ist schon jetzt nicht zulässig, weil für dieses Grundstück seit 1996 eine Baulast in dem seit 1986 bestehenden Bebauungsplan eingetragen ist. Darin ist festgelegt, dass die Nutzung dieser Fläche nur für Mediamarkt und den Sportmarkt ausgelegt ist. Johannes Gentner müsste das also seit 1996 wissen. Großflächige Textilbekleidung ist hier nicht zulässig.

Warum muss sich Röther an seinem jetzigen Standort überhaupt verändern?

Ausgangspunkt ist, dass das Areal an der Wilhelm-Merz-Straße städtebauliches Sanierungsgebiet ist. Das Röther-Gebäude und die dazugehörige Fläche gehören einer Immobiliengesellschaft der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft. Der städtebauliche Entwurf für das Sanierungsgebiet sieht hier eine verdichtete Wohnbebauung vor. Das Problem: Röther hatte eine Option auf eine Verlängerung seines Mietvertrags bis 2037. Damit aber wäre die städtebauliche Entwicklung hier für die nächsten 15 Jahre blockiert gewesen. Deswegen hat die Stadtverwaltung darauf hingewirkt, dass Röther seinen Mietvertrag nicht mehr verlängern kann.

Widerspricht das nicht dem Ansinnen der Stadt, Röther in Aalen am alten Standort zu halten?

Nein. Unsere Haltung ist, dass Eigentümer und Röther als Mieter ein gemeinsames neues Konzept für diesen Standort aufstellen sollen. Zur Quadratmeterzahl der Verkaufsfläche sage ich jetzt nichts. Aber wenn uns das städtebauliche Konzept überzeugt, sind wir bereit, mitzugehen. Ich glaube, was die Größe der Verkaufsfläche anbelangt, liegen wir gar nicht so weit auseinander. Wenn man miteinander redet, bekommt man das schon hin.

Röther sagt, sein Modepark funktioniert nicht in verdichtetem Wohnbau...

...wir sagen doch. Wohnen, arbeiten, einkaufen, das macht eine Stadt aus. Das kann auch miteinander funktionieren. Dass es funktioniert, sieht man ja in ganz vielen anderen Städten. Ich denke, die Linie, die die Stadtverwaltung seit den vergangenen Jahrzehnten verfolgt, ist die richtige: Man hat stets versucht, die Dinge, die in eine Innenstadt gehören, auch in der Innenstadt zu konzentrieren. Und in Aalen sieht man: Dieses Konzept ist erfolgreich. Insgesamt ist das doch eine absolut richtige Entwicklung.

An diesem Donnerstag fasst der Aalener Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss zu einem Bebauungsplan für das Gentner Westside. Die öffentliche Sitzung in der Stadthalle Aalen beginnt um 15 Uhr.

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