Mosambik weint um Papa Lingel

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Siegfried Lingel machte viele Jahrzehnte vor, wie man Flüchtlingsströme lenken kann: Seine Entwicklungshilfe setzte vor Ort in Mosambik an. Er kümmerte sich intensiv um die Bildung von Kindern.

Große Trauer um den im Alter von 82 Jahren verstorbenen Honorargeneralkonsul und Unternehmer aus Aalen

Aalen. Was gibt es für ein schöneres Vermächtnis als unbeschwertes Kinderlachen? Das Glück der Kleinen in Mosambik war es, das Honorargeneralkonsul Siegfried Lingel immer wieder angetrieben hat. Jetzt ist der engagierte Vollblutunternehmer aus Aalen mit 82 Jahren von uns gegangen. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang war der Banker ein hochgeschätzter und verehrter Verbündeter der Menschen im Südosten Afrikas.

Auch schwere Krankheit und Corona-Pandemie konnten Siegfried Lingel nicht bremsen. Sein Lebenswerk in Mosambik war zu sehr Herzensangelegenheit. Er genoss die anstrengenden Reisen, wenn er die mehr als 20 Kindergärten, Schulen und Ausbildungszentren der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft (DMG) besuchte. Bunt ging es dann immer zu – und fröhlich: Die Kinder tanzten zur Begrüßung. Typisch afrikanisch. "Ist das nicht herrlich?", freute Lingel sich dann und schwang selber die Hüften zu den Folkloreklängen: "Dafür macht man das doch alles. Hier lernt Mosambiks bessere Zukunft."

Rund 75 Mal war der langjährige Macher der Aalener Immobiliengesellschaft vor Ort – und spulte dabei ein Programm ab, das unglaublich war. Intensiv. Rastlos. Immer dabei, Netzwerke zu spinnen und auszubauen. Wenn es wichtig wurde, zog er einen auch im größten Trubel kurz am Arm zur Seite, um seine Botschaft mit der markanten Stimme zielgenau zu platzieren. "Bildung steht ganz oben!", betonte er immer wieder, "noch vor Rohstoffen und dem Klimawandel."

In Mosambik, dem bitterarmen Land am Indischen Ozean, verdiente sich der beliebte wie hartnäckige Deutsche einen liebevollen Spitznamen: "Papa Lingel". Wenn der lächelnde Aalener mit dem Legendenstatus kam, entstand Gutes in Mosambik. Das wird man ihm dort nie vergessen. Sein Erbe ist imposant.

Siegfried Lingel trieb auch die einzigartige Städtefreundschaft zwischen seiner Heimatstadt Aalen und Vilankulo voran. Für Aalens OB Thilo Rentschler gehört er zu den "ganz Großen, die viel bewegt haben in der Entwicklungshilfe.

"Siegfried Lingel hat bewiesen, dass man durch Eigeninitiative und durch eigenes Tun die Welt ein gutes Stück verbessern kann", sagt Rentschler, der Siegfried Lingel im Sommer dieses Jahres schon wieder in Reiseplanung erlebt hat. "Im Oktober wollte er wieder seine Kinder, seine Schulen und Bildungseinrichtungen in Mosambik besuchen, hoffend, dass Corona ihm keinen Strich durch die Rechnung macht", erzählt der Oberbürgermeister.

Siegfried Lingel tat alles dafür, dass die nachhaltige Entwicklungsarbeit der DMG in Mosambik reibungslos weitergeht und mit Sohn Markus Lingel (51) in der Familie bleibt. Vom Vater übernahm Markus auch die Leitung der erfolgreichen Merkur Bank in München, die vom Sanierungsfall zur sehr erfolgreichen Privatbank aufstieg. Noch so eine Erfolgsgeschichte...

Ruhe in Frieden, "Papa Lingel".

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