Mohammad – ein Asylantenschicksal

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Mohammad (rechts) mit seinen zu Besuch weilenden Töchtern beim Friedensfest der katholischen Seelsorgeeinheit Aalen im Gemeindehaus von St. Maria. Archivfoto: -afn-

Vor 20 Jahren kam der Flüchtling nach Aalen, wo er jetzt gestorben ist.

Aalen. Vor mehr als 20 Jahren musste Mohammad aus politischen Gründen seine Heimat in Persien verlassen. Und fand über Umwege im Ostalbkreis, zuletzt in Aalen, Asyl. Jetzt ist er im Alter von 70 Jahren einem Herzinfarkt erlegen. Nach der Arbeit in der Spielhalle im Bahnhof, wo er seine kleine Rente aufbesserte.

Nie hat er auch nur einen Euro staatlicher Hilfe in Anspruch genommen. Vielmehr hat er vom ersten Tag an gearbeitet. Alles, was sich ihm anbot. Bis zum Rentenalter hat er 15 Jahre bei Burger-King im Ulmer Hauptbahnhof sein Brot verdient. Ist täglich mit dem Zug hin- und hergefahren, hat nach der Nachtschicht bis zum ersten Frühzug auf einer Bank geschlafen. Zuerst hauste er in Böbingen in "einem Loch" von Wohnung.

Zusammen mit einem jungen Kurden galt er dereinst beim Freundeskreis Asyl als Problemfall. Auf Bitten der Rechtsanwältin Kohlmeyer-Kaiser nahm sich ein Aalener Rentner der beiden "armen Schlucker" an, erreichte mit Unterstützung von CDU-Landtagsabgeordneten Winfried Mack über den Petitionsausschuss des Landtags für beide Bleiberecht, putzte auf der Suche nach einer Unterkunft für die beiden vergebens viele Türklinken, bis er über einen Freund endlich eine Wohnung fand. Diese richtete er mit Unterstützung seiner Familie komplett ein.

Eine Freude war Mohammad in seinem tristen Dasein noch vergönnt: Seine Frau, seine zwei Töchter und sein Sohn konnten ihn nach über 20 Jahren noch wechselweise besuchen, weil sie Mohammads Aalener Freund in seinem Haus aufnahm.

Mohammad lebte all die Jahre äußerst bescheiden und unterstützte seine Familie in Teheran monatlich mit jedem Euro, den er erübrigen konnte.

Jetzt wurde er in Wasseralfingen nach muslimischem Brauch bestattet, weil eine Überführung seines Leichnams in den Iran über 5000 Euro kosten würde.

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